Flüchtlinge in Syrien
Flüchtlinge in Syrien

19.03.2015

Frank Kraus von missio zum Bürgerkrieg in Syrien "Gespräche mit Assad sind einzige Chance"

Nach rund vier Jahren Bürgerkrieg in Syrien hält Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier Gespräche mit dem Regime von Präsident Baschar al-Assad für denkbar. Frank Kraus vom katholischen Hilfswerk missio stimmt im Interview mit domradio.de zu.

Mindestens 220.000 Menschen sind laut UNO ums Leben gekommen, seit der Bürgerkrieg in Syrien vor vier Jahren begonnen hat. Mehr als zehn Millionen Syrer sind auf der Flucht. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat sich jetzt für Gespräche mit dem syrischen Machthaber Assad ausgesprochen. Er sagte der "Süddeutschen Zeitung: "Der Weg zu einem Ende der Gewalt führt einzig über Verhandlungen für eine politische Lösung, auch wenn das Gespräche mit dem Assad-Regime notwendig macht." Vorher hatte schon US-Außenminister John Kerry am Sonntag gesagt, mit Assad müsse über ein Ende des Bürgerkriegs verhandelt werden. Die US-Regierung hat direkte Gespräche einen Tag später aber dann doch ausgeschlossen.

domradio.de: Herr Kraus, halten Sie Gespräche für die richtige Idee, geht es wirklich nur mit Assad?

Frank Kraus (Leiter der Auslandsabteilung des Katholischen Hilfswerks missio): Im Moment geht es tatsächlich nur mit Assad, wenn man nicht selber Truppen reinschicken möchte.

domradio.de:  Aber kann man wirklich ernsthaft mit jemandem Gespräche aufnehmen, der immer wieder und auch ganz aktuell schwere Menschenrechtsverletzungen begeht und begangen hat?

Frank Kraus (missio): Also eigentlich müsste Assad weg. Assad sollte schon längst nicht mehr an der Macht sein. Allerdings ist er bei den derzeitigen Machtverhältnissen in Syrien der einzige, mit dem man überhaupt zur Zeit reden kann. Die Oppositionsgruppen, die nicht dem Islamischen Staat nahestehen, sind im Moment zu schwach. Und wenn man Hilfe erreichen sind für die Menschen, die noch in Syrien sind, kommt man an Assad nicht vorbei. Denn mit dem IS wird man nicht reden können, selbst wenn man wollte.

domradio.de: In einer Erklärung des Auswärtigen Amtes heißt es aktuell, es gehe nur durch massiv erhöhten Druck auf Assad, gekoppelt mit dem Angebot von ernsthaften Verhandlungen. Wie kann dieser Druck denn aussehen?

Frank Kraus (missio): Die Bevölkerung in den Teilen Syriens, die Assad noch kontrolliert, leidet genauso unter den Folgen des Krieges wie auch die anderen Regionen. Sie erleben vielleicht nicht den islamistischen Terror aber sie erleben den Terror des Assad-Geheimdienstes. Insofern, um seine Machtposition zu stärken glaube ich schon, dass man Assad mit ein wenig Zuckerbrot und stärkeren Kontrollen - dass er nicht die Zivilbevölkerung bombardiert, Giftgas sowieso nicht einsetzt - dazu bewegen müsste, ein Gesprächsangebot anzunehmen.

domradio.de: Also das heißt, sie sehen in diesem Vorstoß Steinmeiers schon einen Hoffnungsschimmer?

Frank Kraus (missio): Ich sehe so in mittelfristiger bis kurzfristiger Zeit – für die nächsten zwei oder drei Jahre – die einzige Chance, der Bevölkerung flächendeckend helfen zu können. Es ist aber keine Dauerlösung, wenn man es nicht schafft, Assad gleichzeitig dazu zu bewegen, mittelfristig abzudanken und echte Demokratie einzuführen.

(dr)

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