Erzbischof Schick in einem Kindergarten in Damaskus
Erzbischof Schick in einem Kindergarten in Damaskus
Erzbischof Schick an einer Panzerbarrikade mitten in Damaskus
Erzbischof Schick an einer Panzerbarrikade mitten in Damaskus

30.03.2016

Erzbischof Schick bereist Nahen Osten Warnung vor christenfreier Zone

Nach einem Solidaritätsbesuch fordert Erzbischof Ludwig Schick mehr Solidarität mit den Christen in Syrien und in der gesamten Region. In Syrien erlebte Schick neben den verheerenden Folgen des andauernden Krieges auch Zeichen der Hoffnung.

Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), hat heute einen Besuch im syrischen Damaskus beendet. Anlass der Reise war ein Zeichen der Solidarität an die Christen in Syrien. Erzbischof Schick war über das libanesische Beirut bereits am Montag nach Syrien gereist. Der aus Sicherheitsgründen streng vertraulich vorbereitete Besuch fand seinen Höhepunkt gestern Abend in der Feier der Eucharistie im Griechisch-Katholischen Patriarchat von Damaskus mit Patriarch Gregorius III. Lahm, dem Oberhaupt der Griechisch-Katholischen Kirche.

Erzbischof Schick zeigte sich beeindruckt vom Engagement der katholischen Kirche in Syrien: "Hier wird eine Arbeit geleistet, die ihresgleichen sucht. Bei meinen Gesprächen gerade mit jungen Syrerinnen und Syrern habe ich gespürt, dass diese Generation die künftige Zivilgesellschaft mit aufbauen will. Besonders die Priester und Ordensleute bleiben bewusst im Land. Gerade die Priester haben eine hohe Akzeptanz in der Gesellschaft. Mein Appell ist: Der Nahe Osten darf nicht zur christenfreien Zone werden!"

Schlachtfeld ausländischer Mächte

Der Krieg in Syrien war zentrales Thema der Begegnungen von Erzbischof Schick mit Patriarch Gregorius und anderen katholischen, orthodoxen und altorientalischen Bischöfen. Die Bischöfe waren sich einig in der Forderung nach einer entschlossenen Fortsetzung der internationalen Bemühungen um eine Friedenslösung für Syrien. Sie unterstrichen zugleich die Notwendigkeit, die Terrormilizen des "Islamischen Staats" zurückzudrängen. Patriarch Gregorius betonte, dass Syrien zum Schlachtfeld ausländischer Mächte geworden sei, während Erzbischof Schick auf das Erfordernis innerer Reformen hinwies, ohne die ein gedeihliches Zusammenleben der verschiedenen Bevölkerungsgruppen nicht gelingen könne.

Im Gespräch mit dem Apostolischen Nuntius in Damaskus, Erzbischof Mario Zenari, ging es vor allem um die politische Situation in Syrien. Sorge bereitet die Zahl jener Christen, die das Land in den letzten Jahren verlassen haben. Nuntius Zenari betonte die besondere Verwundbarkeit der Minderheiten. Es dürfe jedoch nicht übersehen werden, dass Christen in Syrien über eine bessere gesellschaftliche Stellung und ein höheres Maß an religiöser Freiheit verfügten als in den meisten anderen islamisch geprägten Ländern. Mit den Worten "Das Leiden ist universal" plädierte Erzbischof Zenari für eine umfassende Hilfe, ungeachtet religiöser oder ethnischer Zugehörigkeiten. Die humanitäre Situation müsse dringend verbessert werden.

"Nächstenliebe wird in Damaskus konkret gelebt"

Beim Besuch der Caritas Syrien informierte sich Erzbischof Schick aus erster Hand über die anliegenden Aufgaben. Neben Lebensmittelhilfe und ärztlicher Versorgung kümmert sich die Caritas auch um Familien und Jugendliche. "Junge Ärztinnen haben mir berichtet, wie viele Patienten sie täglich haben. Die Arzneimittelversorgung ist nach wie vor ein großes Problem. Aber mit Engagement geben diese Menschen ein Zeugnis von der Liebe Christi. Nächstenliebe wird in Damaskus konkret gelebt", so Erzbischof Schick. Caritas international aus Deutschland unterstützt die Arbeit der Caritas in Syrien derzeit mit rund 2,5 Millionen Euro.

Das Oberhaupt der Griechisch-Katholischen Kirche, Patriarch Gregorius III. Laham, dankte Erzbischof Schick für die Unterstützung der deutschen Kirche in Syrien: "Ohne den Einsatz vieler Bistümer, der Deutschen Bischofskonferenz und der Caritas könnten wir kaum überleben. Ich danke Deutschland, dass Ihr für uns betet und helft", so der Patriarch. Im Gespräch wurde insbesondere die seelsorgliche Betreuung der griechisch-katholischen Christen in Deutschland erörtert.

Zeichen der Hoffnung

Erzbischof Schick zog ein positives Resümee des 32-stündigen Aufenthaltes in Syrien: "Ich habe an verschiedenen Ecken die Schrecken des Krieges gesehen, aber ich habe auch ein Damaskus erlebt, dass als Großstadt funktioniert. Die vielen Polizeiposten sind das eine, die gefüllten Straßen mit Menschen, die leben wollen, das andere. Ich durfte in Damaskus starke Persönlichkeiten erleben, die Verantwortung übernehmen wollen. Die Christen arbeiten über Religionsgrenzen hinweg mit allen zusammen, die den Krieg beenden und ein neues Syrien aufbauen möchten. Bei diesem Prozess sind die Christen unverzichtbar", so Erzbischof Schick. Er wertete es als starkes politisches Zeichen für die Internationale Gemeinschaft, dass der Heilige Stuhl zu keinem Zeitpunkt seine diplomatische Vertretung geschlossen hätte. Der Erzbischof erinnerte daran, die Fluchtursachen zu bekämpfen, das sei ihm bei seinem Besuch in Syrien noch einmal deutlich geworden. Dazu diene vor allem die schulische Ausbildung, in der sich die Kirche engagiere. Papst Johannes Paul II. habe einmal gesagt, dass Syrien die "Wiege der Zivilisation" sei: "Hier liegt eines der Ursprungsländer des Christentums, daran müssen wir immer neu erinnern. Bei diesem kurzen Aufenthalt hat für mich Solidarität eine neue Bedeutung bekommen", so Erzbischof Schick.

Erzbischof Schick reist heute Mittag von Beirut nach Jordanien. In Amman wird er mit christlichen Flüchtlingen aus Syrien und dem Irak zusammentreffen. Begegnungen mit der örtlichen Caritas stehen ebenso auf dem Programm wie ein Gespräch im Haschemitischen Königshaus. Bis Freitag wird sich Erzbischof Schick in Amman aufhalten.

(DBK)

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