Tuberkulose: Krankheit der Armen
Tuberkulose: Krankheit der Armen

24.03.2017

Zum Welt-Tuberkulose-Tag Indiens Kampf gegen eine heimtückische Krankheit

Zu spät erkannt, zu schlecht behandelt: Bei Hunderttausenden Tuberkulose-Kranken versagt Indiens Gesundheitssystem. Die Regierung strebt Verbesserungen an und will die Krankheit bis 2025 ausmerzen. Ein ehrgeiziges Ziel.

Tejal Kanwars Husten hörte nicht auf. Die Mitarbeiterin eines Computer-Instituts in der indischen Finanzstadt Mumbai hatte außerdem Fieber und Schweißausbrüche. Ihr Arzt diagnostizierte eine Lungenentzündung und verschrieb Antibiotika. Zunächst besserte sich ihr Zustand, doch dann kehrten Husten und Fieber zurück - schlimmer als davor. Kanwar musste mit Atemnot ins Krankenhaus. Das war 2012 - der Beginn einer endlosen Odyssee durch Indiens undurchsichtiges und ineffizientes Gesundheitswesen.

Kanwars Geschichte ist typisch für Indiens Tuberkulose-Kranke. Die Infektion wird oft nicht oder spät erkannt und unzureichend behandelt. Rund 2,2 Millionen Patienten - fast ein Drittel aller Tuberkulose-Kranken in Indien - werden ausschließlich in privaten Kliniken betreut. Doch 15 Jahre lang wurden solche Fälle nicht in der offiziellen Statistik erfasst, sondern nur diejenigen, die in den staatlichen Programmen behandelt wurden.

Viele Kranke in Metropole Mumbai

Im vergangenen Jahr korrigierte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihre Zahlen deutlich nach oben, nachdem die medizinische Fachzeitschrift "The Lancet" eine Schätzung von 6,8 Millionen Tuberkulose-Fällen in Indien veröffentlichte - mehr als doppelt so viele wie die WHO bis dahin angenommen hatte. Die "Lancet"-Studie orientiert sich unter anderem an den Verkaufszahlen von Medikamenten gegen die Lungenkrankheit.

Indiens Geschäftsmetropole Mumbai hat die höchste Zahl von Tuberkulose-Patienten in Indien. In der 20-Millionen-Stadt mit ihren vielen Slums, Wanderarbeitern, den Tausenden Bussen und Zügen verbreitet sich das Bakterium leicht. "Es gibt so viele undiagnostizierte Fälle, unbehandelte und unvollständig behandelte Kranke hier", klagt Prabhu Desai, Arzt am Guru Nanak-Krankenhaus in der Großstadt.

Suche nach Tuberkulose-Kranken

Nach dem "Lancet"-Bericht nahm sich Indien dem Problem der nicht registrierten Erkrankten an. Laut Schätzungen leben 27 Prozent der weltweit unerfassten Tuberkulose-Kranken in Indien. Dennoch hält Indien an seinem Plan fest, die Tuberkulose bis 2025 zu eliminieren. Dafür haben die Behörden begonnen, in Haus-zu-Haus-Suche unerfasste Erkrankte aufzuspüren. Binnen zwei Wochen wurden so 1.800 neue Tuberkulose-Patienten gefunden.

Kanwars Erkrankung wurde über Monate nicht bemerkt, auch nicht in einem staatlichen Krankenhaus. Erst nach zahlreichen Anläufen testete sie ein Arzt. Doch weil er ihre Antibiotikaresistenz nicht bemerkte, wurde Kanwar mit den falschen Medikamenten behandelt. Über ein Jahr nach Ausbruch ihrer Krankheit wurde ihr Erregerstamm ermittelt - all dies außerhalb des staatlichen Gesundheitsprogramms.

Klinkversagen und Misstrauen

Staatliche Kliniken versagen oftmals bei der Behandlung von Tuberkulose-Kranken, und viele Inder misstrauen den öffentlichen Gesundheitszentren. Die Versorgungslücke decken private Ärzte oder Apotheker, die den Patienten irgendwelche Antibiotika geben. Indiens Apotheker sind dafür bekannt, Arzneien ohne ärztliche Verschreibung zu verkaufen. Kontrollen gibt es so gut wie keine. Das führt zu einer hohen Zahl von Keimen, die gegen die geläufigen Medikamente resistent sind. Wenn die Tuberkulose nicht erkannt ist, weil die Symptome durch die Antibiotika abgeschwächt werden, stecken die Patienten andere an.

Ein weiteres Problem ist, dass viele Ärzte ihre Tuberkulose-Patienten nicht an staatliche Kliniken überweisen, obwohl sie dazu verpflichtet wären. So erfahren die meisten Kranken nie, dass es die teuren Mittel, die sie selbst bezahlen und für die sie sich oftmals verschulden, in öffentlichen Krankenhäuser kostenlos gibt. Mehr als 40 Prozent aller Tuberkulose-Kranken in Indien bekommen keinerlei staatliche Hilfe.

Tuberkulose als Tabu 

Die Therapie selbst ist lang und qualvoll, und die Krankheit weiterhin ein Tabu, über das man in Indien nicht spricht. Kürzlich hat die Regierung daher Bollywood-Star Amitabh Bachchan für eine Aufklärungskampagne gewonnen. Der Altmeister des indischen Kinos spricht von seiner eigenen Erkrankung vor 17 Jahren. "Ich hoffe, dass wir einmal sagen können, dass Indien tuberkulosefrei ist", sagt Bachchan.

Agnes Tandler
(epd)

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