"Zwarten Piet"-Darsteller
"Zwarten Piet"-Darsteller

02.11.2016

Immer mehr Niederländer fordern Farbwechsel des "Zwarten Piet" Zwischen Tradition und Diskriminierung

Bunte Uniformen, schwarze Gesichter und ein purpurfarben gekleideter Nikolaus. Das Sinterklaasfest sorgt in den Niederlanden jedes Jahr für eine große Debatte. Der Grund: die Hautfarbe des Nikolaus-Gehilfen.

Auf dem Kopf tragen sie Hüte mit roten, grünen, blauen oder gelben Federn. Dazu eine bunte Uniform und einen weißen Kragen. Ihr Gesicht ist schwarz, und die Lippen sind rot geschminkt. Traditionell zieht der "Sinterklaas" (Nikolaus) mit seinem Gehilfen, dem "Zwarten Piet" (Schwarzen Peter), ab Mitte November in die Städte ein.

In Amsterdam kommt er mit dem Boot. Am Rand warten Tausende Kinder. Sie singen, klatschen und freuen sich auf die Geschenke, die der "Zwarte Piet" dabei hat. Anschließend zieht "Sinterklaas" durch die Stadt. Der Aufbau erinnert an einen Karnevalszug. Menschen in Kostümen auf Wagen, Pferden und zu Fuß ziehen in einer Parade über die Straße. An den Rändern jubeln ihnen Erwachsene und Kinder zu. Die Menschen auf der Straße verteilen Süßigkeiten und Pfeffernüsse.

Traditionelle Blasmusik wechselt sich mit moderner Popmusik und Kinderliedern ab. Manchmal stoppen die "Zwarten Pieten", um einen kleinen Tanz aufzuführen.

Sinterklaasfest mit langer Tradition

Seit dem 15. Jahrhundert feiern die Niederländer das Sinterklaasfest. Die Kritiker der Tradition bemängeln, der Brauch erinnere an die Sklavenausbeutung in den niederländischen Karibik-Kolonien. Hinzu kommt: Die Niederlande sind ein Einwanderungsland. Surinamer, Malaien, Marokkaner leben hier. Viele von ihnen sind dunkelhäutig.

Die Rassismusdebatte um den Schwarzen Peter beschäftigte sogar die Vereinten Nationen. Zur Empörung vieler Niederländer sah das Gremium in der Figur ein Symbol für eine "Rückkehr zur Sklaverei". Dies dürfe es im 21. Jahrhundert nicht geben.

Gegner argumentieren, dass der "Zwarte Piet" zur jahrelangen Tradition der Niederländer gehört. Der Vorsitzende der christlichen Organisation "Civitas Christiana", Hugo Bos, sagt, dass es keine traditionellen Feste mehr geben würden, wenn alle Meinungen beachtet werden müssten. Protestanten hätten früher Schwierigkeiten mit dem katholischen Charakter des Bischofs gehabt, Muslime störten sich am christlichen Kreuz auf der Mitra, und farbige Niederländer hätten etwas gegen die Farbe des "Piet", so Bos. Er möchte Abstand nehmen von der Aggressivität in der Debatte. Die Bürgerbeauftragte für Kinder, Margrite Kalverboer, hatte gewarnt, der "Zwarte Piet" begünstige Mobbing, Ausgrenzung und Diskriminierung. Anschließend erhielt sie Morddrohungen.

Proteste und Handgreiflichkeiten

Trotz der bunten Mischung kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Protesten und Handgreiflichkeiten. Im Südosten der Hauptstadt Amsterdam wurde ein Sinterklaas-Umzug im vergangenen Jahr abgebrochen. Zu groß sei die Provokation der Bevölkerung durch die schwarz angemalten Gesichter gewesen.

In Amsterdam hat in diesem Jahr der "Meldepunkt" für Diskriminierung dazu aufgerufen, in der Vorweihnachtszeit besonders aufmerksam für Diskriminierungen zu sein, die im Zusammenhang mit der Figur des "Zwarten Piet" stehen könnten, und diese zu melden. Er bietet auch Beratung an für Menschen, die sich in diesem Zusammenhang diskriminiert fühlen und nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Die Bevölkerung ist sensibel. Das Kinderfest spaltet die Gesellschaft.

Ein Mann, der seit Jahren als "Zwarte Piet" auftritt, seinen Namen aber nicht nennen möchte, erklärt, dass er während seinen Auftritten noch nie auf die Diskussion angesprochen worden sei. "Wenn der 'Sinterklaas' und der 'Zwarte Piet' kommt, zählt nur, dass es ein schönes Fest für die Kinder ist", so der Schauspieler. Alles andere rücke dann in den Hintergrund - auch die Diskussion über die Hautfarbe des Begleiters vom "Sinterklaas". Seiner Meinung nach solle der "Zwarte Piet" schwarz bleiben können. "Das ist doch Tradition", sagt er.

Vielerorts hat der "Zwarte Piet" kein schwarzes Gesicht mehr, sondern nur noch Rußflecken, die er sich laut der Legende bei seinem Sprung durch den Schornstein geholt hat. Ende Oktober verkündete auch der niederländische Fernsehsender RTL, dass er nur noch den "Schoorsteenpiet" zeige. Werbung mit dem "Zwarten Piet" sei in diesem Jahr noch erlaubt, aber werde im kommenden Jahr verboten sein.

Immer mehr wollen Hautfarbenwechsel

Laut einer Umfrage wollten inzwischen 21 Prozent der Niederländer einen Farbwechsel beim "Zwarten Piet". Ein Fünftel der Bevölkerung denke, dass der Gefährte des "Sinterklaas" (Nikolaus), der traditionell im Dezember durch niederländische Städte zieht, als Maßnahme gegen Diskriminierung eine andere Hautfarbe haben sollte. 2013 war das noch anders. Damals sprachen sich lediglich zehn Prozent der Bevölkerung für einen Farbwechsel aus.

Während der Nikolaus in Deutschland nach der Legende aus dem antiken Myra in der heutigen Türkei kommt, reist der niederländische "Sinterklaas" traditionell aus Spanien an - und landet jedes Jahr in einer anderen niederländischen Stadt, dieses Jahr am 12. November in Maassluis nahe Rotterdam. Schließlich gilt er auch als Schutzpatron der Seefahrer.

Am 5. Dezember ist der Höhepunkt des Nikolausfest in den Niederlanden am "Pakjesavond" (Päckchenabend). Dann wird der Heilige mit vielen Geschenken gefeiert. Für die Niederländer ist das Fest wichtiger als Weihnachten. Danach hat der Nikolaus in den Niederlanden endlich Feierabend - gerade rechtzeitig, um am 6. Dezember in Deutschland aufzutauchen und sich feiern zu lassen.

Franziska Broich
(KNA)

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