Militärparade in Nordkorea
Militärparade in Nordkorea
Berthold Pelster
Berthold Pelster

27.04.2017

"Kirche in Not" zur Lage der christlichen Minderheit in Nordkorea "Pseudokirchen und Theater"

Kommt es zur Eskalation? Die Welt schaut gebannt auf den Konflikt um das nordkoreanische Atomprogramm. Über den Alltag der Menschen dort ist wenig bekannt, sagt das Hilfswerk "Kirche in Not". Es soll aber sogar Christen in Nordkorea geben.

domradio.de: Offizielle Zahlen über die Christen im Land gab es zuletzt 1960. Sie sind als Hilfswerk trotzdem dabei, sich ihr eigenes Bild zu machen. Sie sprechen von einer christlichen Minderheit von ungefähr zwei Prozent. Wie geht es denen in Nordkorea?

Berthold Pelster (Experte für Religionsfreiheit beim Hilfswerk "Kirche in Not"): Sehr viel weiß man gar nicht über diese Christen, weil Nordkorea ein Staat ist, der sich sehr stark von der Außenwelt abschottet. Er lässt kaum Menschen rein und raus. Genauso ist es mit dem Informationsfluss. Der ist nur ganz dünn. Deshalb bekommt man Informationen nur von Menschen, die aus dem Land geflüchtet sind und über das Leben der Menschen dort berichten. Früher, also in dem Zeitraum zwischen 1900 und 1950 und bevor der Staat Nordkorea entstanden ist, gab es in dem jetzigen Staatsgebiet und vor allem in der Hauptstadt Pjöngjang durchaus etliche tausend Christen - auf dem Land weniger. Was davon bis heute übriggeblieben ist, weiß keiner so genau.

domradio.de: Und trotzdem gibt es in Nordkorea katholische Kirchen und auch drei katholische Bistümer. Wie geht das denn zusammen?

Pelster: Das ist etwas verwunderlich, denn der Staat gilt als atheistischer Staat. Laut Verfassung ist er ein sozialistischer Staat mit einer eigenen Staatsideologie. Religion ist eigentlich nicht erlaubt in Nordkorea  - und das gilt für alle Religionen. Trotzdem gibt es ein paar "Pseudokirchen" in der Hauptstadt Pjöngjang, in denen auch Gottesdienste stattfinden. Aber es gibt in ganz Nordkorea keine katholischen Priester. Da sind es also Staatsangestellte, die dort so etwas wie Gottesdienst aufführen. Menschen, die dort gewesen sind, berichten, dass diese Gottesdienste manchmal etwas theatralisch wirken und dass dort vor allem auch politische Propaganda zur Unterstützung des Regimes betrieben wird.

domradio.de: Als Staatsreligion könnte man die Verehrung der Kim-Familie betrachten, oder?

Pelster: Ja, das ist eine Art Ersatzreligion. In diesem sozialistischen Staat liegt die Macht in den Händen der Partei, aber vor allem in Händen der Familie Kim. Der Staatsgründer war Kim Il-sung, der von 1948 bis 1994 regiert hat. Dieser Staatsgründer wird als Vater der Nation und großer Führer verehrt. Überall sieht man große Plakate mit seinem Konterfei und große Statuen. Es gibt viele, viele Zeremonien. Man kann sogar sagen, dass er und sein Sohn Kim Jong-il praktisch wie Götter verehrt werden. Es gibt einen sehr ausgefeilten und detaillierten Staats- und Führerkult. Das ist eine Art Ersatzreligion. Aber jede andere, echte Religion ist in Nordkorea strikt verboten.

domradio.de: Sie befassen sich als Hilfswerk schon einigen Jahre mit der Lage der Christen in der Region. Kann man denn da in irgendeiner Form eine Entwicklung sehen? Wird es besser oder schlechter?

Pelster: Das ist sehr schwer zu sagen, weil eben nur wenige Informationen nach außen dringen. Es ist bekannt, dass wahrscheinlich Tausende von Christen in sogenannten Arbeitslagern oder Umerziehungslagern festgehalten werden. Dort müssen sie Zwangsarbeit leisten. Christen werden eigentlich als feindlich gesinnte Personen angesehen. So lautet die staatliche Definition. Man vermutet, dass sie gegenüber dem Regime nicht loyal sind und möglicherweise mit dem Ausland in Kontakt stehen könnten. Man hegt größtes Misstrauen gegenüber den Christen, und das ist der Grund, warum sie so massiv unterdrückt werden.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(dr)

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