Pater Nikodemus Schnabel
Pater Nikodemus Schnabel

29.10.2015

Pater Nikodemus Schnabel zur Situation der Christen im Nahen Osten "Die stillen, oft vergessenen Opfer"

Die Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern bereitet auch den Christen in der Region Sorge. Benediktinerpater Nikodemus Schnabel ruft deshalb Christen in aller Welt zu Unterstützung und Solidarität auf.

Trotz der Konflikte vor Ort sollten Christen aus aller Welt weiter nach Israel und Palästina fahren, sagte der Sprecher der deutschen Benediktiner in Jerusalem, Pater Nikodemus Schnabel im Interview mit der "Tagespost". "Man kann getrost ins Heilige Land fahren. Pilger sind kein Ziel", erklärte er. 

Israel achte auch darauf, dass man als Ausländer in die Konfliktgebiete etwa auf den Tempelberg oder in bestimmte Viertel Ost-Jerusalems gar nicht gehen könne. "Und die heiligen Stätten in Galiläa und am See Genezareth sind ohnehin unproblematisch. Insofern kann ich nur ermutigen, weiter ins Heilige Land zu fahren. Gerade die Christen hier leben davon."

Furcht vor Radikalismus

Die einheimischen Christen seien derzeit in großer Sorge und hätten Angst um ihre Zukunft, sagte Schnabel: "Sie fürchten sich vor dem Radikalismus extremer Teile des Judentums. Sie fragen sich aber auch, wie ihre muslimischen Mitbürger den radikalen Islam sehen. Der jetzige Konflikt wirkt sich auf sie dann natürlich durch einen Einbruch der Pilgerzahlen aus. Und sie können ja nichts dafür." Die Christen seien damit "die stillen, oft vergessenen Opfer", mahnte Schnabel. In Europa gebe es zu wenig Solidarität mit ihnen.

Die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Religionen sei derzeit nicht einfach, betonte Schnabel: "Christen und Juden, Christen und Muslime, das geht gut. Aber Juden und Muslime kommen eigentlich nur zusammen, wenn auch Christen dabei sind."

Vergleich mit Hooligans

Man könne nicht sagen, die aktuelle Gewalt in der Region habe nichts mit Religion zu tun, so Pater Nikodemus: "Meine These ist die: Es handelt sich um einen Hooliganismus der Religion. Es kann jeden treffen." 

Das sei ähnlich wie beim Fußball. Die echten Fans seien wegen des Fußballs da. Den Hooligans dagegen gehe es um Randale. "Ins Religiöse übersetzt ist es der Unterschied zwischen denen, die Gott noch suchen, und denen, die meinen, ihn gefunden zu haben und ihn benutzen."

Uno fordert Ende der Gewalt

Die Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern war in den vergangenen Wochen eskaliert. Die Uno forderte, die gegenseitigen tödlichen Attacken müssten sofort enden, um Schlimmeres zu verhindern. "Die Krise ist deshalb so extrem gefährlich, weil die Konfrontation unter anderem auf der Furcht voreinander basiert - einem höchst brisanten Gefühl", sagte UN-Hochkommissar Said Raad al-Hussein am Mittwoch auf einer Sondersitzung des Menschenrechtsrats in Genf.

Weder die Messerangriffe der Palästinenser auf Israelis noch die Schüsse der Israelis auf Palästinenser seien zu rechtfertigen, sagte al-Hussein. Die Gewalt müsse sofort enden und ein neuer Friedensprozess eingeleitet werden. Insgesamt seien in den vergangenen drei Wochen 58 Palästinenser getötet und 2100 verletzt worden. Auch elf Israelis starben.

Abbas: Mehr internationale Hilfe

Palästinserpräsident Mahmud Abbas forderte auf der Sondersitzung mehr Hilfe und Schutz der internationalen Gemeinschaft. Die Vereinten Nationen und insbesondere der UN-Sicherheitsrat müssten dringender denn je zuvor Regeln zum Schutz der Palästinenser aufstellen, meinte Abbas.

Abbas warb erneut für ein Ende der Besetzung durch Israel und eine Zwei-Staaten-Lösung. Sie allein könne Frieden bringen.

(dpa, KNA)

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