Nigerias Armee kämpft gegen Boko Haram
Nigerias Armee kämpft gegen Boko Haram
Muhammadu Buhari
Nigerias Präsident Muhammadu Buhari

10.02.2016

Nigerianischer Bischof warnt vor Boko Haram-Attentaten Trügerische Erfolge im Anti-Terror-Kampf

Nigerias Präsident Buhari will im Kampf gegen Boko Haram gut dastehen - doch die Erfolge der Armee werden scharf kritisiert und die Angst vor den Terroristen bleibt. Derweil warnt der Bischof von Yola vor Überfällen auf Dörfer.

Seit Wochen bemüht sich Nigerias Regierung, im Kampf gegen die Terrorgruppe Boko Haram so gut es geht dazustehen. Staatspräsident Muhammadu Buhari - er hat gerade einen sechstägigen Kurzurlaub hinter sich - betonte schließlich erst im Januar, dass die Terrorgruppe "technisch besiegt" sei. Zuletzt sagte er der britischen Tageszeitung "Daily Telegraph", alle 14 Großgemeinden im Bundesstaat Borno, die einst von der Miliz besetzt waren, seien befreit.

Gespräche mit Boko Haram über entführte Schülerinnen von Chibok?

Darüber hinaus kündigte Buhari prinzipiell Gesprächsbereitschaft in der Sache der Mädchen von Chibok an. In dem Dorf im Nordosten des Riesenstaates Nigeria waren im April 2014 knapp 300 Schülerinnen entführt worden, von denen sich 219 weiter in Gefangenschaft von Boko Haram befinden. An diesen Aussagen muss sich der 73-jährige Präsident nun messen lassen. Doch das Ergebnis fällt durchwachsen aus. Dafür sorgte vor wenigen Tagen einer der Senatoren, Baba Kaka Garbai, der selbst aus Borno stammt und wie Buhari dem All Progressives Congress (APC) angehört.

Politiker sprechen von Erfolgen gegen Boko Haram

Die Provinz ist die Heimat von Boko Haram, in deren Hauptstadt Maiduguri sich die Gruppe 2002 gründete. Garbai erklärte, immer noch die Hälfte der Fläche sei von den Terroristen besetzt; lediglich drei Großgemeinden seien tatsächlich befreit. Seine Aussagen lösten einen Sturm der Entrüstung aus. So beeilte sich der Gouverneur von Borno, Kashim Shettima, zu betonen, dass der Kampf der Armee seit Monaten ein großer Erfolg sei. Dennoch glaubt auch die Leiterin des Zentrums für Demokratie und Entwicklung (CDD) in Abuja, Idayat Hassan, dass "längst noch nicht alle Regionen befreit" seien. "Es gibt Gegenden, die nicht geschützt sind und deshalb erneut erobert werden konnten. Mitglieder der Gruppe können kommen und gehen, wann und wie sie wollen."

Bischof von Yola warnt

Dass Boko Haram weiterhin eine große Gefahr darstellt, davon geht auch der katholische Bischof von Yola, Stephen Dami Mamza, aus. Im Bundesstaat Adamawa an der Grenze zu Kamerun seien zwar alle Gemeinden von der Armee zurückerobert. Die Region sei aber noch "sehr unsicher". Als besonders betroffen sieht er den Norden, der an den Sambisa-Wald grenzt, seit Jahren das Rückzugsgebiet von Boko Haram. "Dort halten sich Tausende Anhänger versteckt", so der Bischof.

Auch ohne große Anschläge mit vielen Todesopfern stellten diese eine große Gefahr dar, warnt er. "Geht ihnen das Essen aus, dann überfallen sie Dörfer und suchen nach Lebensmitteln und auch Waffen." Besonders betroffen sei der Ort Madagali. Sicherheit werde erst dann wieder herrschen, wenn sich kein einziger Anhänger mehr im Wald verstecke. Was für CDD-Leiterin Idayat Hassan, die die Miliz seit Jahren beobachtet, den Kampf außerdem schwierig macht, ist die sich wandelnde Taktik. Mittlerweile werde ein echter Terrorkampf geführt. Angegriffen würden gerade sogenannte weiche Ziele.

Boko Haram schlägt in Dörfern zu

Tatsächlich schlägt die Gruppe im Moment vor allem auf Märkten oder mitten in Dörfern zu. Sprengsätze werden beispielsweise in Getreidesäcken oder in Obst- und Gemüselieferungen versteckt. Solche Gefahr rechtzeitig zu entdecken, ist meist unmöglich. Ähnliches gilt für die Identifizierung mutmaßlicher Attentäter. Derzeit werden vor allem junge Mädchen und Frauen geschickt, die an Anschlagsorten nicht auffallen. Sie sind Geiseln der Gruppe. Zum Selbstmordattentat werden sie gezwungen, indem man ihnen droht, die ganze Familie zu töten, sollten sie sich weigern.

Idayat Hassan geht deshalb nicht von einem baldigen Ende der Miliz aus. Auch wenn es der Gruppe nicht mehr gelingt, große Anschläge wie noch vor einem oder vor zwei Jahren auszuführen, wird es sie weiter geben. Die Zahlen sprechen dafür: Allein auf nigerianischer Seite wurden seit Jahresbeginn bei mehreren Anschlägen mindestens 100 Menschen getötet. Und mehr als 2,1 Millionen Nigerianer sind weiter auf der Flucht vor der Terrorgruppe, so schätzt die Internationale Organisation für Migration (IOM). Diese Zahl ist seit Monaten gleichbleibend hoch.

Katrin Gänsler
(KNA)

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