Militär auf einer Straße in der Provinz Aleppo
Militär auf einer Straße in der Provinz Aleppo

21.04.2016

Entführte syrische Bischöfe bleiben verschollen Drei Jahre ohne Lebenszeichen

Vor drei Jahren wurden in Syrien zwei Bischöfe verschleppt. Seither ist das Schicksal des Erzbischofs der syrisch-orthodoxen Kirche, Mor Gregorius Yoanna Ibrahim, und des Erzbischofs der griechisch-orthodoxen Kirche von Aleppo, Boulos Yazigi, unklar.

Die Bischöfe waren die Strecke zwischen der Türkei und Aleppo schon häufig gefahren. Am 22. April 2013 jedoch - sie waren nach Verhandlungen über die Freilassung von Geiseln auf dem Rückweg in die syrische Stadt - stoppte bei der Ortschaft Kafr Dael eine Gruppe bewaffneter Männer ihr Auto. Die Angreifer erschossen den Fahrer und verschleppten die orthodoxen Kirchenmänner Mor Gregorius Yoanna Ibrahim und Boulos Yazigi. Die Entführer sollen keine Araber gewesen sein, sondern islamistische Kämpfer aus dem Kaukasus - vermutlich Tschetschenen. Seit jenem Tag fehlt von den Bischöfen jede Spur.

Bis heute nur Gerüchte

"Wir haben bis heute nur Gerüchte, keine offizielle Nachricht", sagt Elias Esber, Erzpriester der rum-orthodoxen Gemeinde. Der Geistliche stammt ebenfalls aus Syrien, lebt seit 1979 in Deutschland und ist derzeit im Namen der orthodoxen Bischofskonferenz zuständig für die Flüchtlinge im Bundesgebiet. Bischof Boulos Yazigi kannte er gut. Dieser repräsentiere eine neue Generation von Bischöfen, sei fromm, bescheiden und könne sich sehr gut artikulieren, sagt Esber.

Auf dem Gebiet der Ökumene seien beide entführten Bischöfe besonders aktiv gewesen. Der einst friedliche Aufstand gegen Syriens Präsident Baschar al-Assad war 2013 zu einem Bürgerkrieg geworden. Es gab erste Berichte, wonach das Regime Giftgas gegen Rebellen einsetzte. Extremistische Fanatiker einer unter dem Kürzel ISIS agierenden Gruppe machten durch besondere Grausamkeit von sich reden.

Den selbst ernannten "Islamischen Staat" auf syrischem und irakischem Boden gab es noch nicht. Die beiden Bischöfe setzte sich unermüdlich für einen dauerhaften Waffenstillstand und Frieden ein. Bei einem Vortrag an der US-Universität Princeton sagte Bischof Ibrahim viereinhalb Monate vor seiner Entführung: "Ich verteidige nur eine Sache, das ist Syrien.

Aleppo als großes Gefängnis

Ein Syrien aller Syrer, Muslime und Christen." Aleppo beschrieb er als großes Gefängnis: "Es ist eine tote Stadt." In jener Zeit nahm auch die Zahl der Entführungen in Nordsyrien deutlich zu: Als einer der ersten wurde im November 2012 der US-Journalist James Foley verschleppt, der knapp zwei Jahre später von IS-Dschihadisten enthauptet wurde. Vor allem Christen gerieten verstärkt ins Visier radikaler Islamisten.

Die christliche Gemeinde in Syrien gehört zu den ältesten der Welt. Auf dem Weg nach Damaskus soll Saulus bekehrt worden sein, der fortan als Apostel Paulus die Lehren Jesu predigte. Vor 100 Jahren war etwa ein Drittel der Menschen in der Region christlichen Glaubens. 2011 - vor Beginn des Konflikts - waren es mit zwei Millionen Christen nur noch acht Prozent der Bevölkerung.

Geschrumpfte Gemeinde

Weil sie im Bürgerkrieg zunehmend bedroht wurde, schätzen christliche Verbände, dass die Gemeinde noch einmal um die Hälfte geschrumpft ist. In den Endzeitphantasien der IS-Extremisten spielt Syrien ebenfalls eine wichtige Rolle: So ist das englischsprachige Propaganda-Pamphlet der Terrormiliz nach einem Ort in der Nähe von Aleppo benannt: Dabiq.

Islamischen Überlieferungen zufolge wird dort die entscheidende Schlacht zwischen Muslimen und den "Römern" - also dem christlichen Westen - geschlagen. Am dritten Jahrestag der Entführung hoffen Kirchenvertreter weiterhin auf ein Lebenszeichen der verschollenen Bischöfe. "Was uns alle wundert", sagt Esber, "es gab niemals Forderungen. Nicht nach Geld, nicht nach anderen Dingen. Gar nichts."

Mey Dudin
(epd)

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