Christen in China
Christen in China

16.11.2016

Kirche in Not über neuen Bericht zur Religionsfreiheit "Wir sind erschrocken von der Brutalität"

Eine deutliche Zunahme der Verletzung der Religionsfreiheit weltweit - das ist das Ergebnis einer Studie des Hilfswerks Kirche in Not. Es gibt aber auch einen positiven Trend, erklärt Berthold Pelster von Kirche in Not gegenüber domradio.de.

domradio.de: Grundlage für die Ergebnisse sind Untersuchungen und Beobachtungen von Journalisten, Wissenschaftlern und Seelsorgern.196 Länder waren unter der Lupe, davon sind 38, die die Religionsfreiheit missachten, unter anderem China und Turkmenistan, Nordkorea Eritraea - was für Berichte gibt es von dort?

Berthold Pelster (Kirche in Not): Nehmen wir China. Das ist ein Land mit kommunistischer Regierung. Der Staat mischt sich auf vielfache Weise in das religiöse Leben der Menschen ein. Er möchte sein Machtmonopol nicht gefährdet sehen.

domradio.de: Wie mischt sich der Staat ein?

Pelster: Zum Beispiel mischt sich die chinesische Regierung in die Wahl von Bischöfen in der katholischen Kirche ein. Oder auch in der Gestaltung von Kirchen in bestimmten Provinzen.

domradio.de: Das heißt?

Pelster: Es sind in den letzten Monaten auf Anordnung der Behörden viele Kreuze auf Dächern abgerissen worden, um das Christentum in der Gesellschaft nicht zu sehr sichtbar zu machen. In Indien beobachten wir, dass dort Anti-Konversionsgesetze erlassen werden.

domradio.de: Was sind das für Gesetze?

Pelster: Sie sollen verhindern, dass die Menschen sich vom Hinduismus abwenden und sich anderen Religionen zuwenden.

domradio.de: Bei Nordkorea und China ist man nicht so sehr verwundert, dass die Religionsfreiheit nicht viel Beachtung findet - gab es Länder, in denen es überraschend so ist?

Pelster: Überraschend ist zum Beispiel Myanmar - ein buddhistisch geprägtes Land. Der Buddhismus gilt ja eigentlich als friedliebende Religion. Aber auch da gibt es eine ethnische Minderheit, die sogenannten Rohingya. Das sind überwiegend muslimisch geprägte Menschen. Eine Million Menschen gehören zu den Rohingya und gelten als weltweit am stärksten unterdrückte Minderheit. Das ist eigentlich kaum bekannt.

domradio.de: Kirche in Not sieht die religiöse Vielfalt weltweit bedroht und nennt dazu vor allem den Nahen Osten und das Phänomen des "Hyper-Extremismus" - was verstehen Sie darunter?

Pelster: Das ist jetzt ein neuer Begriff, der jetzt in dem Bericht auftaucht. Wir sind erschrocken von der Brutalität, die wir in den Ländern des Nahen Ostens beobachten - in Syrien und Irak - dort wo der sogenannte Islamische Staat sein Herrschaftsgebiet errichtet hat. Aber wir sind auch erschrocken über die Entwicklung, die wir etwa in Nigeria sehen, wo Boko Haram - eine andere Terrorsekte mit religiös ideologischem Hintergrund - sein Unwesen treibt.

domradio.de: Was passiert dort?

Pelster: In diesen Regionen werden Andersgläubige und Andersdenkende systematisch verfolgt, vertrieben und unterdrückt. Diese Terrorsekten versuchen Andersgläubige geradezu in ihrer Existenz auszulöschen.

domradio.de: Hat das Phänomen globale Auswirkungen?

Pelster: Natürlich, wir sehen Folgewirkungen, die sich bis in unser Land erstrecken. Wir haben Hundertausende von Flüchtlingen, die aus Syrien und dem Irak geflüchtet sind. Nicht nur die Flüchtlingsbewegungen betreffen unser Land, auch die Haltung der Bevölkerung ist sehr zwiespältig gegenüber diesen Fluchtbewegungen. Auf der einen Seite beobachten wir eine immense Hilfsbereitschaft, auf der anderen Seite auch eine große Verunsicherung. Das führt dazu, dass populistische Bewegungen stark geworden sind. Mit der Folge, dass unsere Gesellschaft gespalten ist.

domradio.de: Kann es eine religiöse Monokultur geben?

Pelster: Ich denke, das ist in unserer heutigen Zeit nicht mehr möglich, weil unsere Länder viel zu verflochten und verwoben sind - kulturell und wirtschaftlich. Die Menschen migrieren auf der Suche nach Arbeit und nach besseren Lebensmöglichkeiten - all das führt zu einer viel stärkeren Durchmischung der Gesellschaften. Wir müssen lernen, friedfertig miteinander zusammenzuleben - auch Menschen ganz unterschiedlicher ethnischer Gruppen und religiösen Bekenntnisse.

domradio.de: Im Bericht zur Religionsfreiheit, der jetzt rausgekommen ist, gibt es neben alledem bisher gesagten auch Erfreuliches zu berichten?

Pelster: Ein Zeichen ist zum Beispiel, dass Papst Franziskus im Mai 2016 einen der führenden islamischen Gelehrten weltweit getroffen hat - den Großscheich und Leiter der Al-Azhar-Universität in Kairo in Ägypten. Grade auch in Ägypten beobachten wir Signale von hochrangigen muslimischen Gelehrten, die die Gewalt von Terrorsekten mit scharfen Worten verurteilen und dazu aufrufen, den Koran gewaltfrei zu interpretieren. Es gab in diesem Jahr auch große Konferenzen in Marokko und Indonesien. Dort haben sich muslimische Religions- und Rechtsgelehrte eindeutig gegen die Gewalt ausgesprochen und eindeutig dazu aufgerufen religiöse Minderheiten in islamischen Ländern zu schützen. All das sind Hoffnungszeichen, die darauf hoffen lassen, dass wir vorankommen im weltweiten Schutz der Religionsfreiheit.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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