Unwetterkatastrophe in Kolumbien
Unwetterkatastrophe in Kolumbien

03.04.2017

Flutkatastrophe in Kolumbien Den Betroffenen nah

Mehr als 250 Menschen hat die verheerende Flutkatastrophe in Kolumbien das Leben gekostet. Papst Franziskus betete für die Opfer, die kolumbianische Bischofskonferenz rief zur Solidarität mit den Betroffenen auf.

Papst Franziskus hat sich bestürzt über die Unwetterkatastrophe in Kolumbien geäußert. Er bete für die Opfer und sei allen Betroffenen nahe, sagte er in einer spontanen Einlassung am Ende einer Messe im norditalienischen Carpi am Sonntag. Allen Rettungskräften und Helfern dankte er für ihren Einsatz.

Heftige Unwetter in der Provinz Putumayo im Südwesten des Landes hatten in der Stadt Mocoa eine Schlammlawine ausgelöst, die ganze Wohnviertel wegriss. Nach Angaben des Roten Kreuzes kamen mehr als 250 Menschen ums Leben, Hunderte sind verletzt oder werden vermisst.

Wiederaufbau so schnell wie möglich

Die Kirche in Kolumbien rief zur Solidarität mit den betroffenen Familien auf. In einer Erklärung appellierte die Bischofskonferenz an Gemeinden und Institutionen des südamerikanischen Landes, so schnell wie möglich mit der Hilfe für den Wiederaufbau zu beginnen.

Derweil begann die Caritas Kolumbien mit der Nothilfe im schwer betroffenen Mocoa. Das Katastrophen-Hilfswerk des Deutschen Caritasverbands stellte nach eigenen Angaben 50.000 Euro als Soforthilfe sowie Katastrophenhelfer zur Verfügung. "Aktuell gibt es nur fünf Notunterkünfte für 400 obdachlose Familien. Das ist deutlich zu wenig", berichtete Nothilfe-Experte Friedrich Kircher, der den Einsatz der Deutschen von Bogota aus koordiniert.

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos sicherte einen raschen Wiederaufbau zu. "Mocoa wird besser dastehen als zuvor", sagte Santos am Sonntag bei seinem zweiten Besuch im Katastrophengebiet binnen 24 Stunden. Er  betonte, beim Wiederaufbau sollten stabilere Häuser als bisher gebaut werden. Die Zahl der bestätigten Toten gab der Präsident am Abend (Ortszeit) mit 254 an, darunter Dutzende Kinder.

Sogar in den Bäumen hingen Leichen

Wie Retter berichteten, wurden Leichen sogar von Bäumen geborgen, die Wasser- und Schlammlawine in Mocoa sei bis zu vier Meter hoch gewesen. Santos versprach, eine neue Wasserleitung bauen zu lassen, die eine Trinkwasserversorgung für alle Bürger garantiere. Er dankte Chinas Präsidenten Xi Jinping für das Bereitstellen von einer Million Dollar an Soforthilfe. Mocoa liegt in der Nähe der Grenze zu Ecuador.

Sieben Brücken wurden durch die Katastrophe beschädigt, zwei wurden komplett weggerissen. In der Nacht zu Samstag hatte heftiger Regen drei Flüsse in der Stadt am Fuß der Anden zu reißenden Strömen anwachsen lassen - über Berghänge schossen Wasser- und Schlammmassen in die Stadt hinein, 17 der 40 Wohnviertel der 40 000-Einwohner-Stadt wurden beschädigt, hunderte Häuser mitgerissen oder unter Geröllmassen begraben. Zehn Tankwagen mit Trinkwasser wurden nach Mocoa geschickt, 16 weitere sollen folgen; die Strom- und Wasserversorgung ist zusammengebrochen.

Mehr als 200 Verletzte

Es wurden drei Krankenstationen eingerichtet, neben der Versorgung der Verletzten geht es darum, den Ausbruch von Seuchen in Mocoa zu verhindern, hieß es. Von insgesamt 200 Verletzten wurden knapp 70 in andere Städte transportiert. Insgesamt 500 Kilogramm Medikamente wurden nach Mocoa gebracht.

Neben tausenden Helfern waren zehn Hubschrauber, sechs Flugzeuge, sieben Boote und 63 Fahrzeuge bei den Rettungsarbeiten im Einsatz. Aus dem Ausland kamen zahlreiche Beileidsbekundungen und Unterstützungsangebote. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übermittelten ihr Mitgefühl mit den Angehörigen der vielen Opfer. Papst Franziskus sagte in Rom, er bete für die Opfer und fühle mit den Angehörigen und den Rettern.

"Kleines Armero"

Die Katastrophe wurde von einem Überlebenden als "kleines Armero" bezeichnet. In der Kleinstadt starben im November 1985 bei der weltweit schlimmsten Schlammlawinen-Katastrophe rund 25 000 Menschen. Nach dem Ausbruch eines Vulkans brachte die Lava die Eiskappe des Vulkans zum Schmelzen und löste damit die Lawine aus, die die Stadt Armero auslöschte - Papst Johannes II besuchte wenige Monate nach der Katastrophe 1986 Armero und betete für die Opfer und Angehörigen.

Im kommenden September besucht auch Papst Franziskus das Land, er will vor allem den aktuellen Friedensprozess würdigen – Präsident Santos erhielt wegen des Abkommens mit der Farc-Guerilla im Dezember den Friedensnobelpreis. Nach über 50 Jahren Konflikt mit über 220.000 Toten will Santos einen dauerhaften Frieden im Land erreichen und dadurch auch für mehr Wachstum sorgen. Im vergangenen Jahr kamen nach Angaben von Santos bereits fünf Millionen Touristen nach Kolumbien.

(dpa, KNA)

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