Georgetown Universität in Washington
Georgetown Universität in Washington
Politische Diskussionsrunde in der Universität
Politische Diskussionsrunde in der Universität

20.04.2016

Katholische US-Uni arbeitet düsteres Kapitel der Geschichte auf Gottesmänner als Sklavenhändler

Die katholische Georgetown Universität in Washington arbeitet ein düsteres Kapitel ihrer Geschichte auf. Die jesuitische Eliteschule sicherte einst ihr Überleben durch den Verkauf von 272 Sklaven.

Maxine Crump (69) hat sich ihr Leben lang mit der offenen Wunde des Rassismus beschäftigt. Die erste schwarze TV-Moderatorin von Baton Rouge im tiefen Süden der USA gründete nach ihrer Pensionierung die Organisation "Dialogue on Race", die sich die Aufklärung und Aufarbeitung von institutionellem Rassismus auf die Fahne geschrieben hat.

Sklaverei in der katholischen Georgetown Universität in Washington

Als sich Anfang Februar ein freundlicher Herr am Telefon meldete, bekam Crumps Einsatz aber plötzlich eine ganz persönliche Dimension. Bei dem Anrufer handelte es sich um Richard J. Cellini (52), einen katholischen Unternehmer aus Cambridge im Bundesstaat Massachusetts, der ihr Dinge über ihre Familie erzählte, von denen sie bis dahin nichts geahnt hatte. Dabei geht es um Sklaverei und um die weltberühmte katholische Georgetown Universität in Washington.

"Oh mein Gott", war Crumps erste emotional aufgewühlte Reaktion auf die Erkenntnisse Cellinis. Der hat es sich selbst zur Lebensaufgabe gemacht, die Verwicklungen seiner Universität in den Sklavenhandel aufzuarbeiten. Sein privat finanziertes "Georgetown Memory Project" hat seinen Ursprung im Verkauf von 272 Sklaven im Herbst 1838.

Verkauf von Sklaven für 3,3 Millionen Dollar

Dabei handelte es sich um Männer, Frauen und Kinder, die auf der Plantage der Jesuiten im Bundesstaat Maryland arbeiten mussten. Die Einnahmen aus der Landwirtschaft flossen in den Unterhalt der Universität. Als das plötzlich nicht mehr genügend Geld einbrachte, entschloss sich die Führung der Jesuiten, die Sklaven für 3,3 Millionen Dollar zu verkaufen.

Father Thomas F. Mulledy und Reverend William McSherry fädelten einen Deal mit dem Kongressabgeordneten Henry Johnson aus Louisiana und dem Plantagenbesitzer Jesse Batey ein. Die beiden Führer der Eliteschule versicherten ihrem Ordens-Oberen Jan Roothaan in Rom, dafür zu sorgen, dass die Sklaven bei den neuen Besitzern ihren katholischen Glauben weiter ausüben könnten und dass Familien nicht auseinandergerissen würden.

Unfassbare Dramen

Beides stellte sich bei einer späteren Inspektionsreise als falsch heraus. Tatsächlich spielten sich im Herbst 1838 unfassbare Dramen ab, als die Jesuiten die verängstigten Menschen auf das Sklavenschiff "Katharine Jackson" bringen ließen. Niemand blieb verschont. Auch nicht Cornelius Hawkins, ein 13-jähriger Junge, dessen Körpergröße in alten Papieren mit fünf Fuß angegeben wird.

Cellinis Forschern gelang es bei Ihren Recherchen, das weitere Schicksal des als "Neely" bekannten Sklaven zu rekonstruieren. Er landete nach mehreren Zwischenstationen für einen Verkaufspreis von 900 US-Dollar auf einer Baumwollplantage von Maringouin in Louisiana.

Und hier schließt sich der Kreis zu TV-Moderatorin Crump, die genau aus diesem Ort stammt. Bei Cellinis Anruf erfuhr sie erstmals, dass sie mit Cornelius verwandt war. Und plötzlich verstand sie auch, warum so viele in ihrer Familie "Neely" hießen; etwa ein Großonkel und ein Cousin. Crump war überrascht - und tief empört: über den skrupellosen Sklavenhandel der Gottesmänner, die mit dem Profit das Überleben der katholischen Elite-Uni gesichert hatten.

Studentenproteste fordern Aufklärung

Diese Empörung wird geteilt von Studenten der Hochschule, die unter dem Twitter-hashtag #GU272 die lückenlose Aufarbeitung des düsteren Kapitels verlangen. Sit-Ins und Proteste führten bereits im November zur Entfernung der Namen Mulldrys und McSherrys von Gebäuden der Universität. Zudem entstand unter der Leitung des Historikers Adam Rothman eine Arbeitsgruppe, die sich parallel zu Cellini um weitere Aufklärung bemüht. "Die Universität selbst verdankt ihre Existenz dieser Geschichte", räumt Rothman ohne Umschweife ein. Die offene Frage bleibt aber, was heute geschehen kann, um zumindest ein wenig Wiedergutmachung zu leisten.

Neelys Ur-Ur-Ur-Enkelin Crump hält wenig von institutionellen Entschuldigungen. Ihr schwebt eher ein Stipendien-Programm für Nachfahren der Sklaven vor, das ihnen den kostenlosen Besuch der Universität ermöglicht. Und noch einen eher symbolischen Wunsch hat die 69-Jährige: ein Denkmal auf dem Campus, das Cornelius und den 271 anderen Georgetown-Sklaven einen Namen und eine Geschichte gibt.

Thomas Spang
(KNA)

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