Hungersnot im Südsudan
Hungersnot im Südsudan

27.02.2017

Hilfsorganisationen beklagen Arbeitsbedingungen "Diese Zahl bereitet mir Sorgen"

Die Hungersnot in Ostafrika spitzt sich nach Angaben von Hilfsorganisationen weiter zu. Den Helfern fehle oft ein adäquater Zugang zu den Betroffenen, beklagt der Leiter von Caritas international, Oliver Müller, am Montag im ZDF-Morgenmagazin.

Soldaten und Rebellen stellen sich den Helfern teils in den Weg; ihre Arbeit sei schwer und gefährlich. Es brauche dringend mehr internationale Hilfe, mahnte Müller. Länder wie Somalia oder der Südsudan hätten zuletzt zu wenig Aufmerksamkeit erhalten. Zugleich gelte es, Afrika nicht nur als „Chaoskontinent“ und die Bevölkerung nicht nur als potenzielle Flüchtlinge zu betrachten. „Im Kleinen kann viel geschehen“, betonte der Experte unter Verweis etwa auf die Arbeit von Kleinbauern.

Müller für Hilfsfonds

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat angesichts der Dürre in Ostafrika einen internationalen Fonds in Höhe von zehn Milliarden Dollar gefordert, um bei Krisen einspringen zu können. "Es hilft nichts, wenn wir immer nur reagieren", sagte der Minister am Freitag. "Wenn die Hilfszahlungen kommen, ist es oft schon zu spät. Die Vereinten Nationen müssen befähigt werden, bei Krisen vorausschauend zu handeln."

UN-Generalsekretär António Guterres zufolge brauchen die Hilfsorganisationen der UN bis Ende März mindestens 4,4 Milliarden US-Dollar, um Lebensmittel, Wasser und Medikamente an die notleidenden Menschen zu liefern. Bislang hätten die Vereinten Nationen aber erst 90 Millionen US-Dollar erhalten. "Es ist zwar noch früh im Jahr, aber diese Zahlen bereiten mir Sorgen", sagte Guterres.

Insgesamt leiden nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 20 Millionen Menschen im Südsudan, in Somalia, im Nordosten Nigerias und im Jemen derzeit unter einem Mangel an Nahrungsmittels. Besonders schlimm ist die Situation im Südsudan, wo fünf Millionen Menschen unter Hunger leiden. Am Montag hatten die UN für Teile des Südsudans eine Hungersnot ausgerufen. Rund 100 000 Menschen sind demnach unmittelbar vom Hungertod bedroht.

"Wir können nicht zusehen, wie die Menschen verhungern."

Müller hatte die internationale Staatengemeinschaft zudem aufgerufen, angesichts der Hungersnot schnelle finanzielle Unterstützung zu leisten. "Wir können nicht zusehen, wie die Menschen verhungern. Es muss doch möglich sein, weltweit fünf Milliarden Euro Nothilfe zur Stabilisierung der Lage aufzubringen", sagte der CSU-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitag).

Das Bundesentwicklungsministerium trägt seinen Angaben zufolge in diesem Jahr 100 Millionen Euro zur Milderung der Hungerkrise in Ostafrika bei. "Andere Staaten müssen sich anschließen. Die Dimension der Herausforderung ist riesig, wir brauchen auch dringend zusätzlich private Spenden. Jede und jeder kann einen Beitrag leisten, das Überleben der Menschen in den Dürregebieten zu sichern", sagte Müller.

Die Bundesregierung engagiert sich zugleich für die humanitäre Lage im Westen Afrikas. Gemeinsam mit Norwegen, Nigeria und den Vereinten Nationen richtete sie am Freitag eine internationale Geberkonferenz in Oslo aus, um Hilfe für die Krisenregion um den Tschadsee auftreiben. Dabei wurden 432 Millionen Euro für Soforthilfe gesammelt.

(dpa, KNA)

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