Angehörige der Rohingya fliehen vor Gewaltwelle in Myanmar
Angehörige der Rohingya fliehen vor Gewaltwelle in Myanmar

03.09.2017

Hilfsorganisationen in Myanmar wehren sich gegen Vorwürfe Mahnung zur Zurückhaltung

Internationale Nichtregierungsorganisationen prangern die Gewalt gegen die Minderheit der Rohingya in Myanmar an. Zugleich weisen sie den Vorwurf der birmesischen Regierung zurück, durch Hilfsgüter den gewaltsamen Konflikt anzuheizen.

Im Bundesstaat Rakhine eskaliert die Gewalt nachdem am 25. August Rebellen der Arakan Rohingya Salvation Army (ARSA) Polizei- und Armeeposten angegriffen hatten. Die ARSA gibt vor, für die Rechte der Minderheit der muslimischen Arakanesen zu kämpfen, die sich selbst Rohingya nennen.

Die Regierung von Aung San Suu Kyi und das Militär werfen Hilfsorganisationen vor, die Rebellen zu unterstützen. Man habe in Lagern der ARSA Hilfsgüter gefunden, die von diesen Organisationen stammten, hieß es. Nichtregierungsorganisationen und das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen mussten ihre Arbeit in Rakhine einstellen.

Hilfe unabhängig von Rasse, Religion oder Ethnie

In einer gemeinsamen Erklärung nehmen 16 Hilfsoganisationen zum Vorwurf Stellung. "Weder stellen wir uns auf die Seite einer der Konfliktparteien noch machen wir unsere Hilfe von der Zugehörigkeit zu einer Rasse, Religion oder ethnischen Gruppe abhängig", hieß es in dem Schreiben.

Sie verurteilten die Angriffe der ARSA und die "nachfolgende Gewalt im Norden von Rakhine". Weiter heißt es in dem Schreiben: "Aus tiefstem Herzen sprechen wir jenen, die ihre Angehörigen verloren haben, und allen von der Gewalt Betroffenen unser Mitgefühl aus. Zudem mahnen wir alle Parteien zur Zurückhaltung und zur Vermeidung einer weiteren Eskalation des Konflikts".

Die unter anderen von Malteser International, dem Lutherischen Weltbund, Save the Children, Oxfam und Care International unterzeichnete Erklärung wurde am Sonntag vom unabhängigen birmanischen Nachrichtenportal Mizzima veröffentlicht.

Mehr als 73.000 Menschen geflohen

UN-Generalsekretär Antonio Guterres warnt vor einer humanitären Katastrophe in Myanmar. Nach Schätzungen des Flüchtlingshilfswerks UNHCR vom Sonntag sind seit der letzten Augustwoche mindestens 73.000 Angehörige der muslimischen Minderheit ins benachbarte Bangladesch geflohen. Tausende weitere sollen im Grenzgebiet oder innerhalb Myanmars festsitzen.

Das Welternährungsprogramm (WFP) teilte mit, dass es seine Hilfslieferungen im Bundesstaat Rakhine vorerst einstelle. Demnach konnten schon seit Mitte Juli im nördlichen Teil des Staates keine Nahrungsmittel mehr verteilt werden. Seit vergangener Woche seien Lieferungen auch im Zentrum wegen der anhaltend prekären Sicherheitslage nicht mehr möglich, erklärte das WFP am Samstag. Davon seien 250.000 Menschen betroffen.

Pogrome gegen die Volksgruppe Rohingya

Am Freitag hatten Myanmars Behörden von 400 Toten binnen einer Woche gesprochen. Menschenrechtsorganisationen gehen von weitaus höheren Opferzahlen aus. Flüchtlinge hatten UN-Vertretern und Menschenrechtlern geschildert, wie Myanmars Streitkräfte gemeinsam mit buddhistischen Mobs Rohingya erschossen oder enthaupteten, darunter auch Kinder.

Allein in einem Dorf wird die Zahl der Getöteten auf 200 geschätzt. Häuser und Dörfer der Rohingya wurden niedergebrannt. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch machte Satellitenaufnahmen publik, wonach an mindestens 17 Orten jeweils Hunderte Häuser zerstört worden waren.

Im Rakhine-Staat gibt es seit 2012 immer wieder Pogrome gegen die Rohingya. Die Behörden im überwiegend buddhistischen Myanmar verweigern der muslimischen Volksgruppe den Status als Minderheit und die Bürgerrechte.

(KNA, epd)

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