Trauer um die Opfer in Burkina Faso
Interreligiöser Dialog in Burkina Faso
Erzbischof Paul Yemboaro Ouedraogo
Erzbischof Paul Yemboaro Ouedraogo

22.10.2017

Erzbischof aus Burkina Faso lobt interreligiösen Dialog "Wir tun alles, um nicht in Panik zu verfallen"

Erzbischof Ouedraogo lobt das gute Miteinander der Religionen in Burkina Faso. Darüberhinaus fordert er eine gute Versorgung scheidender Staatschefs in Afrika, die im Ruhestand sogar um ihr Leben fürchten müssten.

Trotz islamistischer Anschläge in der jüngsten Vergangenheit ist das Verhältnis der Religionen in Burkina Faso nach den Worten von Erzbischof Paul Yemboaro Ouedraogo stabil. "Natürlich säen solche Anschläge Misstrauen und Angst", sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz von Burkina Faso am Mittwoch in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Aber wir tun alles, um nicht in Panik zu verfallen."

Auf die Frage, was die Kirche gegen die Ausbreitung des Extremismus tun könne, antwortete Ouedraogo: "Zuallererst die guten Beziehungen zu den Muslimen weiter pflegen und erreichen, dass die Muslime dauerhaft jeglichen Extremismus verurteilen."

"Karawane des Friedens" sei gutes Beispiel

Extremisten, so der Erzbischof von Bobo-Dioulasso weiter, hätten noch nie etwas Gutes bewirkt - weder für Muslime, noch für Christen. "Das zeigen auch die Anschläge, denen genauso viele Muslime wie Nicht-Muslime zum Opfer fallen." Zugleich warnte Ouedraogo vor pauschalen Verdächtigungen. "Die Mehrheit der Muslime hat mit dem Terrorismus nichts zu tun."

Als gutes Beispiel für den interreligiösen Dialog nannte Ouedraogo die von missio unterstützte "Karawane des Friedens", bei der junge Christen und Muslime in die Dörfer gehen, um für ein friedliches Miteinander zu werben. "So etwas hinterlässt Spuren, in kleinem Maßstab vielleicht, aber im Endeffekt profitiert die ganze Gesellschaft davon."

Viele Staatschefs zögerten ihren Abschied aus dem Amt hinaus, weil sie danach keine Perspektiven für sich sähen, sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenzen von Burkina Faso und Niger, Erzbischof Paul Yamboara Ouedraogo, am Mittwoch in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Ruhegeld gesetzlich festschreiben

"Wenn sie die Macht verlieren, verlieren sie alles - sowohl auf wirtschaftlicher, wie auch auf persönlicher Ebene", erläuterte der Erzbischof von Bobo-Dioulasso. "Manchmal verlieren sie sogar ihre Freiheit oder müssen um ihr Leben fürchten." Ouedraogo schlug vor, ein Ruhegeld für Präsidenten gesetzlich festzuschreiben, "um die ehemaligen Amtsträger wenigstens wirtschaftlich abzusichern".

Zugleich betonte der Kirchenvertreter, der zeitweilig als Übergangspräsident für sein Heimatland Burkina Faso im Gespräch war, dass die Bevölkerung in vielen afrikanischen Staaten zunehmend gegen Korruption, Amtsmissbrauch und Menschenrechtsverletzungen aufbegehre.

Er verwies in diesem Zusammenhang auf die Lage in Burundi. Dort habe Präsident Pierre Nkurunziza gegen die Verfassung eine weitere Verlängerung seiner Amtszeit durchgesetzt. "Jetzt verbringt er den größten Teil seiner Zeit damit, den Widerstand gegen ihn zu brechen, anstatt sein Land zu regieren. Das ist bedauerlich."

Burkina Faso – Beispielland im Weltmissionsmonat

Rund 60 Prozent der schätzungsweise 20 Millionen Einwohner in Burkina Faso sind Muslime; etwa 25 Prozent Christen, davon ein Großteil Katholiken. Mitte August kamen bei einem islamistischen Anschlag in der Hauptstadt Ouagadougou 18 Menschen ums Leben, darunter auch die zwei Täter.

Das westafrikanische Burkina Faso ist in diesem Jahr Beispielland beim Monat der Weltmission von missio. An diesem Sonntag findet die Aktion ihren Abschluss. Das päpstliche Hilfswerk mit Sitz in Aachen und München bittet dann um Spenden für die Arbeit der Kirche in den ärmsten Gegenden der Welt.

(KNA)

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