Ordensschwester Hatune Dogan mit ihren Schützlingen
Ordensschwester Hatune Dogan mit ihren Schützlingen
Ordensschwester Hatune Dogan
Ordensschwester Hatune Dogan

25.03.2015

Ordensschwester Hatune betreut missbrauchte Mädchen im Irak "Ich konnte sie nicht im Stich lassen"

63 Mädchen hat die Schwester-Hatune-Stiftung im Nahen Osten bisher aus der Gefangenschaft von Islamisten befreien können. Im Interview spricht Gründerin Hatune über ihre mitunter lebensgefährliche Arbeit und ihren Auftrag.

epd: Schwester Hatune, Sie haben selbst eine Flüchtlingsgeschichte hinter sich. Als 14-Jährige sind Sie mit Ihrer christlichen Familie aus dem Südosten der Türkei geflohen. Ihr Bauernhof wurde mehrmals angegriffen. Hat Sie das zu ihrem Engagement für Bedürftige und Flüchtlinge befähigt?

Hatune Dogan: Nachdem ich die Freiheit in Deutschland genießen konnte, wollte ich nicht einfach ruhig hier sitzen bleiben und hören, dass Mädchen im Nahen Osten vergewaltigt und entführt werden. Ich konnte sie nicht im Stich lassen. Ich versuche meine ganze Kraft dazu zu verwenden, für gerade diese missbrauchten Mädchen da zu sein oder sie freizukaufen aus den Händen der Kidnapper. Das gelingt immer wieder mit unserer Schwester-Hatune-Stiftung. Ich weiß, dass es ein großes Risiko und manchmal sogar lebensgefährlich ist, in die Krisengebiete des Nahen Ostens zu gehen. Aber die Mädchen können nicht zu mir nach Deutschland kommen, deshalb muss ich zu ihnen gehen. Sie brauchen unsere Hilfe. Ich habe mein Leben Matthäus 25,40 gewidmet: "Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan."

epd: Sie reisen immer wieder in den Nahen Osten. Ihre Verwandten sagen, Sie führten ein "wildes Leben". Was haben Sie dort erlebt?

Dogan: Wir haben Decken, Nahrung, Medizin verteilt und bis spät in die Nacht gearbeitet. Ich habe auch wieder traumatisierte Mädchen betreut, die aus den Händen der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) befreit wurden. Diese Mädchen durften an meiner Schulter weinen. Das ist meine hauptsächliche Arbeit. Ich bin Gott sei Dank Seelsorgerin, Theologin und Psychologin. Ich verstehe sie, weil ich diese Erfahrungen auch gemacht habe. Ich bin selbst zwischen meinem sechsten und vierzehnten Lebensjahr vier Mal einer Vergewaltigung entkommen. Ich spreche die Sprachen des Nahen Ostens, bin in dieser Gegend aufgewachsen. Die Kultur, die Unterdrückung, das alles ist für mich nicht fremd. Ich bin selber eine Frau. Die Mädchen sollen die Chance haben, sich aussprechen zu können, denn ich kann sie nicht heilen. Ich kann aber ihre Tränen trocknen, sie umarmen und für sie da sein.

epd: Für Ihre Familie war es nicht einfach, Ihre Entscheidung für ein Leben im Kloster zu akzeptieren. Zweifeln Sie manchmal an Ihren Entschlüssen?

Dogan: Das Leben im Orden ist nicht so einfach. Manchmal muss man an fremde Orte gehen, einfach gehorchen und annehmen, was auf einen zukommt. Man muss sich auch von einigen Gedanken dieser Welt trennen, keine Kinder haben, keinen Mann haben. Aber wenn die Entscheidung gefallen ist, ist nichts leichter, als diesen Weg zu gehen. Eine Mutter zu sein ist sicher hundertmal schwerer, als eine Ordensschwester. Bevor mein Vater gestorben ist, sagte er zu mir: "Hatune, ich bin stolz auf dich, weißt du warum? Du hast zwar keine eigenen Kinder, aber du hast sechs Millionen Kinder, um die du dich kümmerst." Ich bin mit 17 Jahren ins Kloster gegangen. Ich bin jetzt seit 27 Jahren im Orden und bin die glücklichste Frau der Welt, dass ich diesen Weg gewählt habe.

epd: Die Kinder erzählen Ihnen teilweise grausame Geschichten von Mord und Misshandlungen. Wie verarbeiten Sie das? 

