Österreich: Neuer Eremit für Einsiedelei gesucht

Ohne Strom, Heizung und Internet

In Österreich wird ein Bewohner für eine Einsiedelei im Pinzgau am Berg gesucht. Der muss "in sich ruhen" und ohne Strom, Heizung und Internet auskommen. Pfarrer Alois Moser erklärt im Interview, was den Eremit noch erwartet. 

Einsiedelei in Saalfelden / © N.N. (Stadtgemeinde Saalfelden)

domradio.de: Haben sich schon Interessenten auf das doch etwas ungewöhnliche Jobangebot gemeldet?

Pfarrer Alois Moser (Pfarrei Saalfelden): Es haben sich schon Interessenten gemeldet - an die 20 Personen.

domradio.de: Was muss der neue Eremit mitbringen - außer dem Wunsch "anders" zu wohnen?

Pfarrer Moser: Das ist schon mal die Grundvoraussetzung, dass er sich im Klaren ist, was an solchem Ort wichtig ist, dass er sich auf ein Abenteuer einlässt und bereit ist, die Gegebenheiten anzunehmen.

domradio.de: Und was sind seine Aufgaben?

Pfarrer Moser: Der frühere Einsiedler hat gesagt: Das Wichtigste ist für den Einsiedler: da sein. Also er muss vor Ort bleiben. Wenn die Leute mit ihm reden möchten, dann ist es gut, dass er für sie ein Ohr hat. Sonst muss er damit zurecht kommen, dass um ihn Ruhe ist.

domradio.de: Soll er das Haus hüten, oder hat er einen richtigen Job?

Pfarrer Moser: Nicht Job, man schreibt immer von Job, ich würde es als Aufgabe sehen. Die Aufgabe ist, diesen Ort, den es schon seit dem 16./17. Jahrhundert gibt, als einen solchen Ort zu bewahren. Und andereseits soll er eben auch den Hintergrund hochhalten, dass es ursprünglich ein Ort der Pilgerschaft für die Bauern gewesen ist, um den Heiligen Georg zu bitten, dass es ein gutes Bauernjahr wird. Es ist also auch ein geistliche Komponente dabei. Wir suchen also auch jemanden, der mit einem guten geistlichen Fundament ausgestattet ist, sich da wohl fühlt und am besten noch einen christlichen Hintergrund hat.

domradio.de: Ist es egal, ob Mann oder Frau?

Pfarrer Moser: Die Tradition dieser Einsiedelei ist so, dass es bisher immer Männer gewesen sind. Jetzt haben sich auch schon zwei oder drei Frauen beworben. Wir werden mal sehen, was da am Ende rauskommt.

domradio.de: Man kann sich noch bewerben?

Pfarrer Moser: Bis Ende Februar haben wir noch die Möglichkeit Bewerbungen entgegenzunehmen. Am 30. April wäre unser Stichtag für einen offiziellen Beginn.

domradio.de: Ich habe die Einsiedelei auf dem Foto gesehen, die klebt ja wirklich am Steilhang, die Aussicht ist toll. Aber mit dem Auto kommt man da nicht hin, oder? Ich denke da an Einkäufe, Wasserflaschen schleppen...

Pfarrer Moser: Es ist einerseits ein wunderschöner Ort. Er liegt 20 bis 30 Minuten Fußmarsch vom Parkplatz entfernt oder eine Stunde vom Ortsteil Saalfelden entfernt. Es liegt 1.000 Meter hoch. Man hat einen tollen Ausblick. Der Nachteil: Man muss alles hinauftragen - auch das Wasser. Dort oben ist halt auch kein fließendes Wasser vorhanden. Die Einsiedler haben einen Unterstand gebaut auf dem Weg dorthin, wo drauf steht: Wenn jemand dort etwas stehen sieht, dann kann er es gerne dem Einsiedler mitbringen. Da wird manches Mal etwas deponiert, damit er nicht mehrmals hoch und runterlaufen muss.

Das Interview führte Milena Furman.


Blick von der Einsiedelei auf die Stadt Saalfelden / © N.N. (Stadtgemeinde Saalfelden)
Quelle:
DR