Erzbischof Maroy: "Eine stille und unsichtbare Tragödie"
Erzbischof Maroy: "Eine stille und unsichtbare Tragödie"

30.05.2017

Erzbischof: Rekord an Binnenflüchtlingen im Kongo "Trauriger erster Platz"

Der kongolesische Erzbischof Francois-Xavier Maroy hat auf die hohe Zahl der Binnenflüchtlinge in der Demokratischen Republik Kongo aufmerksam gemacht. Es spiele sich eine "stille und unsichtbare Tragödie" ab, so Maroy.

Der Kongo nehme mit 3,7 Millionen Binnenflüchtlingen einen "traurigen ersten Platz" weltweit ein, sagte der Erzbischof aus dem Ost-Kongo am Dienstag in Brüssel. Hinzu kämen eine halbe Million Flüchtlinge, die über die Landesgrenze geflohen seien. Viele Flüchtlinge seien zudem quasi "unsichtbar", da sie keine Zuflucht in Lagern suchten und Gewaltakte aus Angst vor Rache verschwiegen. Es spiele sich eine "stille und unsichtbare Tragödie" ab. Die Bevölkerung der Stadt Bukavu im Ost-Kongo habe sich beispielsweise innerhalb von zehn Jahren auf eine Million verdoppelt, so Maroy.

Hauptproblem sei die Perspektivlosigkeit der Jugend, berichtet der Sekretär der Kommission für Auswärtige Angelegenheiten der COMECE, Marek Misak, im domradio.de-Interview. Hier könnten die Kirchen helfen, so der Referent für Außenpolitische Fragen. Beispiele für das kirchliche Engagement im Ausland seien das Internationale Katholische Hilfswerk missio und das Kolpingwerk, sagte Misak.

"Freie Wahlen sind Hoffnungsträger"

Erzbischof Francois-Xavier Maroy sagte in Brüssel: Demokratie und eine "verantwortungsvolle Regierungsführung" seien eine wichtige Lösung zur Bekämpfung der Migrationsbewegung. Freie Wahlen seien "Hoffnungsträger" für alle. "Ein Volk um sein Recht auf gerechte und sichere Wahlen zu berauben ist ein Irrweg, ein schlimmes Verbrechen", so Maroy. Der Erzbischof forderte einen Machtwechsel bis Ende 2017.

Die Konfliktmineralien seien für die Bevölkerung vom "Segen" zum "Fluch" geworden. "Sie nähren einen Kreislauf von Gier, Gewalt und Armut", so Maroy. Hinter dem Konflikt stünden nicht "ethnische Kriege", sondern wirtschaftliche und politische Interessen. Die Ausbeutung der natürlichen Bodenschätze diene der Finanzierung der Konfliktparteien. "Wir wollen nicht, dass unsere Smartphones den Krieg im Kongo finanzieren und die Gewalt weiterverbreiten", sagte Maroy. Diesen Appell richteten auch 140 Bischöfe in einer Allianz katholischer Entwicklungsorganisationen im Jahr 2014 an die EU.

Verantwortung der Nachbarländer

Maroy machte auch auf die Verantwortung der Nachbarländer der Demokratischen Republik Kongo in diesem Konflikt aufmerksam. Ausländische Gruppen profitierten von den Defiziten der Staatsgewalt, nicht nur indem sie selbst ungestört Gewalt ausübten, sondern auch indem sie große Gewinne mit dem illegalen Mineralienhandel einführen.

Die Nachbarländer, durch die die Mineralien exportiert würden, hätten ein Interesse, die Kongo-Krise anzuheizen, so Maroy. Die "Verantwortungslosigkeit des Staates" zwinge die kirchlichen Einrichtungen mehr zu leisten, um die sich selbst ausgelieferte Bevölkerung zu trösten und zu stärken. Kirchen förderten den interkonfessionellen Dialog, bürgerliche Strukturen im Kampf um gute Regierungsführung, die Betreuung von traumatisierten Menschen sowie die Ausbildung von Jugendlichen.

(KNA, DR)

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