Leonardo Boff
Leonardo Boff

08.01.2017

Leonardo Boff über den Papst "Befreiungstheologe in der argentinischen Version"

In einem Interview hat der brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff über sein Verhätnis zu Papst Franziskus gesprochen. Das sei so gut, dass Franziskus den Brasilianer auch bei seiner Enzyklika "Laudato Si'" um Hilfe gebeten haben soll.

Papst Franziskus ist aus Sicht des brasilianischen Befreiungstheologen Leonardo Boff ein "Befreiungstheologe in der argentinischen Version". In Argentinien seien wegen der damaligen Militärdiktatur "keinerlei marxistische Ausdrücke" erlaubt gewesen, sagte Boff der "taz am Wochenende" (Samstag). "Man hat dort eine eigene Tendenz entwickelt, eine Theologie des unterdrückten Volkes und der zum Schweigen gebrachten Kultur. Man muss die Kultur befreien und das Volk. Nicht durch Mildtätigkeit."

Jorge Mario Bergoglio, der spätere Papst, habe als Student dieser Art der Befreiungstheologie zu den begeistertsten gehört, sagte Boff. "Er hat schon damals dafür votiert: Einmal pro Woche sollte man einen Besuch in einem Elendsviertel organisieren. Und tatsächlich, das ganze Leben hindurch hat er das durchgehalten."

Umstrittene Personalie

Boff hatte in der Folge der lateinamerikanischen Bischofsversammmlung von Medellin (1968), die die Option für die Armen betonte, die sogenannte Theologie der Befreiung mitentwickelt. In einer Instruktion distanzierte sich die von Kardinal Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI., geleitete Glaubenskongregation Anfang 1984 von Boffs Ausformung der Befreiungstheologie. Am Ende wurde Boff gemaßregelt und trat aus dem Franziskanerorden aus.

Boff sagte in dem "taz"-Interview, dass Papst Franziskus ihm erklärt habe: "Ich will die ungerechte Strafe kompensieren, die über Sie verhängt wurde." Dies sei sehr mutig von Franziskus gewesen. Das Problem seinerzeit sei nicht eine Person gewesen, sondern die Brasilianische Bischofskonferenz: "Man wollte Sie nicht direkt attackieren. Die Deutschen haben ein sehr gutes Sprichwort dafür: Man schlägt den Sack und meint den Esel. Ich war der Sack, der Esel war die Bischofskonferenz. Die Bischöfe haben das sofort verstanden", erläuterte Boff.

Papst hat nach Material für Umweltenzyklika gefragt

Der brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff hat nach eigenen Worten Material für die Umweltenzyklika "Laudato si" von Papst Franziskus geliefert. "Er hat meine ganze Literatur gelesen und immer geschätzt. Er hat mich gefragt, ob ich ihm Materialien schicken könne", sagte Boff im Interview weiter. Davon sei viel übernommen worden.

Das Material gelangte Boff zufolge auf etwas verschlungenen Wegen zum Papst. Dieser habe ihn gebeten: "Schicken Sie mir das nicht direkt, das kommt nicht an. Es gibt Leute, die verhindern das. Schicken Sie es dem argentinischen Botschafter, der jeden Tag Matetee mit mir trinkt, der übergibt mir das dann."

Gute Beziehungen 

Ein offizieller Papstberater sei er nicht, betonte Boff. "Es gibt nur eine Verbindung." Einen Tag vor der Veröffentlichung der Enzyklika habe der Papst bei ihm anrufen lassen. "Ich war nicht zu Hause. Er hat sich für das Material von mir bedankt", sagte der Theologe. Das sei "sehr fein" von Franziskus gewesen.

Boff hatte in der Folge der lateinamerikanischen Bischofsversammmlung von Medellin (1968), die die Option für die Armen betonte, die sogenannte Theologie der Befreiung mitentwickelt. In einer Instruktion distanzierte sich die von Kardinal Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI., geleitete Glaubenskongregation Anfang 1984 von Boffs Ausformung der Befreiungstheologie. Am Ende wurde Boff gemaßregelt und trat aus dem Franziskanerorden aus.

(KNA)

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