Alltag in einem Flüchtlingslager in Erbil
Alltag in einem Flüchtlingslager in Erbil

10.02.2015

Kirche in Not über die Flüchtlingshilfe im Irak Hoffnungslosigkeit unter Vertriebenen

Viele Flüchtlinge im Nordirak haben die Hoffnung auf eine Rückkehr in ihre Heimatorte verloren. Dort regiert die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Karin Maria Fenbert von Kirche-in-Not über die Lage der Flüchtlinge.

domradio.de: Sie waren gerade erst vor Ort, wie ist die Situation der Menschen in Kirkuk?

Karin Maria Fenbert (Geschäftsführerin von Kirche in Not): Im Vergleich zu 2012, als ich mich das letzte Mal dort aufgehalten habe, wirkte die Stadt sogar ruhiger und ungefährlicher. Das mag eine Stimmung sein, weil weniger Soldaten herumliefen. Die Unterbringung der Flüchtlinge, die ich zu sehen bekommen habe, war eigentlich gar nicht so übel. In Erbil habe ich da durchaus schlimmeres wahrgenommen. Allerdings muss Erbil auch sehr viel mehr christliche Flüchtlinge verkraften als Kirkuk.

domradio.de: Die Kirche vor Ort soll vereinzelt entführte Menschen freigekauft haben, um sie aus den Fängen von der Terrormiliz Islamischer Staat zu befreien. Wie hat das funktioniert?

Fenbert: Der Erzbischof von Kirkuk berichtete uns, dass auf dem Markt von Mossul Christen und Jesiden verkauft werden, vornehmlich Frauen und Kinder. Die Kirche hat keinen direkten Draht zum IS, es gibt aber Muslime, die teilweise bereit sind, so etwas zu melden bzw. da Abkommen zu schaffen. Diese Muslime, vermutlich handelt es sich um gemäßigte Sunniten, riskieren dabei selber ums Leben zu kommen, wenn sie Christen helfen. Es ist kompliziert in der Abwicklung, es gibt keine direkte Verbindung zwischen Mossul und Kirkuk, so dass meistens auch ein größerer Umweg in Kauf genommen werden muss, um die Leute aus dem Einflussgebiet des IS zu bringen und das ist teuer. Alles ist im IS-Gebiet wohl sehr teuer geworden.

domradio.de: Wie gefährlich ist die Situation dabei für den Erzbischof persönlich?

Fenbert: Der IS steht nach seinen Angaben maximal zwölf Kilometer von den Stadtgrenzen von Kirkuk entfernt. Er hält dennoch die Stadt Kirkuk nicht für so sehr gefährdet. Er sagt, Erdöl gibt es auch anderswo, nicht nur in Kirkuk. Er glaubt, dass er dort möglicherweise eine christliche Siedlung aufbauen kann. Von anderen Quellen habe ich gehört, dass man deswegen Kirkuk zum Beispiel für nicht so gefährdet hält oder auch Erbil, weil dort eben die Bevölkerung nicht mehrheitlich sunnitisch ist, sondern kurdisch oder schiitisch.

domradio.de: Gibt es denn auch Anzeichen vor Ort, dass die Lage besser wird?

Fenbert: Das Problem besteht natürlich für die Flüchtlinge. Sie sind jetzt besser untergebracht als das noch im Sommer der Fall war, wenn auch nicht zu beneiden, aber das Problem ist natürlich, manche Flüchtlinge hatten noch im Oktober als ich das letzte Mal da war gehofft, dass sie in ihre Ortschaften zurückkehren könnten und die wissen natürlich mittlerweile auch, dass sie das für eine ganze Weile vergessen können und vielleicht auch nie mehr zurückkehren können und dadurch macht sich natürlich Hoffnungslosigkeit breit. Deswegen ist es ganz wichtig, dass man die Leute dazu anhält, Eigeninitiative zu ergreifen und nicht völlig in Passivität zu verfallen, so sehr man das auch verstehen kann. Natürlich hat die Situation auch dazu geführt, dass einige Familien mittlerweile ausgewandert sind.

Das Interview führte Matthias Peter.

(dr)

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