Syrische Flüchtlinge in Azraq (Jordanien)
Syrische Flüchtlinge in Azraq (Jordanien)

08.09.2017

Vatikan beklagt Lage von Flüchtlingskindern "Schreckliche Plage"

Die Vatikanzeitung "Osservatore Romano" prangert die zunehmend schlechten Lebensbedingungen in jordanischen Flüchtlingslagern an. Mit Sorge betrachtet das Blatt die wachsende Zahl an Kinderehen unter den Flüchtlingen.

Die syrischen Flüchtlinge, insbesondere die Kinder, leben laut einem Bericht der Vatikanzeitung "Osservatore Romano" in den jordanischen Lagern unter "unmenschlichen Bedingungen". Es fehle an hygienischen Einrichtungen, an Unterstützung aller Art und es herrsche Ausbeutung, schreibt das Blatt unter Hinweis auf einen jüngsten Unicef-Bericht. Die Ausbeutung durch Kinderarbeit nehme zu. 

Logistische Herausforderung

Der ununterbrochene Strom syrischer Flüchtlinge stelle Jordanien vor enorme Herausforderungen, so der Osservatore. Ein Land mit 9,5 Millionen Einwohnern beherberge derzeit 2,8 Millionen Menschen auf der Flucht. Von den 660.582 registrierten Syrien-Flüchtlingen seien 337.557 Kinder und Minderjährige; 102.390 sogar unter fünf Jahren.

Zuwachs an Kinderarbeit

Ein Großteil der Flüchtlinge aus dem Nachbarland lebe in jordanischen Gemeinden und 141.059 in Flüchtlingslagern. "Viele Kinder sind in den Lagern geboren und leben dort weiterhin", zitiert die Vatikanzeitung einen Unicef-Sprecher. Die Ausbeutung durch Kinderarbeit nehme zu: 75.982 junge Syrer und Jordanier seien betroffen. Von den 212.000 registrierten schulpflichtigen Kindern erschienen 41 Prozent nie zum Unterricht.

Kinderehen als Investition in die Zukunft

Im Zuge des Kriegs in Syrien und der Flüchtlingsströme habe auch die Zahl der Kinderehen enorm zugenommen, so der Osservatore, der die Zunahme als "schreckliche Plage" bezeichnet. In 35 Prozent der Ehe mit wenigstens einem syrischen Partner sei die Frau jünger als 18 Jahre. Vor zwei Jahren seien es 18 Prozent und vor Kriegsbeginn nur 10 Prozent der Ehen gewesen.

Unicef erklärt das Phänomen mit der prekären Lage von Familien, die ihre Heimat verlassen mussten und ihren Besitz verloren hätten. Solche Familien suchten häufig eine Allianz mit einem anderen Familienverband, um der Tochter dort ein besseres Leben zu ermöglichen, so die Kinderhilfsorganisation.

(KNA)

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