Salesianerpater Thomas Uzhunnalil spricht unter Tränen bei einer Pressekonferenz in Rom
Salesianerpater Thomas Uzhunnalil spricht unter Tränen bei einer Pressekonferenz in Rom

17.09.2017

Im Jemen entführter Priester freigelassen "Angst habe ich nie gehabt"

18 Monate war er in Geiselhaft - der indische Pater Tom Uzhunnalil wurde im März bei einem Angriff islamistischer Extremisten in Jemen entführt. Für seine Freilassung hat sich auch Papst Franziskus eingesetzt.

Während seiner monatelangen Gefangenschaft im Jemen hat sich der indische Priester Tom Uzhunnalil nach eigener Aussage nicht gefürchtet. "Angst habe ich nie gehabt, ich war immer ruhig", sagte der Salesianerpater laut Radio Vatikan am Samstag in Rom. Er habe zwar stark abgenommen, seine Geiselnehmer hätten ihn aber insgesamt gut behandelt. Der 59-Jährige war am Dienstag nach 18-monatiger Gefangenschaft freigekommen.

Er habe viel gebetet, vor allem für die ermordeten Schwestern und für alle Opfer des jemenitischen Bürgerkrieges, so der Geistliche. Manchmal habe er im Geist auch die Heilige Messe gefeiert, "auch wenn ich kein Brot und keinen Wein hatte". Da er keine Bibel hatte, sei eine englische Koranausgabe seine einzige Lektüre gewesen. Täglich habe er Gott um "Kraft" zum Durchhalten gebeten. Insgesamt hätten ihn seine Geiselnehmer an vier verschiedene Orte verschleppt.

Gründe für Freilassung weiter unklar

In von den Entführern veröffentlichten Videos habe es so wirken sollen, als ob er misshandelt worden wäre, sagte der Priester. "In Wirklichkeit aber haben sie mir gesagt, ich solle so tun, damit es schneller Antworten und mehr Interesse gibt." Was schließlich zur Freilassung Uzhunnalils führte, ist weiter unklar.

Der Salesianerorden habe auch am Samstag betont, nichts von einer Lösegeldzahlung zu wissen, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Unter anderem hatte sich Papst Franziskus für die Freilassung des Mannes aus dem südindischen Kerala eingesetzt.

Angriff auf ein Pflegeheim

Uzhunnalil war am 4. März 2016 bei einem Angriff islamistischer Extremisten auf ein Pflegeheim der von Mutter Teresa gegründeten Ordensgemeinschaft "Missionarinnen der Nächstenliebe" in der jemenitischen Stadt Aden verschleppt worden. Bei der Attacke waren 14 Menschen getötet worden, unter ihnen 4 katholische Ordensfrauen.

Vor der Freilassung am 12. September hätten ihn die Geiselnehmer mit dem Auto an einen mehrere Stunden entfernten Ort gebracht, von wo aus ihn später eine andere Person nach Oman gefahren habe, berichtete Uzhunnalil laut Radio Vatikan. Wie genau er dann nach Rom gelangte, wurde nicht bekannt. Laut Ansa will er nach einigen Medizinchecks in etwa zehn Tagen nach Indien zurückkehren.

(dpa, rv)

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