Krankenstation in Südafrika
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31.01.2016

Experte für Annäherung der Entwicklungshilfe an die Religionen Ohne Kirche nicht denkbar

Sie sind näher an den Menschen als staatliche Stellen. Das behauptet Entwicklungsexperte Ulrich Nitschke von religiösen Organisationen und hofft daher auf gemeinsame Entwicklungshilfe.

Religion sollte nach Einschätzung des Entwicklungsexperten und Theologen Ulrich Nitschke eine größere Rolle in der Entwicklungshilfe spielen. "Religionsgemeinschaften haben einen erheblichen Einfluss auf die Gesellschaften, in denen wir arbeiten", sagte der Experte der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) dem Frankfurter Magazin "welt-sichten" in der Februarausgabe. Acht von zehn Menschen weltweit definierten sich über ihre Religionszugehörigkeit. "Als säkulare Organisation ignorieren wir diese Tatsachen."

Nitschke will das ändern. Er leitet die Abteilung "Werte, Religionen und Entwicklung" bei der GIZ. Von der Kooperation mit religiösen Organisationen erhofft sich der Theologe, "dass wir ganzheitlicher an Entwicklung herangehen". Sie seien näher an den Menschen als die staatlichen Stellen und vor allem in den ländlichen Regionen gut verankert, wo sie oft eine hohe Glaubwürdigkeit genössen. "Außerdem werden die meisten sozialen Dienste wie Krankenhäuser, Kindergärten und Schulen von religiösen Organisationen in unseren Partnerländern getragen."

Religon zur Versöhnung

Als Beispiel für den positiven Einfluss, den die Religion auf Entwicklungsarbeit haben kann, nannte Nitschke die Abschaffung der Apartheid in Südafrika: "Sie ist ohne die Kirche nicht denkbar. Präsident Pieter Botha konnte jegliche Opposition verbieten, die Kirche jedoch nicht." Das hätten Theologen erkannt und sich auf die Seite der armen und unterdrückten schwarzen Mehrheit gestellt. "Für mich war das die prägende Erfahrung, dass Religion zur Versöhnung, zur Befriedung und zum Aufbau einer neuen Gesellschaft beitragen kann."

Dass der Islam derzeit oftmals mit Terrorismus gleichgesetzt werde, erschwere seine Arbeit, erklärte Nitschke. "Auf der anderen Seite macht es den Bedarf deutlich - seit den Anschlägen von Paris haben wir so viele Anfragen nach Beratung und Orientierung wie noch nie."

(epd)

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