05.03.2016

Kardinal Pell sagt Missbrauchsopfern Unterstützung zu "Heute hätte ich mehr getan"

Kurienkardinal George Pell will australische Missbrauchsopfer beim Aufbau eines Forschungszentrums zur Prävention sexueller Übergriffe in der katholischen Kirche unterstützen. Das sagte Pell der italienischen Zeitung "La Stampa".

Er habe seine Unterstützung am Donnerstag bei einem Treffen mit australischen Missbrauchsopfern in Rom zugesichert, sagte Pell in dem Interview vom Samstag. Wenige Tage zuvor war der Präfekt des vatikanischen Wirtschaftssekretariats von einer australischen Untersuchungskommission wegen des Vorwurfs der Vertuschung von sexuellem Missbrauch durch Geistliche vernommen worden. Der Australier Pell ist einer der einflussreichsten Kardinäle im Vatikan.

Pell hatte in der Vernehmung "enorme Fehler" der katholischen Kirche im Umgang mit Missbrauchsfällen eingeräumt, jedoch eine persönliche Schuld verneint. Stattdessen belastete er ehemalige Vorgesetzte und Mitarbeiter. Mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand durfte der 74-jährige Kardinal seine Aussage per Videoschaltung aus Rom machen.

Zeitung: Kritik aus dem Vatikan

Missbrauchsopfer werfen Pell vor, sexuelle Übergriffe vertuscht und Täter gedeckt zu haben. Die italienische Tageszeitung "La Repubblica" berichtete unterdessen am Samstag von angeblichem Unmut im Vatikan über Pells Auftreten in den Vernehmungen. Das Blatt zitierte darin namentlich nicht genannte Stimmen aus dem Vatikan, die Pell den Rücktritt nahelegen. Er sei nicht mehr zu verteidigen.

Im Mittelpunkt der Befragung Pells durch die australische Untersuchungskommission standen die Vertuschung von Missbrauchsfällen im Bistum Ballarat in den 1970er- und 1980er-Jahren, wo Pell als Priester und bischöflicher Vikar für das Schulwesen tätig war. Die australische Missbrauchskommission war 2013 von der damaligen Premierministerin Julia Gillard eingesetzt worden, um den Umgang von Kirchen, Religionsgemeinschaften und weltlichen Institutionen mit Missbrauchsfällen zu untersuchen. Der Abschlussbericht wird für Dezember 2017 erwartet.

Pell betonte in dem Interview vom Samstag zugleich, dass er aus heutiger Sicht zu wenig getan habe, um dem Verdacht auf sexuellen Missbrauch nachzugehen. "Heute hätte ich mehr getan", so Pell. Der australische Kardinal sagte weiter, dass er Papst Franziskus über die Vernehmungen durch die Untersuchungskommission stets auf dem Laufenden gehalten habe. Er habe ihm und dem Staatssekretariat jeden Tag ein Zusammenfassung der Vernehmungen geschickt.

(KNA)

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