Der Felsendom in Jerusalem ist der älteste Sakralbau des Islams
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Mitglieder des IS
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15.07.2015

"Kirche in Not" zu IS-Drohung gegen Christen Keine Panik in Jerusalem

Am 18. Juli endet eine Frist, die der "Islamische Staat“ den Christen in Jerusalem gestellt hat. Bis dahin sollen sie die Stadt verlassen. Oliver Maksan von "Kirche in Not“ spricht im domradio.de-Interview über christliche Reaktionen.

domradio.de: Was wissen Sie denn über diese islamistischen Morddrohungen gegen die christliche Minderheit im Land?

Oliver Maksan (Katholisches Hilfswerk Kirche in Not): Diese Flugblätter, die Sie genannt haben, die sind hier in Jerusalem Ende Juni verteilt worden. Christen haben die aufgefunden und dann vor allem über die sozialen Netzwerke sehr schnell verteilt. Die Forderung ist tatsächlich die, dass die Christen bis zum Ende des Ramadan Jerusalem verlassen haben müssen. Falls sie nicht zum Islam konvertieren, müssen sie dann mit dem Tode rechnen. Die kirchlichen Stellen hier im Heiligen Land registrieren das, die Christen im Heiligen Land nehmen das natürlich auch wahr und es gibt auch Ängste. Aber die Frage ist letztendlich, wie ernst man das nehmen muss. Es gibt da im Grunde mehrere Möglichkeiten. Die erste wäre, dass es tatsächlich ernst zu nehmen ist, dass es eine operative Gruppe gibt und man mit Anschlägen rechnen muss. Die andere ist, dass es nur Einzeltäter sind, die sich ein Flugblatt gebastelt haben und damit Angst und Schrecken verbreiten wollen und das dem nichts folgen wird. Und noch eine andere Möglichkeit, die in palästinensischen Medien diskutiert wird, ist die, dass möglicherweise der israelische Geheimdienst dahintersteckt, um in der palästinensischen Gemeinschaft Ost-Jerusalems eine Spaltung zu provozieren. Für keines dieser Szenarien gibt es eindeutige Beweise, aber alles wird momentan diskutiert.

domradio.de: Also auch Verschwörungstheorien sind dabei. Welche Rolle spielt denn der IS in den Palästinensergebieten in Israel überhaupt?

Maksan: Es gab seit dem Aufstieg des IS im vergangenen Jahr, also mit der Einnahme Mossuls und der Ausrufung des Kalifat, natürlich auch hier in Israel und Palästina verstärktes Interesse an der Gruppe und es gab auch dutzende versuche israelischer Araber muslimischen Glaubens, sich der Gruppe in Syrien anzuschließen. Es wurden im Januar auch einige arabische Israelis festgenommen, die hier eine operative Gruppe grünen wollten. Das heißt, im radikalen islamistischen Spektrum Israels und Palästinas gibt es tatsächlich so etwas wie Sympathie und einige wollen auch über die Sympathie hinaus Taten folgen lassen wollen und sich der Gruppe anschließen wollen. Es gibt also wenigstens eine abstrakte Bedrohung.

domradio.de: Was wissen Sie denn darüber, wie bedrohte Christen bisher darauf reagiert haben. Erwägen auch einige, Jerusalem zu verlassen?

Maksan: Nein, das glaube ich nicht. Es ist zwar über die sozialen Netzwerke präsent, es wird in der christlichen Gemeinschaft darüber gesprochen, die katholischen und orthodoxen Bischöfe haben es auch wiederholt zum Thema gemacht. Aber niemand erwägt es, weil wir uns hier in Israel befinden bzw. im israelisch kontrollierten Ost-Jerusalem und Möglichkeiten, die der IS in Mossul hat, die hat er hier natürlich nicht. Er könnte seine Drohung gar nicht effektiv durchsetzen, die Christen hier zu vertreiben. Wir wissen ja nicht, wer genau dahintersteckt. Also von einer Panik würde ich jetzt nicht sprechen.

domradio.de: In letzter Zeit hat es auch immer wieder Übergriffe radikaler Juden auf Christen gegeben. Jüngstes Beispiel ist der Brandanschlag auf die Benediktiner in Tabgha. Und jetzt diese Drohung von muslimischer Seite. Ist das Klima für die Christen im Heiligen Land rauer geworden in der letzten Zeit?

Maksan: Das kann man sicher sagen. Die Lage der Christen hier im Heiligen Land ist natürlich je nach Region zu unterscheiden; die ist in Israel anders als im Westjordanland, anders als in Ost-Jerusalem, anders als ind Gaza. Aber natürlich nimmt man wahr, was in der Region passiert. Das Schicksal der Christen im Nachbarland Syrien, das nimmt man wahr. Es bestehen auch teilweise verwandtschaftliche Beziehungen. Der IS hat sich jetzt auch auf der Sinai-Halbinsel, direkt an der Grenze zu Israel, eingerichtet. Und es gibt es eine wachsende Sympathie unter Muslimen, die zu Radikalismus neigen. Und das andere, was Sie genannt haben, dieser jüdische Extremismus, das ist kein neues Phänomen. Den gibt es schon seit einigen Jahren. Immer wieder werden sowohl christliche als auch islamische Einrichtungen wie Moscheen und Friedhöfe zum Ziel  von vandalistischen Übergriffen, wahrscheinlich von radikalen Siedlerkräften aus dem Westjordanland. Also in gewisser Weise ist man schon zwischen Hammer und Amboss, wenn sie so wollen. Man ist eine Minderheit in der Minderheit und steht einer starken radikalen Bewegung im israelischen Judentum gegenüber. Insofern ist die Lage keine gemütliche.

Das Interview führte Hilde Regeniter

(dr)

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