Der Marienwallfahrtsort Oropa
Der Marienwallfahrtsort Oropa

20.05.2017

Der Marienwallfahrtsort ist Ziel einer Etappe des Giro d'Italia Auf nach Oropa

​Fatima in Portugal, Lourdes in Frankreich - da kann Oropa nicht ganz mithalten. Aber an diesem Wochenende blickt immerhin die Radsportwelt auf den idyllisch gelegenen Marienwallfahrtsort in den italienischen Alpen.

Auf den ersten 120 Kilometern können es die Radprofis an diesem Samstag vergleichsweise gemächlich angehen lassen. Die 14. Etappe des Giro d'Italia führt zunächst durch die Po-Ebene. Doch die letzten gut zehn Kilometer haben es dann in sich. Vom Städtchen Biella geht es gut 700 Höhenmeter hinauf nach Oropa.

Anders als die Konkurrenz im portugiesischen Fatima oder im französischen Lourdes ist der in den italienischen Alpen auf 1.150 Metern Höhe gelegene Marienwallfahrtsort eher ein Geheim-Tipp. Die Massen verirren sich kaum in diesen Teil des Piemont. Auf der weitläufigen Anlage, umgeben von grandioser Bergkulisse, überwiegen italienische Töne.

Schwarze Madonna gegen Kelten-Kult

Die werden auch am Samstag in der Mehrzahl sein, wenn der Jubiläums-Giro - in diesem Jahr wird die 100. Auflage des Rennens ausgetragen - zum sechsten Mal in seiner Geschichte in Oropa Station macht. Mit seinem Etappensieg 1999 hat der früh verstorbene Profi Marco Pantani (1970-2004) aus dem kirchlichen Ensemble auch eine Pilgerstätte für Italiens Radsportfans gemacht.

Die Geschichte Oropas reicht freilich viel weiter zurück. Gründer war angeblich bereits im 4. Jahrhundert der heilige Eusebius. Der "Apostel" der Täler um Biella führte der Legende zufolge eine Statue der Schwarzen Madonna im Gepäck, die dem Kult um keltische Gottheiten ein Ende setzen sollte. Papst Innozenz III. erwähnte den Ort 1207 in einer Bulle; seinen eigentlichen Aufschwung aber nahm Oropa im Zeitalter des Barock.

Teil des Weltkulturerbes

Das Haus Savoyen schickte berühmte Architekten in die Alpen, darunter Filippo Juvarra (1678-1736), dessen Bauten bis heute das Gesicht der piemontesischen Metropole Turin prägen. Das Beste und Größte schien für Oropa gerade gut genug. Im vergangenen Jahrhundert wurde die Kopie des Petersdoms vollendet, das heute wohl augenfälligste Gebäude.

Heimeliger ist freilich die alte Basilika aus dem 17. Jahrhundert. Sie beherbergt auch eine gotische Statue der "Schwarzen Madonna". Kunsthistorisch bedeutsam sind überdies die zwölf Kapellen aus dem 17. und 18. Jahrhundert in der unmittelbaren Umgebung, in deren Innern das Leben der Muttergottes in Tonfiguren dargestellt ist. Diese "Sacri Monti" (Heilige Hügel«) genannten Zeugnisse der Volkskunst gehören mit acht ähnlichen Anlagen im Piemont inzwischen zum Weltkulturerbe.

Bequeme Zufahrt zum Heiligtum

Den Radprofis wird mutmaßlich ein Stoßseufzer und vielleicht auch ein ebensolches Gebet entweichen, wenn sie in Oropa ankommen. Für den besten Blick auf die Anlage müssten sie allerdings noch ein paar Kilometer weiter bergauf fahren. Die Galleria Rosazza verbindet Oropa mit dem Örtchen Valmosca. Die schmale Straße wurde kurz vor Beginn des 20. Jahrhunderts auf Initiative eines gewissen Federico Rosazza Pistolet (1813-1899) angelegt. Der aus dem gleichnamigen Ort Rosazza stammende Politiker war dem Spiritismus verfallen, einer Mode in jener Epoche.

Über ein Medium soll ihm seine in jungen Jahren verstorbene Tochter den Auftrag erteilt haben, sich um die Bewohner seiner Heimat zu kümmern. Und die hatten offenbar keinen sehnlicheren Wunsch, als künftig auf halbwegs bequemem Wege zum Marienheiligtum von Oropa gelangen zu können. So ließ Rosazza bauen und trieb anstatt eines Passübergangs in gut 1.480 Metern Höhe sogar noch einen Scheiteltunnel in den Fels.

Tief unten im Tal schimmert ein letztes Mal die Kuppel der neuen Basilika von Oropa. Auf der anderen Seite der unbeleuchtete Röhre wartet ein kleines Restaurant mit schmackhaften Stärkungen für alle Neugierigen und Mutigen, die es bis hierher geschafft haben. Einen spektakulären Ausblick auf die Berglandschaft und Richtung Po-Ebene gibt es gratis dazu.

Joachim Heinz
(KNA)

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