Kardinal Pell belastet früheren Bischof in Missbrauchsskandal

Über Versetzung getäuscht worden

Kurienkardinal George Pell hat in einem Missbrauchsskandal seinen früheren Vorgesetzten belastet. Der damalige Bischof seines Heimatbistums Ballarat habe ihn über die wahren Gründe für die Versetzung eines übergriffigen Priesters getäuscht.

Kardinal George Pell / © Jane Dempster (dpa)
Kardinal George Pell / © Jane Dempster ( dpa )

Das sagte Pell am Dienstag in einer Video-Befragung durch die australischen Missbrauchskommission. Pell gehörte 1982 als Priester zu einem Beraterkreis des von Bischof Ronald Mulkearns geleiteten Bistums Ballarat zum Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs.

Pell nicht informiert gewesen

Drei von vier Mitgliedern der Gruppe seien über die Vorwürfe gegen den später wegen Missbrauchs verurteilten Priester Gerald Ridsdale informiert gewesen, nicht jedoch er selbst, sagte Pell. Als Grund für die häufigen Versetzungen Ridsdales habe der Bischof Vorwürfe sexueller Übergriffe nie erwähnt. Zu dem Einwand, Anschuldigungen gegen Ridsdale seien seit Mitte der 70er Jahre in Umlauf gewesen, sagte Pell: "Ich wusste nicht, ob das allgemein bekannt war oder nicht. Es ist eine traurige Geschichte, und sie hat mich nicht besonders interessiert."

Kardinal räumte "enorme Fehler" ein

Pell, inzwischen Leiter der zentralen Finanz- und Wirtschaftsbehörde im Vatikan, äußerte sich den zweiten Tag in Folge vor der Missbrauchskommission in Sydney. In der Nacht zu Montag hatte er "enorme Fehler" der Kirche eingeräumt und erklärt, er sei nicht angetreten, um "das Unhaltbare zu verteidigen". Mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand darf der 74-jährige Kardinal seine Aussage per Videoschaltung aus Rom machen.

Die australische Missbrauchskommission war 2013 von der damaligen Premierministerin Julia Gillard eingesetzt worden, um den Umgang von Kirchen, Religionsgemeinschaften und weltlichen Institutionen mit Missbrauchsfällen zu untersuchen. Der Abschlussbericht wird für Dezember 2017 erwartet.


Quelle:
KNA