Gespaltenes Land: Ägypten
Gespaltenes Land: Ägypten

08.08.2013

Ägypten kommt nicht zur Ruhe Internationale Vermittlungen gescheitert

Die internationalen Vermittlungsbemühungen sind von der Übergangsregierung offiziell für gescheitert erklärt worden. Die Zeichen stehen auf Bürgerkrieg. Im domradio.de-Interview dazu Anba Damian, koptischer Bischof in Deutschland.

domradio.de: Was bekommen Sie denn von den Unruhen momentan mit?

Bischof Anba Damian: Ich bekomme sehr viel zu hören. Die Angriffe auf die Kopten vor allem in Minya sind sehr schrecklich. Die Unruhe im gesamten Land ist sehr besorgniserregend und wir hoffen, dass irgendwann Ägypten zum friedlichen Zustand kommt und dass es zur Ruhe kommt und dass die Menschen anfangen ihr tägliches Brot in Frieden und in Ruhe zu verdienen. Im Augenblick ist die Lage alles andere als erfreulich.

domradio.de: Die internationalen Vermittlungsbemühungen gelten offiziell als gescheitert. Wie kann denn Ägypten jetzt geholfen werden?

Bischof Anba Damian: Durch das Gebet und durch Geduld. Aber auch vernünftige Gespräche. Und ich bin der festen Überzeugung, dass man die Menschen an einem Runden Tisch aller Parteien holen muss. Und es muss ganz klar sein: Die Ideologie, Regierung oder Zerstörung kann niemals im Leben Erfolg haben, also die Anforderungen der Muslimbrüder und Salafisten mit Gewalt an die Macht zu kommen, um weiterhin zu regieren. Sonst zerstören sie das Land. Das wird abgelehnt von Christen als auch von Muslimen. Das ist keine Basis für eine Zusammenarbeit und ein Vertrauen. Ein ganzes Jahr lang haben die Muslimbrüder die Macht Ägyptens in der Hand. Dabei ist das Land beinahe pleite gegangen. Und jetzt braucht man viele Jahre, um das Land wieder aufbauen zu können. Die Zeit ist vorbei. Das Volk ist wachsam geworden. Christen und Muslime lassen sich nicht unter islamischen Parolen in die Irre führen. Das ist ein wachsames und sehr intelligentes Volk.  

domradio.de: Die Übergangsregierung hat Kritik an den internationalen Vermittlern geübt, dass sie sich zu sehr einmischen. Sollten die zwei entgegengesetzten Lager den Konflikt alleine lösen? 

Bischof Anba Damian: Wenn ich höre, dass sich unsere ehrenvolle Bundesregierung für die Freilassung Mursis einsetzt, dann bin ich entsetzt und in Schock versetzt. Das kann nicht wahr sein, dass man die friedlichen Proteste von 35 Millionen, die auf die Straßen gingen, völlig ignoriert. Und noch mal genauso viele Menschen sitzen zu Hause, die nicht in der Lage sind auf die Straßen runter zu gehen. Da kann sich die Bundesregierung nicht trotzdem für die Freilassung eines Verbrechers einsetzt. Das kann nicht wahr sein. Sie müssen endlich mal die Wünsche und ehrenvollen Ziele des breiten Volkes Ägyptens respektieren und unterstützen und nicht die Gewalt und nicht die barbarische Zerstörung des Landes. 

domradio.de: Internationale Vermittler sind ja nun nicht die Deutschen alleine. Was erwarten Sie denn von der internationalen Ebene?

Bischof Anba Damian: Wir hoffen eine Begleitung, eine neutrale Begleitung, eine wohlwollende Begleitung zum Wohle der Menschen. Ägypten braucht im Augenblick Unterstützung in vielen Hinsichten. Wir brauchen eine intensive medizinische Betreuung für die Opfer. Wir brauchen Notfallwagen. Wir brauchen qualifizierte Ärzte. Wir brauchen auch juristischen Rat. Wir brauchen Wegweisung. Wir brauchen die vernünftigen islamischen Verbände, die im Ausland sind, damit Ägypten zur Vernunft gelenkt wird und dass die Extremisten im Heimatland einigermaßen unter Kontrolle gehalten werden können und ein bisschen gebremst werden können. Und man muss nach Möglichkeiten Ägypten jetzt begleiten; auch nicht im Stich lassen, damit das Land zu Kräften kommt, denn die Investoren sind weit entfernt und die wirtschaftliche Lage des Landes ist jetzt sehr miserabel.

domradio.de: Heute endet der Ramadan. Muss da mit besonderen Protesten gerechnet werden?

Bischof Anba Damian: Eigentlich sollen sich die Menschen an so einem Festtag freuen. Müssen sich an Gott wenden, dass er ihre Gebete und das Fasten annimmt und dass das ein Fest der Versöhnung sein soll und dass man versucht den anderen Freude zu bereiten und zu stiften und Abstand von Gewalt zu nehmen. Denn schon als kleinere Kinder haben wir im islamischen Religionsunterricht gelernt: Fasten heißt Verzicht. Fasten heißt Abstand nehmen von Luxus. Fasten heißt Unterstützung der Armen. Und das ist die goldene Chance Sadaqa, also Spenden an die Armen zu geben, ihre Lebensqualität zu verbessern, die Hände auszustrecken, um die Versöhnung zu verlangen. Ich glaube, dass kann man an so einem Fest denken und Abstand von Gewalt nehmen und nicht jeder Aggression und Gewalt eine islamische Anfärbung geben oder unter dem Deckmantel der Religion vieles erlauben.

(DR)

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