Pater Michael Perry, Generalminister der Franziskaner-Observanten
Pater Michael Perry, Generalminister der Franziskaner-Observanten

21.05.2015

Die Franziskaner wählen erneut Michael Perry an die Spitze Hoffnungsträger mit Krisenerfahrung

Nach der Wahl von Papst Franziskus waren die Franziskaner in aller Munde. Doch der Orden kämpft mit Problemen. Dem US-Amerikaner Perry wird vom Generalkapitel zugetraut, sie zu lösen.

Der Franziskanerorden sucht den Weg aus dem Tal - und setzt dabei auf Kontinuität an der Spitze. Mit großer Mehrheit wählten die Oberen des in Assisi tagenden Generalkapitels den bisherigen Generalminister Michael Anthony Perry erneut in das Amt. Der 60-jährige US-Amerikaner steht vor immensen Herausforderungen. Ausgerechnet im Pontifikat eines Franziskus erschütterte Ende 2014 ein Finanzskandal den Orden; in einem Schreiben an die Provinziale musste Perry bekanntgeben, die Generalkurie, das Leitungsgremium des Ordens, stehe vor einem großen Schuldenberg und sei praktisch pleite. Dazu kommen Dauerprobleme wie die Überalterung des Ordens und fehlender Nachwuchs in den westlichen Ländern.

Perry war 2013 bereits übergangsweise gekürt worden

Der US-Amerikaner war bereits im Mai 2013 außerordentlich gekürt worden, nachdem Papst Franziskus den Vorgänger Jose Rodriguez Carballo zum Präfekten der Ordenskongregation ernannt hatte. Krisenstärke und Welterfahrung brachte Perry mit ins Amt. Zehn Jahre seines Lebens hat der irischstämmige Ordensmann mit den dichten grauen Haaren und dem kernigen Gesicht als Missionar in der Demokratischen Republik Kongo verbracht, unter den Bedingungen von Krieg und Bürgerkrieg.

1954 in Indianapolis geboren, studierte Perry Theologie und trat 1977 in den Franziskanerorden ein. Ein Jahr später legte er seine Gelübde ab und wurde 1984 zum Priester geweiht. Nach seiner afrikanischen Zeit arbeitete er als entwicklungspolitischer Sprecher der US-Bischofskonferenz, koordinierte deren Hilfen für arme Länder. Schließlich berief ihn der Orden in die Zentrale nach Rom, wo er 2009 zum franziskanischen Generalvikar aufstieg.

"Auf die Tradition besinnen"

Bei Eröffnung des Generalkapitels am 10. Mai rief Perry die rund 150 Oberen auf, sich auf die große Tradition ihres Ordens zu besinnen, den der heilige Franz von Assisi Anfang des 13. Jahrhunderts gründete. Krisen gebe es, aber auch Grund zum Optimismus. Weltweit tragen rund 13.600 Brüder die braune Kutte der Franziskaner. Damit sind sie der drittgrößte Männerorden der katholischen Kirche nach Jesuiten und Salesianern. Doch Ende der 1960er Jahre zählte die Gemeinschaft noch doppelt so viele Angehörige. Im Westen müssen sie sich heute neben ihrer karitativen Arbeit für Schwache und Notleidende um immer mehr ältere Mitbrüder kümmern. Nur wenige junge Männer stoßen hinzu, Ordensprovinzen müssen zusammengelegt werden.

Es könne aber nicht Hauptsorge sein, möglichst viele in die Orden zu holen; vielmehr müssten Ordensleute auf die Probleme der Menschen antworten, sagte Perry einmal. Im Übrigen wachse die Gemeinschaft in Asien und Afrika teilweise kräftig. Besonders in Vietnam und in Indien sei die Nachfrage groß, so Perry. Doch für immer mehr Brüder bleibt der Orden nicht mehr lebenslange Heimat, viele treten wieder aus. Das Generalkapitel, das sich einen ganzen Monat, bis 7. Juni, der Lageanalyse widmet, plädierte deshalb in der vergangenen Woche für eine bessere spirituelle und lebenspraktische Betreuung der Mitglieder. Laut einer Umfrage wünschen sich viele von ihnen eine Verbesserung des brüderlichen Miteinanders.

Finanzielle Sorgen des Ordens

Bleibt noch das liebe Geld: Offenbar wurden Millionen Euro in ein ordenseigenes Hotel in Rom fehlinvestiert, wie im Dezember bekannt wurde. Der Schatzmeister trat zurück. Über die Hintergründe, auch die juristischen, drang bisher nicht viel an die Öffentlichkeit, doch finanziell stehen die Franziskaner offenbar am Abgrund. Die Leitungsebene habe von der Entwicklung nichts gewusst, teilte Perry mit. Jetzt hat er zunächst sechs Jahre Zeit, die Probleme zu lösen. Dann tritt das nächste Generalkapitel zusammen.

An der nötigen Gelassenheit fehlt es dem dynamischen Ordensmann vermutlich nicht: "Ich glaube an Wunder - die Auferstehung ist schließlich ein Kernmotiv unseres Glaubens", sagte er vergangenes Jahr im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur. "Gott hat seine eigenen Pläne für diese Welt."
 

(KNA)

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