Professor Jerzy Skrabania, Steyler Missionar und Kirchenhistoriker
Professor Jerzy Skrabania, Steyler Missionar und Kirchenhistoriker

23.03.2017

Jerzy Skrabania über Gegenwart und Zukunft von Missionsmuseen "Das muss man doch bewahren!"

Am Donnerstag und Freitag sprechen Experten aus ganz Deutschland in Sankt Augustin über "Missionsgeschichtliche Sammlungen" in Deutschland - klingt verstaubt? Ist es aber nicht, wie der Steyler Missionar und Kirchenhistoriker Jerzy Skrabania erläutert.

Katholische Nachrichten-Agentur: Pater Skrabania, "Missionsmuseum" - das klingt für viele nach 19. Jahrhundert oder erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wozu braucht man heute noch ein solches Museum?

Jerzy Skrabania (Steyler Missionar, Kirchenhistoriker und Gastgeber der von den Landschaftsverbänden Rheinland und Westfalen-Lippe veranstalteten Tagung): Die Missionare hatten - neben der Verkündigung der Botschaft Jesu - immer auch den Auftrag, sich mit der Kultur und den Gesellschaften auseinanderzusetzen, zu denen sie geschickt wurden. In diesem Zusammenhang haben manche Missionare Objekte von indigenen Kulturen nach Europa geschickt, um sie dort zeigen und wissenschaftlich erforschen zu können.

KNA: Sozusagen eine Brücke zwischen Europa und dem Rest der Welt...

Skrabania: ...die ein Bild des Anderen und seiner Kultur vermittelt. Eine Botschaft ist: Wir Europäer sind nicht besser als die Menschen in Afrika oder Asien. Gleichzeitig weist diese Brücke einen Weg in die Geschichte der Mission - die auch Teil der deutschen, der europäischen Kirchengeschichte ist.

KNA: Das klingt jetzt sehr positiv. Dabei tragen Europäer, und mit ihnen Missionare, auch Verantwortung dafür, dass indigene Kulturen zerstört wurden oder sich zumindest stark gewandelt haben.

Skrabania: Das sind sehr komplexe Fragen nach der Verantwortung und dem Umgang mit Kulturen. Und noch heute tragen wir Europäer durch unseren Lebensstil dazu bei, dass andernorts Kulturen verschwinden. Aber es gab eben immer auch den anderen Aspekt: dass Missionare die Traditionen der Gesellschaften vor Ort verstehen wollten, ja sogar mussten, wenn sie überhaupt in ihrer Arbeit erfolgreich sein wollten. Und oft haben sie dabei die Kulturen auch bewahrt und beschützt.

KNA: Welchen wissenschaftlichen Wert haben die Sammlungen in unserer Zeit, in der die Welt zum globalen Dorf geworden ist und jeder Forscher ohne größere Probleme selbst bis in die entlegensten Gegenden reisen kann?

Skrabania: Es gibt immer noch viele Disziplinen, die sich für unsere Sammlungen interessieren: Kulturwissenschaften, Ethnologie, Anthropologie oder Religionswissenschaften zum Beispiel. Letzten Endes führt alles immer wieder auf dieselben Fragen zurück: Was zeichnet den Menschen aus, wie lebt er in unterschiedlichen Kulturen, wie hat er früher gelebt?

KNA: Was konkret bieten die missionsgeschichtlichen Sammlungen?

Skrabania: Wir bieten Antworten auf solche Fragen in Gestalt von Exponaten, die direkt von den indigenen Völkern stammen und Aufschluss über ihren Glauben, ihre Traditionen, ihr Familienleben geben.

KNA: In jüngster Zeit gibt es Debatten über den Umgang mit solchen Exponaten. Dürfen etwa menschliche Knochen oder Überreste heute noch in Museen gezeigt werden? Sollten kunsthistorisch bedeutsame Objekte wieder ihren Schöpfern beziehungsweise deren Nachfahren zurückgegeben werden?

Skrabania: Das ist ein heikles Thema, das wir offen und ehrlich diskutieren müssen. Dazu gehört allerdings auch, dass es Fälle gibt, in denen Gemeinschaften Objekte zurückgefordert haben - um sie dann gegen Geld anderen Häusern anzubieten. Aber natürlich: Wenn wir solche Exponate zeigen, dann müssen wir das in einer würdigen Form tun.

KNA: Wie stellen Sie das im "Haus Völker und Kulturen" sicher - etwa mit Blick auf Ihre Menschenschädel aus Papua-Neuguinea?

Skrabania: Wir sind als Missionare bis heute in Papua-Neuguinea aktiv und stehen mit den betreffenden Gemeinschaften in einem engen Kontakt. Die Menschen vertrauen uns, dass wir angemessen damit umgehen. Und sie wissen, welchen Wert solche Objekte für die Forschung und damit für das Wissen um ihre Kultur und letztlich deren Erhalt haben.

KNA: Trotz ihrer Bedeutung für die Forschung stehen Missionsmuseen heute vor einer ungewissen Zukunft.

Skrabania: Viele Menschen wissen gar nicht, dass wir anders als staatliche Museen kaum Subventionen erhalten - übrigens auch nicht aus Kirchensteuermitteln. Die Orden als Betreiber der meisten Missionsmuseen können diese Aufgabe aber inzwischen mangels Geld und Personal kaum mehr allein stemmen.

KNA: Sie könnten sich mit den staatlichen Museen zusammentun.

Skrabania: Das funktioniert nicht so einfach. Denn bei uns geht es primär um religiöse Objekte und erst in zweiter Linie um Kunst. Bei staatlichen Museen ist die Ausrichtung genau umgekehrt.

KNA: Was also tun?

Skrabania: Wir müssen über Kooperationen nachdenken. Und ich würde mir dringend wünschen, dass sich die deutsche Kirche finanziell engagiert.

KNA: Deren Vertreter werden Ihnen möglicherweise entgegnen, dass ihre Mittel dafür begrenzt sind.

Skrabania: Ja - aber diese Sammlungen sind doch eine Bereicherung für die Kirche in Deutschland. Sie zeigen zudem ein Stück deutscher Geschichte - und wie Kirche über Europa hinaus wirkt. Es handelt sich um einmalige Schätze, ein "Weltkulturerbe". Das muss man doch bewahren!

Joachim Heinz
(KNA)

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