Temporäre Siedlung in Äthiopien
Temporäre Siedlung in Äthiopien
Nasri Farah
Nasri Farah

04.04.2017

Trotz Grundwasserreservoirs leiden Millionen an der Dürre "Äthiopien ist der Wasserturm Afrikas"

Die ausbleibende Regenzeit setzt den Menschen in Ostafrika schwer zu. Millionen leiden Hunger. In der äthiopischen Somali-Region haben viele Nomaden ihre Herde verloren. Retter könnte das Grundwasser sein.

Er weiß es auch nicht. Keiner weiß es. Der alte Mann, der auf einem Stapel an Säcken mit Notnahrung in Waaf Dhuug sitzt, schüttelt müde den Kopf auf die Frage, wann der Regen kommt. Dabei kann man in Äthiopien sonst eigentlich die Uhr danach stellen. Mitte April zieht eine kleine Regenzeit über das ostafrikanische Land und spendet Mensch und Tier das lebensnotwendige Wasser. Doch in diesem Jahr wird die Regenzeit wohl ausbleiben - erneut - und die Not der Menschen in den betroffenen Landesteilen spitzt sich zu. In der Somali-Region sind von etwa 5,4 Millionen Einwohnern 3 Millionen auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen. Und ihre Zahl steigt.

Auch Nasri Farah braucht die Unterstützung der Regierung und der Hilfswerke wie dem Welternährungsprogramm (WFP) oder Unicef. Die 30-Jährige ist Mutter von acht Kindern; Verhütung gibt es in den ländlichen Gebieten praktisch nicht. Mit ihren Kindern lebt sie in Waaf Dhuug;  ein weiterer Teil ihrer Familie zieht nomadisch durch die Region.

"Ich habe fast all meine Tiere verloren", erzählt Farah. Vielleicht noch ein oder zwei Prozent der Herde seien am Leben; der Rest sei verdurstet. Ohne die Herde kann sich die Familie nicht mehr versorgen. Und nun sind auch noch die Verwandten ins Dorf gekommen, das an einer Wasserstelle liegt. "Es wird zu voll hier", sagt sie und lächelt schüchtern.

Ernteausfälle

Die Regierung und die UN-Hilfswerke blicken mit großer Sorge auf die Region. Eine langanhaltende Dürreperiode in Ostafrika hat zu erheblichen Ernteausfällen geführt. In Äthiopien sind nach Einschätzung der Vereinten Nationen etwa 5,6 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen; der akute Finanzbedarf liegt bei rund einer Milliarde US-Dollar. Bislang ist weniger als die Hälfte von der äthiopischen Regierung und der internationalen Gebergemeinschaft gedeckt. Das Bundesentwicklungsministerium hat seine Dürre-Hilfe für das Horn von Afrika jüngst auf 300 Millionen aufgestockt.

In 58 temporären Siedlungen versorgen derzeit Unicef und das WFP in der Somali-Region Tausende Einwohner. Rund 30 mobile Gesundheitsteams klappern zudem die Siedlungen ab. Paul Handley, Leiter der nationalen UN-Nothilfekoordination, fürchtet, dass die Notversorgung noch bis 2018 nötig sein wird. Denn selbst wenn der Regen nun käme, reichte die Zeit nicht, dass sich die betroffenen Regionen von der Dürre erholen und die Viehzucht wieder aufgenommen werden kann.

Viele in der Somali-Region haben einen Großteil ihrer Herden verloren - und bis diese wieder aufgebaut sind, kann mehr als ein Jahrzehnt vergehen. Damit fehlt den Menschen das Tier nicht nur als Milch- und Fleischlieferant. Äthiopien ist ein wichtiger Exporteur für Kamele und Rinder insbesondere in arabische Länder. Doch abgemagerte Kamele lassen sich nicht verkaufen.

Wasserturm Afrikas

Bislang galt Äthiopien als Vorzeigeland der Entwicklung - aber die Dürre bringt es in den ländlichen Regionen wieder an seine Grenzen. Einfacher wäre es, wenn die Menschen sesshaft würden. Doch das widerspricht dem historisch gewachsenen Nomadentum. Dabei spielen die Tiere die entscheidende Rolle. Haben sie genug Wasser und Nahrung, haben auch die Menschen genug.

Die Menge ist dabei offenbar gar nicht das eigentliche Problem. "Äthiopien ist der Wasserturm Afrikas", sagt Samuel Godfrey, Unicef-Koordinator für die Wasserprogramme. Durch die Berglage gebe es sehr regenreiche Gebiete, und von dort fließe das Wasser in die Tiefebene ab. Die Wasserquelle der Zukunft müsste also das Grundwasser sein. Doch bislang sind laut Godfrey von etwa 6.000 Wasserstellen nur knapp 200 Tiefbohrungen. Der Rest wird von Regenwasser gespeist. Und wenn das ausbleibt, trocknen die Stellen aus.

An ausreichend Stellen in die Tiefe bohren und das Wasser auf sicherem Wege verteilen: Das muss nach Ansicht von Unicef daher schleunigst passieren. Doch das Grundwasser liegt tief. Bis zu 800 Meter müssen überwunden werden, bis Wasser sprudelt. Solche Bohrungen sind mit Kosten von etwa 800.000 Euro sehr teuer. Die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) unterstützt Bohrprojekte bereits. Aber der Wasserturm Afrikas, so Godfrey, habe noch viel Potenzial.

Anna Mertens
(KNA)

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