Bischof Franz-Josef Bode
Bischof Franz-Josef Bode

11.09.2015

Bischof Bode über seine Erwartungen an die Familiensynode in Rom "Verschiedene Positionen offen aussprechen"

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode nimmt Anfang Oktober an der Weltbischofssynode in Rom zum Thema Familie teil. Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur äußerte er sich über seine Erwartungen an dieses Treffen.

KNA: Bischof Bode, was erwarten Sie atmosphärisch von der Bischofssynode?

Bode: Es wird eine besondere Atmosphäre sein. Weil zur Vorbereitung im vergangenen Jahr bereits eine Synode stattfand. Und weil es erstmals Umfragen unter den Gläubigen zu den anstehenden Themen gegeben hat. Dadurch haben sich Meinungen und Richtungen herausgebildet. Deshalb wird diese Synode mit Spannung erwartet. Das gilt auch für mich selbst.

KNA: Ein großes Thema sollen die wiederverheirateten Geschiedenen sein. Sie selbst haben sich dafür ausgesprochen, Betroffene unter bestimmten Bedingungen wieder zum Kommunionempfang zuzulassen. Welche?

Bode: Die Ehe ist nach dem Willen Jesu unauflöslich. Mit einer sakramentalen Ehe ist etwas geschlossen, was sich niemals einfach auflöst. Durch die Schwäche der Menschen kann diese Lebensbeziehung dennoch zerbrechen und scheitern. Menschen können zu einer neuen Beziehung kommen, die reifer ist, aber sakramental nicht die gleiche Wertigkeit hat wie die erste. Die Frage ist, ob diese neue Wirklichkeit, die vielleicht besser dem Bund Gottes mit den Menschen entspricht als die erste, immer den Ausschluss von Beichte und Kommunion zur Folge haben muss. Wir sollten die Frage einbeziehen, welche Umstände zum Bruch der Ehe geführt haben. Bislang behandeln wir alle gleich, ob jemand Schuld trägt oder nicht. Zudem verbindet sich damit eine Frage nach dem Verständnis der Eucharistiefeier. Ist sie wirklich ausschließlich die Darstellung einer vollkommenen Einheit in Glaube und Kirche oder ist sie auch Hilfe für Lebenswege, die ihre Wunden haben? Und dass Menschen das nicht in der Beichte ausdrücken und Vergebung dafür erlangen können, finde ich fast noch schwieriger als die Frage nach der Kommunion.

KNA: Großes Thema wird auch der Umgang mit Homosexuellen und eine kirchliche Wertschätzung ihrer festen Partnerschaften sein. Zeichnet sich dafür eine Lösung ab?

Bode: Der Katechismus macht deutlich, dass wir diese Menschen nicht diskriminieren. Wie bei anderen, die vor der Ehe zusammenleben, geht es auch bei ihnen darum, ihre Stärken zu erkennen und nicht nur ihre Schwächen und Defizite. Eingetragene Lebenspartnerschaften sind aber nicht der Ehe gleichzusetzen. Ehe ist für uns die Beziehung von Mann und Frau, aus der auch Kinder hervorgehen können. Kirche kann den Lebenspartnerschaften in Gesprächen und in positiver Begleitung helfen und ihnen beistehen. Es wird jedoch nichts geben können, was einer Trauung gleichkommt. Aber mit Gebet und einer privaten Form von Segen wird man ihren Weg begleiten können.

KNA: Wo Treue und Verlässlichkeit gelebt werden, kann es eine Anerkennung von der Kirche geben?

Bode: Anerkennung dessen, was da gelebt wird. Ein Sakrament ist das nicht. Aber wenn ich grundsätzlich die Offenheit habe, nicht immer nur alles oder nichts einzufordern, dann gilt das auch für die Homosexualität. Wobei das natürlich auch abhängig ist von kulturellen und politischen Zusammenhängen. Schon die vergangene Synode hat die Unterschiede in der Weltkirche aufgezeigt. Vielleicht muss man da unterschiedliche Wege gehen.

