Hafsat Liman verlor ihren Mann in Jos
Hafsat Liman verlor ihren Mann in Jos

03.07.2013

Nigerias Regierung lässt Terror-Opfer leer ausgehen Kaum Chancen auf Entschädigung

Sie haben oft alles verloren, die Opfer von religiöser und ethnischer Gewalt in Nigeria. Bei Anschlägen oder Straßenschlachten wurden ihre Häuser niedergebrannt. Eine Entschädigung von staatlicher Seite gibt es so gut wie nie.

Dafür gerät nun die nigerianische Regierung immer mehr unter Druck.

Regina Emmanuel aus Jos kann nicht über den Tod ihres Mannes sprechen. Die Witwe sitzt in einem alten Sessel im Wohnzimmer. An den Wänden, von denen die einst leuchtend gelbe Farbe schon abblättert, hängen ein paar Jesusbilder. Regina Emmanuel weint nur leise vor sich hin, obwohl ihr Mann schon seit mehr als einem Jahr tot ist. Am 11. März 2012 starb er, umgebracht von der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram.

Selbstmordattentäter ließen sich nicht stoppen

"Er hat jeden kontrolliert, der zum Sonntagsgottesdienst gehen wollte“, erklärt sein Sohn Emmanuel Hills. Das ist in Nigeria mittlerweile eine normale Maßnahme, um Gottesdienstbesucher zu schützen. Doch das Auto mit den Selbstmordattentätern, die es an jenem Sonntag auf die katholische St.-Finbaar-Kirche in Jos im Bundesstaat Plateau abgesehen hatten, ließ sich nicht stoppen. Es jagte durch die Absperrung und riss zehn Menschen in den Tod. "Was sie angerichtet haben, kann man hier sehen“, sagt Emmanuel Hills und zeigt auf die Frau seines Vaters, die noch immer kein Wort gesagt hat. Schmerz und Angst sitzen zu tief.

Neben dem persönlichen Verlust hat die Familie nun aber noch mit einem ganz anderen Problem zu kämpfen: Sie hat ihren Versorger verloren. Wie ihr geht es vielen Familien, die Opfer von Gewalt in Nigeria werden. Gerade wenn der Haupternährer stirbt, können Kinder oft nicht mehr zur Schule geschickt und Mieten nicht mehr bezahlt werden. Kommt es außerdem zu Straßenschlachten, die gerade in den Bundesstaaten Plateau und Kaduna oft von Boko-Haram-Anschlägen ausgelöst werden, werden manchmal ganze Straßenzüge niedergebrannt. Die Familien verlieren alles - und der Staat kümmert sich nicht.

So sei es auch nach dem Anschlag auf die St.-Finbaar-Kirche gewesen, kritisiert Pfarrer Peter Umoren. "Anfangs hieß es, die Regierung setze ein Komitee ein, das die betroffenen Kirchen besucht.“ Besuch bekam er sogar einmal von einem Spezialberater des Gouverneurs von Plateau. "Er sagte, ich solle ein Schreiben einreichen. Das habe ich getan. Danach habe ich nie wieder etwas gehört.“

Entschädigung lediglich für das Militär

Nigerianischen Zeitungen zufolge ließ nun der Vorsitzende des Komitees für Dialog und friedliche Sicherheitslösungen im Norden, Tanimu Turaki, am Wochenende verkünden, die Regierung könne die Opferfamilien nicht entschädigen. Entschädigt werde lediglich das Militär.

In Nigeria sorgt das für Kopfschütteln. Ohnehin gerät die Regierung in Sachen Terrorismus-Bekämpfung wieder mehr unter Druck. Denn trotz Verhängung des Ausnahmezustands in den drei nördlichen Bundesstaaten Borno, Yobe und Adamawa gab es in den vergangenen zwei Wochen wieder vermehrt Anschläge von Boko Haram. Sich nun so eindeutig gegen eine Opferentschädigung auszusprechen, sieht Ango Abdullahi, Sprecher des Ältestenrates in Nordnigeria, laut der Tageszeitung "The Punch“ als "kaltschnäuzig“ an. Dem stimmen landesweit andere Gruppierungen zu.

Auch der Leiter der nichtstaatlichen Organisation "Gesicht des Friedens“ in Jos, Salis Muhammad Abdulsalam, unterstützt die Forderung. Er arbeitet seit mehreren Jahren vor allem mit Frauen und Kindern, die nach Ausschreitungen alles verloren haben.  "Die Opfer hoffen so sehr auf eine Unterstützung“, sagt Abdulsalam. Dennoch erwartet er nichts von der Regierung. "Auf Landesebene hat es zwar teilweise ein bisschen Hilfe gegeben, etwa im Bundesstaat Borno“, sagt er. Doch dass sich nun die Regierung in Abuja um sie kümmert, glaubt er nicht: "Es heißt immer, mittlerweile seien es zu viele; das Geld reiche nicht aus.“ Doch aus seiner Sicht könnte es noch einen weiteren Grund geben: Die meisten Opfer stammen aus armen Verhältnissen - und eine Lobby haben sie in Nigeria nicht.

Katrin Gänsler
(KNA)

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