Mädchen beim Sport in Afghanistan
Mädchen beim Sport in Afghanistan
Nia Künzer
Nia Künzer

08.03.2016

Internationaler Frauentag: Wie Sport stark macht Dribbelnd zu Selbstwertgefühl

Dass Fußball Mädchen den Rücken stärken kann, weiß Nia Künzer. Als Nationalspielerin holte sie den Weltmeistertitel für Deutschland, als Pädagogin verhilft sie jungen Frauen in Namibia und Afghanistan über Bewegungsprojekte zu mehr Eigenständigkeit.

Es war ein Moment am Rande eines Besuchs in einer afghanischen Schule. Ex-Fußballweltmeisterin Nia Künzer schnappte sich einen Ball und dribbelte auf dem Schulhof, ein paar Mädchen schlossen sich an. "Es war bewegend", erzählt Künzer.

Fehlende Gleichberechtigung in Afghanistan

"Mädchen, die sonst zurückhaltend und ängstlich sind, trauten sich was, gingen aus sich heraus. Es ist einfach faszinierend, was Sport bewirken kann." In Afghanistan, wo Mädchen und Frauen auch nach dem Sturz der Taliban noch weit von Gleichberechtigung entfernt sind, ist Stärkung durch Sport ein Ansatz für mehr Mitsprache in der Gesellschaft.

In anderen Ländern kommen Schwerpunkte wie Gewaltprävention oder gesundheitliche Aufklärung hinzu. "Fragen zum Schutz vor einer HIV-Ansteckung zum Beispiel können gut in Übungen verpackt werden", berichtet Künzer, die Deutschland 2003 mit einem Golden Goal zum Weltmeistertitel verhalf. Im Projekt "Galz and Goals" in Namibia, in dem sie sich seit langem engagiert, werden die Mädchen auf dem Fußballfeld in einer Übung etwa gefragt, ob HIV beim Küssen übertragen werden kann oder ob Kondome schützen können. Beim Dribbeln müssen sie sich für Antworten entscheiden - rechts am Hindernis vorbei bedeutet nein, links steht für ja.

Sport als Beitrag zu Entwicklungszielen

Durch seine gesellschaftspolitische Wirkung könne Sport einen großen Beitrag zu Entwicklungszielen leisten, erklärt das Entwicklungsministerium in Berlin. Gesundheitsförderung und Vorbeugen gegen Gewalt zählen ebenso dazu wie Umweltbewusstsein oder eben Gleichstellung der Geschlechter. "Sport steht für Werte wie Respekt vor dem Gegner, Akzeptanz von Regeln, Teamwork und Fairness."

Eine ganze Reihe der jungen Frauen übernähmen Vorbildfunktion und machten ihren Weg, betont Künzer, die selbst in Botsuana geboren wurde und über ihre in der Entwicklungshilfe tätigen Eltern eine besondere Beziehung zum südlichen Afrika aufgebaut hat. Für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) war die Diplom-Pädagogin auch in Afghanistan als Beraterin unterwegs. "Für Jungs gibt es die Gelegenheit, auf der Straße mal Fußball zu spielen, bei Mädchen ist das anders", sagt sie. "Wir wollen ihnen Raum geben, ihnen zeigen: Es gibt Möglichkeiten, auch in eurem beschränkten Bewegungsraum."

Sportverbot für Frauen aufgehoben

Seit dem Rückzug der Taliban ist nach Angaben von GIZ-Experten zwar das Sportverbot für Frauen aufgehoben. Nach wie vor dominiere aber die traditionelle Sichtweise, nach der Frauen aus dem öffentlichen Leben sowie von sportlicher Aktivität ausgeschlossen seien. "Für die jungen Frauen in Afghanistan ist unser Angebot auch ein Schritt zu mehr Selbstständigkeit", sagt Morteza Emami, Mitarbeiter der bundeseigenen Entwicklungsorganisation in dem asiatischen Land. Zielgruppe sind Schülerinnen, denen über Sport und Bewegung persönliche und gesellschaftliche Kompetenzen vermittelt werden. "Wir sehen, wie die Mädchen sich weiterentwickeln, Selbstwertgefühl entwickeln, Teamgeist aufbauen und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen."

"Sie kommen gestärkt aus dem Sport heraus", ist auch die Erfahrung von Klaus Stärk, der für den Deutschen Fußballbund als Auslandstrainer in Afghanistan im Einsatz war. "Die Mädchen wachsen in der Gemeinschaft und im Austausch und lernen, sich selbst zu organisieren." Die jungen Frauen bewiesen schon großen Mut, überhaupt zum Fußball zu kommen, sagt Stärk. Team und Umfeld unterstützten sie dann, sich nicht unterkriegen zu lassen. "Wir sind stolz auf die Mädchen, die mit hoch erhobenem Kopf ihren Weg gehen."

Neues Selbstwertgefühl

In Zahlen fassen lassen sich die Erfolge nicht. "Aber ich sehe einfach, was das mit Mädchen und jungen Frauen machen kann", sagt Nia Künzer. "Wie viele Mädchen wir etwa in Namibia aus Townships erreicht haben, die sonst nur zu Hause arbeiten müssten." Das neue Selbstwertgefühl der jungen Frauen strahle in die Familien und die Gesellschaft aus. Einmal sei der Vater eines Mädchens aus der Volksgruppe der Herero, in der Frauen noch eine besonders traditionelle Rolle zukomme, bei einem Turnier erschienen. "Der ganze Platz war still, weil keiner glauben wollte, dass ein Herero-Mann seiner Tochter so viel Freiheit lässt und noch so dahintersteht."

Silvia Vogt
(epd)

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