In Australien leben mehr Kängurus als Katholiken.
In Australien leben mehr Kängurus als Katholiken.

08.08.2016

Religionszugehörigkeit bei Zensus in Australien großes Thema Atheisten, Jedis, Pastafaris

In Australien steht die Volkszählung an. Die erhobenen Daten sind Grundlage für die politische und finanzielle Zukunftsplanung. Die Atheisten haben nun einen Appell gestartet - sie stören sich an den Jedi-Anhängern.

Alles, nur nicht Jedi. Darin sind sich die Australische Atheistenstiftung (AFA) und die Australian Christian Lobby (ACL) vor der Volkszählung an diesem Dienstag einig. Mit Verve kämpfen beide um die Zensus-Seelen der Australier. Bei der Erhebung vor fünf Jahren hatten 70.000 Menschen die Frage zur Religionszugehörigkeit mit "Jediismus". Die Spaß-Religion lag damit vor Mormonen und Sieben-Tags-Adventisten.

Der Appell gegen das Bekenntnis zu den Jedi-Rittern aus dem Star-Wars-Universum prangt auf einem Plakat der AFA. "Wenn ihr euch nicht durch alte religiöse Männer in Gewändern repräsentiert fühlt...dann bezeichnet euch nicht als Jedi." Die Begründung des Atheistenverbandes: Jedi und andere wenig ernst gemeinte Religionszugehörigkeiten fallen bei der Zählung nicht in die Kategorie "Keine Religion", sondern werden als "Keine Angabe" gewertet. Dadurch erscheine Australien religiöser als es tatsächlich sei.

Nur noch knapp vor Australien

Bei dem Kampf "Religion versus Keine Religion" geht es um handfeste Politik. "Die Frage zur Religion umsichtig und ehrlich zu beantworten ist wichtig, weil es allen Australiern zugute kommt, wenn das Steuergeld auf Grundlage solider Daten ausgegeben wird, die das moderne Australien widerspiegeln", sagt AFA-Vorsitzende Kylie Sturgess. Mit anderen Worten: Statt Schulen, Krankenhäuser und Kindergärten religiöser Träger zu finanzieren, soll der Staat mehr in weltliche Einrichtungen investieren.

Sollte sich der Trend der vergangenen Jahrzehnte hinsichtlich einer Abkehr von Religionen fortsetzen, könnte die katholische Kirche in Australien ihre bisherige Pole-Position verlieren. Bei der Volkszählung 2011 lagen die Katholiken mit 25 Prozent nur noch knapp vor den Australiern, die sich als nicht religiös bezeichneten. Die anglikanische Kirche kam mit 17 Prozent auf den dritten Platz.

Glaube ja, Religionsgemeinschaft nein

Die Atheisten führen ihre Kampagne witzig im Ton, bestimmt in der Sache und geschickt bemüht darin, ihren Landsleuten die Angst davor zu nehmen, sich durch das Kreuz bei "Keine Religion" als Atheisten zu outen. "Tatsächlich betrachten sich viele Leute, die zwar in eine bestimmte Religion geboren wurden, als spirituell und moralisch, aber eben nicht mehr als religiös", sagt Sturgess.

Ganz ähnlich argumentiert auch die ACL, kommt allerdings zu der gegenteiligen Empfehlung. Viele Australier glaubten noch an Gott, so ACL-Sprecher Lyle Shelton, gehörten aber keiner Religionsgemeinschaft an. "Das heißt aber nicht, dass sie 'Keine Religion' haben." Wenn sie sich eingehend damit befassten, würden viele feststellen, "dass sie an etwas glauben, und das sollten sie bei der Volkszählung zum Ausdruck bringen".

Kampagnen für und gegen Religion

Mit einer bizarren Angstkampagne vor einer Islamisierung werben auch radikale Initiativen für das Ankreuzen einer Religion. In einer derzeit in Australien kursierenden E-Mail heißt es: "Selbst wenn Sie keiner Religion angehören, sollten Sie sich daran erinnern, in welche Religion sie hineingeboren wurden, wenn Sie die Frage beantworten. Sonst wird Australien im Laufe der Zeit zu einem muslimischen Land erklärt werden."

Die Atheisten sehen den Genossen Trend an ihrer Seite. Es sei kein Zufall gewesen, so Sturgess, dass sich 2011 nach der Kampagne der AFA die Zahl der Religionslosen im Vergleich zu 2006 fast verdoppelt habe. Eine ähnliche Entwicklung ist auch in Neuseeland zu erkennen. Dort hatten die Religionslosen bei der Volkszählung im Jahr 2013 mit satten 42 Prozent das Christentum vom Spitzenplatz verdrängt.

Neben den Jedi-Rittern könnte aber auch die Religionsparodie "Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters" den Atheisten einen Strich durch die Rechnung machen. Allerdings mussten die sogenannten Pastafaris vor der Volkszählung einen bitteren Rückschlag hinnehmen: Ihre Petition zur offiziellen Anerkennung als Religion wurde abgelehnt.

 

Michael Lenz
(KNA)

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