Israelischer Polizist am Tempelberg
Israelischer Polizist am Tempelberg

27.07.2017

Israel lenkt ein - Palästinenser sprechen von Sieg Vor einem Ende der Tempelberg-Krise?

Schneller als gedacht wurden nach den Metalldetektoren auch die übrigen zusätzlichen Überwachungsmaßnahmen am Tempelberg von israelischen Sicherheitskräften abgebaut. Die Krise könnte überwunden sein.

Von einer langen und blutigen Krise war die Rede, die möglicherweise in eine dritte Intifada münden könnte. Jetzt scheint sich im Konflikt um den Jerusalemer Tempelberg mit dem drittwichtigsten Heiligtum des Islam eine Lösung abzuzeichnen. Rascher als erwartet könnten die Auseinandersetzungen mit ihren bislang sechs Toten zu Ende gehen.

Nachdem Israel in den frühen Morgenstunden die Masten und sonstige Infrastruktur für die neuen hochauflösenden Überwachungskameras rund um das Plateau mit der Al-Aksa-Moschee und dem Felsendom abgebaut hatte, erklärte Jerusalems Großmufti Mohammed Ahmed Hussein den Boykott der Muslime für beendet.

"Sieg der Palästinenser"

Der alte Zustand von vor dem 14. Juli - als Israel nach der Ermordung zweier Grenzpolizisten und der Erschießung der drei palästinensischen Angreifer den Bezirk gesperrt hatte - sei wiederhergestellt, sagte er. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sprach von einem "Sieg der Palästinenser", die vereint und entschlossen den Angriff auf die Souveränität des islamischen Heiligtums abgewendet hätten.

Nach dem blutigen Zusammenstoß Mitte Juli - die Angreifer kamen aus dem islamischen Heiligtum mit der Al-Aksa-Moschee und dem Felsendom und feuerten mit dort versteckten Waffen - hatte Israel zunächst Metalldetektoren an Zugängen zum Tempelplatz aufgestellt. Die Maßnahme löste schärfsten Protest von islamischer Seite aus, die dahinter einen Angriff auf die Souveränität des Haram al-Sharif sah, wie der Tempelberg auf Arabisch genannt wird.

Sechs-Tage-Krieg

Denn auch nach der Eroberung der Jerusalemer Altstadt im Sechs-Tage-Krieg 1967 hatte Israel die Verwaltung des Heiligtums den islamischen Behörden überlassen. Schutzherr blieb weiterhin das jordanische Königshaus, für die Administration vor Ort war die islamische Wakf-Behörde zuständig. Jordanien Monarchie unter König Abdullah II. hat offenbar maßgeblich dazu beigetragen, dass der Konflikt vergleichsweise rasch gelöst und Israel zum Einlenken bewegt wurde.

Nach einer Woche baute Israel die Detektoren ab, kündigte aber stattdessen die Installation neuer hochauflösender Überwachungssysteme an. Die Wakf-Behörde blieb daraufhin bei ihrer harten Linie und forderte auch den Abbau der neuen Kameras.

Dass Israel auch hier erneut nachgab, geht israelischen Medien zufolge ebenfalls auf den Einfluss des jordanischen Königs zurück. Sein Wort hat Gewicht, hat sein Land doch bereits 1994 mit Israel offiziell Frieden geschlossen und zählt damit zu den raren Verbündeten in der arabischen Welt, die Israel nicht verprellen will.

Alarmbereitschaft rund um den Tempelplatz

Aber auch die USA hatten sich in den Konflikt um den Tempelberg eingeschaltet. Präsident Donald Trump entsandte Jason Greenblatt in die Region. Abbas, der zuvor die offiziellen Kontakte zu Israel ausgesetzt hatte, lehnte ein Treffen mit diesem Vermittler ab, der freilich mit PLO-Vertreter Saeb Erekat konferierte.

Unterdessen bleiben israelische Sicherheitskräfte weiter in Alarmbereitschaft rund um den Tempelplatz und die Muslimviertel der Jerusalemer Altstadt. "Fordert uns nicht heraus und testet uns nicht, denn wir wissen, wie man scharf und kräftig reagiert", warnte Jerusalems Polizeikommandant Yoram Halevi laut israelischen Medien gläubige Beter und alle Terroristen.

Warnende Worte

Warnende Worte kamen aber auch aus Jordanien, und zwar an Israel: "Israel ist eine Besatzungsmacht und hat kein Recht, Schritte zu unternehmen, die den Status quo ändern", so Medien-Minister Mohammad al Momani. Am Freitag sollten alle Moscheen der Stadt geschlossen bleiben und die Gläubigen zum Gebet in die Al-Aksa-Moschee kommen. Ob die Auseinandersetzungen und Übergriffe dann beendet sind, muss sich zeigen.

Erste Kommentatoren werten den doppelten Rückzieher der Israelis als einen Sieg der Palästinenser und von Abbas. Er habe im Konflikt um das religiöse Heiligtum Härte und Entschlossenheit gezeigt und sich für dessen Souveränität gegen eine aus arabischer Sicht schrittweise Judaisierung Jerusalems eingesetzt, hieß es.

Johannes Schidelko
(KNA)

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