EWTN-Gründerin Mutter Angelica
EWTN-Gründerin Mutter Angelica

28.03.2016

EWTN-Gründerin Mutter Angelica verstorben Die Stimme des evangelikalen Katholizismus in den USA

Kaum eine Frau hat den Katholizismus in den USA so geprägt wie Mutter Angelica. Die Gründerin des Medienimperiums EWTN zog Millionen in ihren Bann. Am Ostersonntag ist sie im Alter von 92 Jahren verstorben.

Es begann in einer Garage mit gerade einmal 200 US-Dollar Startkapital. Deutlich größer war hingegen die spirituelle Investition der Gründerin des Klosters "Our Lady of the Angels" in ihr ehrgeiziges Projekt. Inspiriert von dem Erfolg evangelikaler TV-Prediger wie Pat Robertsons und Jerry Falwell wollte Mutter Angelica ein katholisches Äquivalent schaffen.

Garage als Fernsehstudio

Wie diese erkannte die Ordensfrau früh die Chancen der Evangelisierung via Satellit und Kabelfernsehen. Nachdem sie über Jahre Programme für CBS und andere Sender produziert hatte, baute sie eine Garage ihres Klosters vor den Toren Birminghams im US-Bundesstaat Alabama zu einem Fernsehstudio aus. Sie sicherte sich Sendefrequenzen auf einem Satelliten und ging am 15. August 1981 mit dem "Eternal Word Television Network" (EWTN) auf Sendung.

Von außen betrachtet war der stark baptistisch geprägte Südstaat ein eher ungewöhnlicher Ort für einen katholischen Sender. Doch für die rührige Ordensfrau machte der Standort Sinn. Nach der Genesung von einem Unfall, der sie fast gelähmt zurückgelassen hatte, versprach sie zur Ehre Gottes ein Kloster im protestantischen Süden der USA aufzubauen. Der damalige Erzbischof von Mobile, Thomas Joseph Toolen, erlaubte der Klarrissin die Gründung und weihte "Our Lady of the Angels Monastery" am 20. Mai 1962 ein.

Stimme des "evangelikalen Katholizismus"

Der Südstaat erwies sich als prädestinierter Ort für die Fernsehmission der Ordensfrau, die der Publizist George Weigel einmal als Stimme des "evangelikalen Katholizismus" bezeichnete. In kaum einer anderen Region der USA findet sich so viel christliches Sendungsbewusstsein wie in Alabama.

"Sie hat die Wahrheit und die Liebe und das Leben so schön aus dem Evangelium herausgearbeitet, dass sie damit nicht nur gläubige Katholiken, sondern viele tausende Nicht-Katholiken erreichte", würdigte der Bischof von Birmingham, Robert Baker, Mutter Angelica's Lebenswerk in einem von EWTN zu ihrem 90. Geburtstag produzierten Porträt.

Vor ihrem Schlaganfall im Jahr 2001 hatte die Ordensfrau eine treue Gefolgschaft, die sich regelmäßig bei der Sendung "Mother Angelica Live" einschaltete. Die Zuschauer wandten sich mit Fragen direkt an die Ordensschwester, und diese antwortete mit Schlagfertigkeit, Biss und Humor. Ihre größten Fans fanden sich unter konservativen Katholiken und Traditionalisten, die an Mutter Angelica schätzten, dass sie sich nicht dem Zeitgeist beugte. Demonstrativ entschied ihre Klostergemeinschaft am Weltjugendtag von Denver im Jahr 1993 zum vollen Habit zurückzukehren.

Zwist mit der Kirchenleitung

Mehr als einmal legte sich die forsche Ordensschwester mit der Kirchenleitung an. Unvergessen bleibt die Fehde mit dem damaligen Kardinal von Los Angeles Roger M. Mahony. Diese entzündete sich 1997 an einem Pastoralschreiben des Kardinals über die Revitalisierung der Messe. Die Ordensfrau warf dem reformorientierten Mahony vor, von der Lehre der Kirche abzuweichen. Dieser verlangte eine öffentliche Entschuldigung, die Mutter Angelica für weitere Kritik nutzte.

Ihre Mit-Schwestern erinnern sich an eine furchtlose Frau, die im Ordensalltag Lebensfreude ausstrahlte. "Jeder wollte in ihrer Nähe sein", sagt Schwester Mary Agnes, die mit ihr in Irondale lebte. "Sie war fröhlich, aber auch heilig".

Papst Benedikt XVI. verlieh ihr 2009 die hohe kirchliche Auszeichnung "Pro Ecclesia et Pontifice". Zu diesem Zeitpunkt war EWTN schon zum größten katholischen Medien-Imperium herangewachsen. Zu dem Portfolio gehören heute der konservative Pressedienst "Catholic News Agency" (CNA), das Magazin "National Catholic Register" sowie der mit CNA verbundene lateinamerikanischen Dienst Aciprensa. Hinzu kommen ein Radiosender und diverse Internetdienste.

Mehrsprachige Ausstahlung in 140 Ländern - Kooperation mit domradio.de

Der zum großen Teil aus Spenden finanzierte Fernsehsender EWTN erreicht mit seinen Programmen in englischer, spanischer, deutscher und französischer Sprache mehr als 200 Millionen Haushalte in 140 Ländern. EWTN strahlt auch von domradio.de übertragene Gottesdienste aus dem Kölner Dom aus. Ohne das unbedingte Gottvertrauen Mutter Angelica's gäbe es all dies heute vermutlich nicht. Sie baute das Medienimperium mit der gleichen Entschlossenheit auf, mit der sie, als Rita Rizzo am 20. April 1923 in Canton (Ohio) zur Welt gekommen, ihr Leben nach der Heilung von einer Essstörung im Jahr 1944 der Verherrlichung Gottes verschrieb.

Am Ostersonntag verstarb Mutter Angelica im Alter von 92 Jahren. Philadelphias Erzbischof Charles Caput würdigte sie mit den Worten, sie habe "etwas geschafft, das die Bischöfe der Nation selber nicht leisten konnten."

Thomas Spang
(KNA)

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