Mit Eisbädern gegen die Sünden
Mit Eisbädern gegen die Sünden

19.01.2016

Orthodoxe Russen begehen Dreikönigsbrauch Mit Eisbädern gegen die Sünden

Mit Eisbädern haben sich am orthodoxen Dreikönigstag hunderttausende Menschen symbolisch von ihren Sünden reingewaschen - und das selbst bei Lufttemperaturen von minus 40 Grad. 

Vielerorts wurden Löcher in die dicke Eisschicht gegraben, wie das Zivilschutzministerium berichtete. Nach russisch-orthodoxer Tradition waschen sich die Gläubigen von ihren Sünden rein, indem sie dreimal vollständig unter Wasser tauchen, das zuvor von Geistlichen gesegnet wurde.

In Moskau wurden dafür eigens Bottiche aufgestellt. Dort beteiligten sich nach Behördenangaben 133.000 Menschen an dem Ritual. Einer Umfrage des Levada-Zentrums zufolge wollte jeder zehnte Russe zum Eisbaden gehen. Die russisch-orthodoxe Kirche hält bis heute am Julianischen Kalender fest und feiert den Dreikönigstag am 19. Januar.

Erinnerung an Taufe Jesu

Landesweit wurden mehr als 3.500 Stellen meist an Seen und Flüssen zum Eisbaden freigegeben. Für gesunde Menschen sei Eisbaden ungefährlich, wenn es nicht länger als zwei Minuten dauere, so das Ministerium. Es warnte aber kranke oder alkoholisierte Menschen davor. Die Großstadt Chabarowsk an der Grenze zu China bietet laut russischen Medienberichten erstmals eine Alternative an: ein Schwimmbecken mit 28 Grad warmem Wasser

Mit dem Sprung ins Eiswasser erinnern die Gläubigen an die Taufe Jesu. Das gesegnete Wasser soll Seele und Geist läutern. Einzelne Priester sehen im heutigen Eisbaden allerdings eine Erscheinungsform des menschlichen Verlangens nach Extremen, das keine kirchliche Tradition habe. Zudem gehe es vielen nur um eine Mutprobe, denn sie besuchten nie eine Kirche.

(KNA)

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