Pilgern liegt im Trend
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Buße tun auf Knien - Pilger in Fatima
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Pilger im Heiligen Land
Pilger im Heiligen Land

23.07.2017

Der Weltpilgertag lenkt den Blick auf einen leisen Trend "Ein bisschen Freiheit für die Seele"

Die Kirchen werden leerer, gleichzeitig erlebt das Pilgern große Beliebtheit. Schätzungsweise gehen pro Jahr rund 200 Millionen Menschen pilgern. Auch aus diesem Grund wird an diesem Sonntag der Weltpilgertag begangen.

Blasen an den Füßen, Muskelkater, drückendes Gepäck, Hitze und Wolkenbrüche, die Ungewissheit über das nächste Übernachtungsquartier, schnarchende Nachbarn - all dies hält Menschen nicht davon ab, sich auf einen Pilgerweg zu begeben. Alle Religionen kennen das Pilgern, das aus Fremden Weggefährten macht und jeden auf die ein oder andere Art zu verwandeln scheint. Ein Grund für die St. Jakobusgesellschaft Rheinland-Pfalz-Saarland, vor zwei Jahren den Weltpilgertag ins Leben zu rufen.

Die Idee dazu hatte deren Präsident Roland Zick. Bis vor 20 Jahren gab es in der Region nicht einen Pilgerweg. 2001 wurde bei Worms eine erste Etappe geschaffen, 2005 wurde die Jakobusgesellschaft gegründet und im Gedenken an die Entstehung des ersten regionalen Weges der Hessische Pilgertag begangen. "2006 bekam ich eine Journalistenanfrage, ob es in diesem Jahr wieder den Weltpilgertag gebe", erinnert sich Zick schmunzelnd. "Das ließ mir keine Ruhe."

Netz durch ganz Europa

Und so wurde zunächst ein "regionaler Weltpilgertag" ausgerufen. 2014 stellte Zick beim ersten Symposium der Jakobsgesellschaften in Santiago mit über 300 Vertretern aus aller Welt dann seine Idee des Weltpilgertages vor. "Binnen einer Woche hatte ich Rückmeldungen aus Korea, Portugal und Brasilien - alle wollten mitmachen." Inzwischen wird der Tag an vielen Orten mit unterschiedlichen Angeboten rund um das Thema Pilgern begangen. Im Bistum Speyer mit seiner deutschlandweit ältesten Bistumszeitung "Der Pilger" fand er einen Kooperationspartner. Auch das gleichnamige Mindstyle-Magazin greift seit diesem Frühjahr die Bewegung auf.

Pilgern liegt offenbar im Trend, und auch Ziele gibt es viele. Allen voran der Jakobsweg, dessen Netz sich durch ganz Europa zieht und in Santiago de Compostela, am Grab des heiligen Jakobus, endet. Im vergangenen Jahr wurde dort einmal mehr ein Pilgerrekord geknackt - 280.000 Pilgerurkunden wurden vergeben. Ein Geheimtipp, da weniger stark frequentiert, ist der norwegische Olavsweg von Oslo nach Trondheim. In Deutschland zählen das bayerische Altötting mit über einer Million Pilgern und Kevelaer am Niederrhein zu den beliebtesten Zielen. Darüber hinaus gibt es regionale Routen wie den Oberschwäbischen Pilgerweg. Auch Jerusalem, Rom und die Wallfahrtsorte Lourdes und Fatima ziehen Gläubige und Sinnsucher an.

Freiheit für die Seele

Spätestens seitdem sich Hape Kerkeling auf den Weg nach Santiago gemacht hat, lassen sich auch zunehmend kirchenferne, spirituell Suchende auf das Abenteuer ein. Zick nennt als möglichen Grund, dass es - anders als bei einer Wallfahrt - beim Pilgern niemanden gebe, "der Regeln aufstellt; die Seele bekommt ein bisschen Freiheit".

Was für den Initiator des Weltpilgertages das Pilgern so besonders macht, ist die ganz andere Art der persönlichen Begegnung unter Pilgern - "mit viel Rücksicht, Anteilnahme und Unterstützung". Man trage auch mal den Rucksack für den anderen mit, teile Schicksale und Lebensgeschichten, so der erfahrene Pilger. Für den 61-Jährigen haben Pilgerwege eine besondere "Energie", sie machten Menschen "ein Stück in der Seele gesund". Und wer die Erfahrung mache, über drei oder sieben Wochen alles Wichtige im Rucksack bei sich zu haben, "bekommt eine andere Einstellung zu seinem Leben".

Wir-Gefühl

Über das gemeinsame Unterwegssein entstehe ein "Wir-Gefühl über Religionen hinweg", schließlich treffe man auch Buddhisten und Muslime. Zick nennt das Pilgern den "großen gemeinsamen Nenner der Menschheit". Dabei reife die Erkenntnis: "Wir sitzen doch alle in einem Boot".

Deshalb wünscht er sich, dass sich viele weitere Menschen vom "virus perigrinus" infizieren lassen - "man bekommt eine kleine Sehnsucht und geht immer mehr". Zick hofft, dass sich über das Pilgern "eine Energie entfalten kann, die hilft, Erde und Schöpfung zu bewahren und Trost zu spenden". Und wenn beim Pilgern eine Umkehr, nicht nur im Kopf, sondern auch in der Seele stattfinde, "dann geht man als anderer Mensch wieder heim, man ist ein bisschen besser für die Welt".

Angelika Prauß
(KNA)

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