02.10.2017

Kolumbiens Kirche begrüßt Beginn des Waffenstillstandes mit ELN "Es ist an der Zeit, Beispiele des Friedens zu geben"

Nach einem halben Jahrhundert des blutigen Konflikts hat auch die letzte Rebellengruppe des Landes in eine Feuerpause eingewilligt. Die katholische Kirche begrüßt diesen Beschluss.

Die katholische Kirche in Kolumbien hat den am Wochenende begonnenen Waffenstillstand zwischen der marxistisch-katholischen Guerilla-Organisation ELN und dem kolumbianischen Staat begrüßt. Es sei nicht möglich, inmitten eines Krieges zu leben, der nur Tod, Schmerz und Ablehnung bringe, sagte Cucutas Bischof Victor Manuel Ochoa am Sonntag (Ortszeit) dem Sender RCN Radio. Es sei an der Zeit, Beispiele des Friedens zu geben. Dazu gehörten ein Verzicht auf neue Attentate gegen die Zivilbevölkerung sowie die Freilassung aller Geiseln, ergänzte Ocanas Bischof Angel Villa Vahos.

Unmittelbar vor dem Besuch von Papst Franziskus im September in Kolumbien war bei den Friedensverhandlungen zwischen der kolumbianischen Regierung und der marxistischen ELN-Guerilla ein Durchbruch gelungen. Beide Seiten einigten sich auf einen Waffenstillstand, der am Sonntag begann und zunächst rund 100 Tage dauern soll.

7.000 Morde

Beide Seiten führen seit Februar in verschiedenen Gesprächsrunden Friedensverhandlungen in Ecuador. Nach Schätzungen der kolumbianischen Behörden verfügt die ELN über eine Truppenstärke von 2.500 Männern und Frauen und ist überwiegend im Osten des Landes aktiv. Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gehen fast 7.000 Morde, ebenso viele Entführungen, 3.000 Fälle von Landvertreibung und etwa 1.000 Zwangsrekrutierungen auf das Konto der marxistischen Gruppe. Sie wird zugleich für schwere Umweltzerstörungen durch mehr als 1.300 Anschläge auf Öl-Pipelines verantwortlich gemacht.

Ende letzten Jahres konnte sich die Regierung von Präsident Juan Manuel Santos nach vierjährigen Verhandlungen bereits auf ein Friedensabkommen mit der größten Guerilla-Bewegung, der FARC, verständigen. In dem jahrzehntelangen Konflikt zwischen Staat und Guerilla starben rund 300.000 Menschen; mehr als sieben Millionen wurden zu Binnenflüchtlingen.

(KNA)

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