Wie Spaniens Kathedralen ihre Besucher empfangen

Glaubenspraxis mit Hindernissen

Eintrittsgelder in Kathedralen sind in Spanien eher die Regel als die Ausnahme. Wer einfach nur zum Gebet oder zur Messe hinein will, gerät mancherorts in Erklärungsnot.

Kathedrale von Toledo / © Ismael Herrero (dpa)
Kathedrale von Toledo / © Ismael Herrero ( dpa )

Wer sonntags zum Gottesdienst in die Kathedrale von Toledo will, sollte sich auf einen rauen Empfang gefasst machen. Am Hauptportal versperren zwei bedrohlich dreinblickende Wärter den Weg und fragen die Besucher nach dem "Wohin". Wer wie ein Tourist aussieht und dennoch "zur Messe" antwortet, wird oft nur widerwillig durchgelassen. Im Innern begegnet man einem weiteren Wärter, der sich nähert und mit einem "Hier!" eine freie Kirchenbank zuweist. Freie Platzwahl gibt es nicht. Eine Kurzbesichtigung der Kathedrale 15 Minuten vor Beginn der Messe ist ebenfalls untersagt. "Herumlaufen geht nicht, auch danach nicht", sagt ein vierter Wärter in strengem Tonfall.

Hohe Eintrittspreise

Ganz anders werden hingegen diejenigen behandelt, die zahlen. Wer anderntags in Toledos Kathedrale die Eintrittspreise zwischen 8,00 und 13,00 Euro entrichtet, darf das Gotteshaus ausgiebig inspizieren.

Wer jedoch sonntagvormittags zum Nulltarif kommt, um an einer Messfeier teilzunehmen, gerät schnell unter Verdacht, sich kostenlos hineinmogeln zu wollen.

Die Preisgestaltung in Spaniens Kathedralen ist unterschiedlich. In Santiago de Compostela, dem Zielpunkt des legendären Jakobsweges, ist der Basiseintritt kostenlos. Das gilt für Teile des Inneren inklusive Abstieg in die Krypta zum Jakobusgrab und Aufstieg in den Hochaltar zur Jakobusskulptur. Die Jakobspilger, die zuweilen Wochen oder Monate unterwegs gewesen sind, sollen am Ende ihrer Reise nicht auch noch zur Kasse gebeten werden.

Allerdings gibt es auch in Santiago kostenpflichtige Angebote. Eine Führung über die Dachbereiche der Kathedrale kostet 12,00 Euro, ein Einblick in die archäologischen Ausgrabungen in der Tiefe 10,00 Euro. Telefonische Vorbestellungen von Eintrittstickets sind nur über eine gebührenpflichtige Nummer möglich. Seit einigen Jahren ist im Innenraum zudem der Zugang zum Glorienportal gesperrt und kostet Eintritt; bis auf weiteres wird das romanische Meisterwerk des Meisters Mateo aber restauriert. Bei Buchungen des berühmten Weihrauchfasses Botafumeiro fällt ein fester "Spendensatz" an die Erzdiözese Santiago de Compostela an: 300,00 Euro. Dies wird für Landausflüge von Kreuzfahrttouristen gerne arrangiert.

Günstigere Gotteshausbesuche

In die Kathedrale im baskischen Bilbao ist der Eintritt jederzeit kostenlos, in die Kathedrale von Madrid moderat: 1,00 Euro als freiwillige Spende. Ebenfalls 1,00 Euro, dieser aber verpflichtend, fällt beim Eintritt in die Kathedrale von Alcala de Henares an.

Tiefer in die Tasche muss man am Jakobsweg greifen: 7,00 Euro für die Kathedrale von Burgos, 6,00 Euro für die Kathedrale von Leon und 2,00 Euro zusätzlich für den Kreuzgang, 5,00 Euro für die Kathedrale von Pamplona inklusive Kreuzgang und Museum.

Im Vergleich zu Toledo ist man in Pamplona eher großzügig: Montags bis samstags ist der Eintritt in die Kathedrale bis zehn Uhr morgens frei, sonntags sowieso. Dann kontrolliert auch niemand, ob die Besucher wirklich an den Messen teilnehmen.

Freiwillige Kirchensteuer

Die Erhebung von Eintrittsgeldern in den spanischen Kathedralen hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass es in Spanien kein Kirchensteuersystem wie in Deutschland gibt. Bei der jährlichen Steuererklärung haben die Steuerpflichtigen die freie Wahl, ob ein Steuerbeitrag in Höhe von 0,7 Prozent der katholischen Kirche oder anderen sozialen Zwecken zufließen soll. Jeder Dritte kreuzt die Kirche an. Für kirchliche Monumente gibt es darüber hinaus Subventionen von öffentlicher Hand.


Quelle:
KNA