Dogan: Die Antwort darauf ist nicht so einfach. Ich bin sehr stark in meinem Glauben verwurzelt, habe Theologie studiert. Durch mein Psychologiestudium weiß ich, wie ich mit belastenden Situationen umgehen kann. In der Bibel gibt es ja auch viele Geschichten des Leidens. Man muss einfach nur weitermachen. Ich habe oft geweint, aber dann habe ich mich immer wieder aufgerafft und gesagt: "Hatune, was nutzt es dir, wenn du weinst? Du musst was tun!" Deshalb heißt mein Buch auch "Ich glaube an die Tat". Blabla sagen kann jeder.

epd: Wie sieht Ihr persönliches Verhältnis zum Islam aus?

Dogan: Ich akzeptiere Muslime als Mitmenschen, wir sind alle Kreaturen Gottes - Menschen. Ich habe persönlich keine Probleme mit Muslimen. In unserer Stiftung gibt es zum Beispiel eine Familie aus Dubai, die uns unterstützt. Aber ich habe so viele schlechte Erfahrungen gemacht, meine Vorfahren in der Türkei haben als Christen so viele Grausamkeiten erlebt und wurden verfolgt, einige ermordet.

Ich habe überhaupt kein Vertrauen mehr zum Islam. Wer sagt, dass der IS nichts mit dem Islam zu tun hat, belügt sich selbst. Ich liebe die Menschen, aber ich hasse die Gesetze, die den Menschen verletzen.

Das Interview führte Nora Frerichmann.

(epd)

Weltjugendtag in Panama

Panama

"Loss mer singe för doheim"

Die große Loss mer singe Radioparty am 25. Januar ab 18 Uhr nur im DOMRADIO!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wort des Bischofs - Das Buch

Alle Impulse aus den Jahren 2017/18 jetzt auch als Buch!

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Mit Willibert in die Heilige Stadt

Im November 2019 ist es soweit: Erkunden Sie das ehrwürdige Rom auf dieser Pilgereise mit dem Rom-Kenner Willibert Pauels, Karnevalsfreunden und DOMRADIO.DE Besuchern auch bekannt als "ne Bergische Jung"!

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 18.01.
06:00 - 06:30 Uhr

DOMRADIO Morgenimpuls

06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

  • Kölner Katholiken feiern Friedensgottesdienst im Dom
  • "Überwältigend!" - Gastfreundschaft bei Tage der Begegnung begeistert
  • Mehr Öko! - "Wir haben es satt"-Demo am Samstag in Berlin
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Gebetswoche für die Einheit der Christen beginnt
  • Katholischer Deutscher Frauenbund (KDFB) zu 100 Jahre Frauenwahlrecht
  • Care for Integration: Geflüchtete werden Altenpflegehelfer
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Gebetswoche für die Einheit der Christen beginnt
  • Katholischer Deutscher Frauenbund (KDFB) zu 100 Jahre Frauenwahlrecht
  • Care for Integration: Geflüchtete werden Altenpflegehelfer
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • 100 Jahre Bauhaus: Diakonissen-Mutterhaus Elbingerode ist einziges Bauhaus Kloster in Deutschland
  • Grüne Woche in Berlin: Gepa zu Armutsbekämpfung
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • 100 Jahre Bauhaus: Diakonissen-Mutterhaus Elbingerode ist einziges Bauhaus Kloster in Deutschland
  • Grüne Woche in Berlin: Gepa zu Armutsbekämpfung
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Empfangsanleitung zum Ausdrucken

Weihbischof Schwaderlapp beantwortet Glaubensfragen

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff

Gemeinsam für das Mehr im Menschen

Berufungspastoral im Erzbistum Köln: Dein Platz in Kirche und Welt.

Das ganze Leben

Hilfsangebote der Kirche im Erzbistum Köln.