KNA: Welche Chancen sehen Sie für einheitliche Lösungen in der katholischen Kirche weltweit?

Bode: Die Chance gibt es immer, weil wir gemeinsam an den einen Christus glauben, weil die Grundlage die Heiligen Schrift ist und weil wir eine Tradition der Kirche insgesamt haben. Das war ja immer der Vorteil der Kirche, dass sie über Grenzen hinweg, über die Kulturen hinaus eine Gemeinschaft bildet. In der grundgelegten Auffassung von Ehe und Familie herrscht doch Einmütigkeit. Bei den homosexuellen Lebensformen wird man eine größere Verschiedenheit in den Kulturen annehmen müssen.

KNA: Was wird sich in der Seelsorge nach der Synode ändern?

Bode: Eine Synode ist kein Konzil, das Beschlüsse verabschiedet, die dann pastoral umzusetzen sind. Die Synode gibt Empfehlungen an den Papst, der daraus ein richtungweisendes Schreiben verfasst. Darin kann er natürlich auch neue pastorale Schwerpunkte setzen. In unseren Empfehlungen können wir die Türen offenhalten für pastorale Lösungen vor Ort. Denkbar ist, den Priestern eigene Vollmachten zu geben, damit sie in der Pastoral verantwortbare Lösungen finden können etwa mit Blick auf die wiederverheirateten Geschiedenen. Es gibt ja bereits seit Jahren in den Diözesen Anregungen, wie die Seelsorger damit umgehen sollten. Ich wünsche mir, dass das in einer theologisch noch begründeteren Weise geschehen kann. Wir haben fast immer nur im Blick, was die Dogmatik der Pastoral sagt, aber selten, was die Pastoral der Dogmatik sagt. Dabei ist das doch ein Dialog, eine innerste Verbindung.

KNA: In Rom treffen konservative und reformorientierte Bischöfe zusammen. Wird hinter verschlossenen Türen wirklich kein Blatt vor den Mund genommen?

Bode: Ich hoffe auf ein Klima, in dem die verschiedenen Positionen offen ausgesprochen werden können. Und zwar nicht nur in den Drei-Minuten-Statements zu Beginn der Synode, sondern auch in Kleingruppen untereinander. Das muss auf wirklich sachliche Art geschehen. Elemente des Gebets, des Abwägens, des Rückzugs und der erneuten Zusammenkunft sind dazu wichtig. Vor allem braucht es Zeit. Ich weiß nicht, wie weit wir in drei Wochen kommen.

KNA: Wie wichtig ist die Teilnahme von Nicht-Klerikern?

Bode: Wir können ja nicht als Kleriker und Männer allein die Fragen von Familien besprechen. Es ist absolut notwendig, dass Ehepaare dabei sind. Daneben fließen aus den Umfragen sehr ehrliche Statements ein. Zudem haben die Bischöfe im Vorfeld mit Beratern und Eheleuten gesprochen, speziell auch mit Frauen.

KNA: Wie wichtig ist Ihnen als zölibatär lebender Mann die eigene Familie?

Bode: Ich habe vier ältere Schwestern. Alle vier haben geheiratet und zwei Kinder. Und die haben jetzt schon wieder acht Kinder. Als Onkel und Großonkel bekomme ich das ganz normale Familienleben gut mit. Leider sind zwei meiner Schwestern schon verstorben, so dass ich auch diese Situation der schweren Krankheit und Witwenschaft kenne. In meinem Bekanntenkreis habe ich Freunde, deren Ehen gescheitert sind und die gute Neuanfänge gemacht haben. Auch treffe ich mich regelmäßig mit den sechs Ehepaaren eines Familienkreises aus der Gemeinde, in der ich Pfarrer war. Ich bin sehr eingebunden in meine Familie.

Sabine Just und Johannes Schönwälder
(KNA)

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