Palmsonntagsprozession in Jerusalem
Palmsonntagsprozession in Jerusalem
Die Dormitio-Abtei auf dem Jerusalemer Zionsberg
Die Dormitio-Abtei auf dem Jerusalemer Zionsberg
Pater Nikodemus Schnabel
Pater Nikodemus Schnabel

22.03.2016

Pater Nikodemus zur Karwoche im Heiligen Land "Wir sind dafür bekannt, Zeichen zu setzen"

Zu den Feiern der Heiligen Woche pilgern Tausende zu den heiligen Stätten in Jerusalem. Für Benediktinerpater Nikodemus Schnabel aus der Jerusalemer Dormitio-Abtei eine besonders intensive Zeit. Ein domradio.de-Interview.

domradio.de: Der Tourismus-Magnet Jerusalem ist gerade in der vorösterlichen Zeit ja normalerweise völlig überlaufen. Dieses Jahr hören wir von leicht rückgängigen Zahlen, stimmt das?

Pater Nikodemus Schnabel: Ich würde sagen, es sind sogar massiv rückgängige Zahlen. Ein Lackmustest war die große Palmsonntagsprozession, an der ich auch teilgenommen habe. Eigentlich kommen circa 30.000 Menschen - das war auch die Zahl vom letzten Jahr - dieses Jahr waren es nur 15.000; also nur halb so viele. Das ist schon ein Signal.

Aber man muss fairerweise auch sagen: Dieses Jahr knubbelt es sich nicht wie letztes Jahr, denn wir feiern jetzt nur das westliche Ostern. Die Orthodoxen feiern erst in fünf Wochen Ostern - also die weiteste Entfernung, die es gibt. Die warten nochmal einen kompletten Mondzyklus ab und auch das jüdische Passah-Fest, das dann vom 23. bis 30. April ist. Also auch die jüdischen Pilger kommen erst Ende April. Das heißt, jetzt sind nur die westlichen Christen im Land. So gesehen ist auch wirklich nicht so viel los.

domradio.de: Von ihrer Dormitio-Abtei haben wir dieses Jahr schon unschöne Dinge berichten müssen. Da gab es christenfeindliche Sprüche auf Mauern und Türen. Sind das Erfahrungen, die sich in irgendeiner Form auf das auswirken, was Sie in der Kar- und Osterzeit bei Ihnen feiern?

Schnabel: Es gehört dazu, wenn man hier im Heiligen Land Christ ist und zu dieser Zwei-Prozent-Minderheit gehört, dass man vieles erleben darf. Natürlich erleben wir diese Anfeindungen, wir hatten auch die Brandanschläge, warten immer noch auf den Wiederaufbau des Klosters Tabgha.

Aber es gibt auch sehr gute Erfahrungen: Wir hatten noch nie so viele jüdische Freunde, noch nie so viele einheimische Freunde. Es ist einfach eine sehr, sehr intensive Zeit. Wir tragen diese Leiderfahrung im Gebet vor Gott aber auch das Schöne. Wir sind einfach in einer Woche, wo alles intensiver ist.

domradio.de: Bei Ihnen müsste ja eigentlich der Gründonnerstag der Tag sein, an dem richtig Hochbetrieb herrscht auf dem Berg Zion. Denn da ist ja auch der Saal des letzten Abendmahls.

Schnabel: Das stimmt, Gründonnerstag sind wir tatsächlich gut überlaufen. Es gibt Menschen, die am liebsten immer dort feiern, wo es war; sprich: Gründonnerstag bei uns, Karfreitag und Ostern in der Grabeskirche. Wir haben die Spezialität, wenn wir am Abend feiern, dass wir traditionell zwölf Menschen die Füße waschen und das sehr ökumenisch. Das heißt, es wird ein Kopte kommen, ein Syrer, ein Äthiopier, ein Armenier, Evangelische. Wir sind dafür bekannt, Zeichen zu setzen. Selbst, wenn wir noch nicht gemeinsam zum Tisch des Herrn gehen können, können wir uns immerhin die Füße waschen. Viele wollen das miterleben. Es gibt sehr, sehr treue Pilger, die jedes Jahr kommen, um mit uns diese Zeit zu feiern. 

domradio.de: Sind Sie selbst denn so eingespannt, dass Sie den Berg während der Karwoche gar nicht verlassen oder gibt es auch Momente, wo Sie sich den Strömen der Pilger und Touristen anschließen und anderswo in der Stadt unterwegs sind. 

Schnabel: Ich bin tatsächlich gut eingespannt, gerade als Zeremoniar. Ich bin für unsere Liturgie verantwortlich, dass heißt, ich bin in der Regel bei uns. Aber es gibt einen Punkt, den lassen wir uns alle nicht entgehen und das ist die berühmte Grablegungszeremonie am Karfreitagabend. Die Zeremonie ist nicht so bekannt, denn oft sind die Fernsehbilder eher von der Karfreitagsprozession auf der Via Dolorosa, wo Schauspielergruppen mit viel Kunstblut hantieren.

Aber die einheimischen Christen und die Ordensleute haben einen Punkt, an dem man sich gemeinsam trifft und sich 'Frohe Ostern' wünscht. Das ist der Karfreitagabend, wo in einer schauspielerischen Prozession erst die Passion gelesen wird, dann Jesus vom Kreuz abgenommen wird - als bewegliche Figur, aus der man die Nägel rausziehen kann, der man die Dornenkrone abnehmen kann. Danach wird dieser Körper gesalbt und beerdigt.

Die Grabeskirche ist dann wirklich proppenvoll, es kommen die Dominikaner, die Jesuiten, die Franziskaner, die Kapuziner, wir Benediktiner. Wir sind ja alle eingespannt in unseren Gemeinden und Klöstern. Und das ist der Punkt, an dem wir uns alle treffen. Da freue ich mich drauf.

Das Interview führte Daniel Hauser.  

(dr)

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