Erdbeben in Mexiko
Erdbeben in Mexiko
Rettungskräfte und Freiwillige durchsuchen die Trümmern eines eingestürzten Hauses in Mexiko-Stadt
Rettungskräfte und Freiwillige durchsuchen die Trümmern eines eingestürzten Hauses in Mexiko-Stadt
Ein eingestürztes Haus in Mexiko-Stadt
Ein eingestürztes Haus in Mexiko-Stadt

20.09.2017

Einstürzende Kirchen begraben Menschen Erdbeben erschüttert Mexiko

Ein schweres Erdbeben in Mexiko hat am Dienstag mindestens 230 Todesopfer gefordert. Der mexikanische Kardinal Norberto Rivera drückte seine "tiefe Trauer und Bestürzung" aus. Papst Franziskus und die US-Bischöfe rufen zum Gebet auf.

Lokale Medien berichten über schwere Schäden in Mexiko-Stadt, Puebla sowie der umliegenden Region. Dutzende Gebäude sollen eingestürzt sein; Brände und geborstene Gasleitungen sorgen zusätzlich für Gefahr.

Auch viele Kirchen sind betroffen. Das Erzbistum Puebla berichtet von 29 zerstörten oder beschädigten Gotteshäusern. Das Portal "El Popular" meldet unter Berufung auf die Diözese, bei Kircheneinstürzen seien elf Menschen von herabfallenden Teilen von Kirchtürmen oder Dächern erschlagen worden. Die Kirchenleitung rief die Menschen auf, Ruhe zu bewahren und den Anweisungen der Sicherheits- und Rettungsdienste zu folgen. Der mexikanische Kardinal Norberto Rivera drückte unterdessen seine "tiefe Trauer und Bestürzung" über das "schreckliche Erdbeben" von Mexiko-Stadt, Puebla und Morelos aus und bot den Familien der Opfer "Worte des Trostes" an .

"Meine Nähe und mein Gebet"

Papst Franziskus betet für die Erdbebenopfer. "In diesem Augenblick der Trauer will ich meine Nähe und mein Gebet für das geliebte mexikanische Volk bekunden", so der Papst bei der Generalaudienz auf dem römischen Petersplatz. In seinen Grüßen an die spanischsprachigen Pilger richtete er sich direkt an die Mexikaner, die in Rom waren. "Beten wir alle gemeinsam zu Gott, damit er jene aufnimmt, die ihr Leben verloren haben und jene tröste, die ihre Geliebten oder ihr Zuhause verloren haben." Auch rufe er zum Gebet für die Helfer auf, die im Erdbebengebiet den Hilfesuchenden beistünden.

"Möge unsere Mutter, die Jungfrau von Guadalupe, mit all ihrer Zärtlichkeit der geliebten mexikanischen Nation beistehen", schloss der Papst seinen Gebetsaufruf für Mexiko.

Auch US-Bischöfe beten

Auch die katholische Bischofskonferenz der USA hat nach dem Erdbeben in Mexiko ihre Solidarität mit den Betroffenen bekundet.

Der Bischofskonferenz-Vorsitzende, Kardinal Daniel DiNardo, rief am Mittwoch (Ortszeit) alle Gläubigen des Landes auf, für die Opfer und Angehörigen der Katastrophe zu beten. Zugleich verwies er auf den großen Zusammenhalt der Menschen.
"Wir werden Augenzeugen der Solidarität des mexikanischen Volkes, das in den Leidenden Schwestern und Brüder sieht."

Gebetsaufruf

Allein in Puebla wurden nach offiziellen Angaben 13 Kirchen beschädigt oder zerstört. Meldungen über Schäden gab es auch aus Cholula, Amozoc, Atlixco und Metepleca. Für Mittwoch sind aus Sicherheitsgründen alle Gottesdienste abgesagt. Auch in San Jose Ayuquila im Bundesstaat Oaxaca starb eine Frau unter den Trümmern einer eingestürzten Kirche.

Die Region Oaxaca war erst vor 12 Tagen von einem schweren Erdbeben heimgesucht worden. Dort kamen 78 Menschen ums Leben. Auch in San Bernardino en Xochimilco stürzte laut Medienberichten ein Gotteshaus ein. Der Generalsekretär der Bischofskonferenz, Monterreys Weihbischof Alfonso Miranda, rief via Twitter zum Gebet auf.

"Besser vorbereitet"

Der Tag hatte mit einer Gedenkveranstaltung an das historische Beben vor 32 Jahren begonnen. 1985 starben mehr als 10.000 Menschen bei verheerenden Erdstößen, die sich fest in das Gedächtnis der Menschen eingebrannt haben. Der Regierungschef von Mexiko-Stadt, Miguel Angel Mancera, erklärte noch am Morgen: "Heute ist die Stadt besser vorbereitet." Sie sei widerstandsfähiger als damals, habe ihre Lektion gelernt.

In der Tat gelten die Sicherheitskräfte der 20-Millionen-Metropole als bestens geschult und vorbereitet. Immer wieder kommt es in Mexiko zu Erdbeben, doch in einer so dicht besiedelten Mega-City ist das Gefahrenpotential natürlich besonders verheerend. Örtlichen Medienberichten zufolge stürzte eine Schule ein; 21 Kinder und 4 Erwachsene starben.

Hilfe für Opfer

Das Kindermissionswerk "Die Sternsinger" unterstützt die Erdbeben- und Hurrikanopfer in Mexiko und in der Karibik mit 100.000 Euro. Die Partnerorganisationen vor Ort erhalten je 50.000 Euro Soforthilfe für ihre Arbeit, wie das Kindermissionswerk am Mittwoch in Aachen mitteilte. "Die Sternsinger" befürchten durch die aktuellen Wirbelstürme vor allem in Haiti starke Schäden. Viele Menschen leben den Angaben zufolge in provisorischen Unterkünften, die einer erneuten Naturkatastrophe nicht standhalten können.

Das Kindermissionswerk unterstützt jährlich rund 2.200 Projekte für notleidende Kinder in 112 Ländern. Im vergangenen Jahr standen rund 76,6 Millionen Euro zur Verfügung. Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat stellt nach eigenen Angaben 20.000 Euro Soforthilfe für Erdbebenopfer in Mexiko zur Verfügung. "Die Situation nach dem zweiten schweren Erdbeben in Mexiko ist dramatisch", sagt der Mexiko-Referent des Hilfswerks Adveniat, Reiner Wilhelm. Mehr als 500 Helfer des Mexikanischen Roten Kreuzes arbeiten gegenwärtig in Mexiko-Stadt rund um die Uhr, um Opfer des Erdbebens aus den Trümmern eingefallener Gebäude zu retten und medizinisch zu versorgen. Zahlreiche Rotkreuz-Ärzte und –Krankenschwestern sowie 90 Rettungswagen sind im Einsatz

Soziale Netzwerke melden Nachbeben

Erst nach und nach treffen weitere Schreckensnachrichten ein. In den Sozialen Netzwerken sind Videos von einstürzenden Gebäuden und verzweifelten Menschen zu sehen. Das ganze Ausmaß wird wohl erst im Lauf des Mittwochs (Ortszeit) zu überblicken sein. Zur Stunde erschüttern immer wieder neue Nachbeben die Erde; die Menschen verbringen die Nacht auf der Straße. Der Schrecken ist noch nicht vorüber.

(KNA, dr, rv)

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