Lage für Syrien-Flüchtlinge wird schlimmer
Lage für Syrien-Flüchtlinge wird schlimmer

15.02.2013

Caritas: Lage für Syrien-Flüchtlinge wird schlimmer Ein Lager für 100.000

Immer mehr Menschen fliehen vor dem Bürgerkrieg in Syrien: Mehr als 800.000 Menschen suchen in den Nachbarstaaten Schutz. Christoph Klitsch-Ott von Caritas International beschreibt im domradio.de-Interview die Situation in Jordanien.

Eine Verschlechterung der Lage der syrischen Flüchtlinge beklagt Caritas international. Wie das katholische Katastrophenhilfswerk am Freitag in Freiburg mitteilte, versechsfachte sich die Zahl der Flüchtlinge innerhalb eines halben Jahres von 129.000 auf 822.000. "Jetzt stehen wir vor einer humanitären Katastrophe", so Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes. Die Flüchtlingshilfe müsse dringend ausgeweitet werden. Vor allem Jordanien und Libanon bräuchten mehr Hilfe.

Allein im Lager Zaatari nahe der syrischen Grenze lebten rund 100.000 registrierte Flüchtlinge, so Klitsch-Otto. "Die Bedingungen in diesem Lager sind extrem schwierig."

80 Prozent der Flüchtlinge sind laut Caritas Frauen und Kinder, 40 Prozent jünger als elf Jahre. "Die Massenflucht der Syrer ist Ausdruck ihrer abgrundtiefen Verzweiflung. Sie zahlen für die Gnadenlosigkeit der Militärs und die Kompromisslosigkeit der Politiker einen furchtbaren Preis", erklärte Neher. Laut offiziellen Schätzungen starben seit Ausbruch der Kämpfe 2011 in Syrien 70.000 Menschen. Zwei Millionen Syrer sind vertrieben.

Appell an den Westen

Auch der Gründer der Hilfsorganisation Grünhelme, Rupert Neudeck, fordert von der westlichen Staatengemeinschaft mehr Engagement für die syrische Zivilbevölkerung. Angesichts des fortdauernden Bürgerkriegs müsse auch Deutschland den Menschen ein Zeichen geben, "dass sie nicht alleingelassen sind", schreibt Neudeck in einem Gastbeitrag für die "Süddeutsche Zeitung" (Freitag).

Außerdem solle die Bundesregierung, wie Frankreich das bereits getan habe, die im November gegründete Nationale Syrische Koalition als Vertreterin des syrischen Volkes anerkennen. Außerdem sei zu überlegen, "den Fall des verbrecherischen Baschar al-Assad" vor den UN-Sicherheitsrat zu bringen.

Bei den Gütern des täglichen Lebens fehle es derzeit vor allem an Diesel für Stromgeneratoren und an Mehl für Brote, so Neudeck. Ebenfalls benötigt werde Bergegerät, um Tote aus den Trümmern zu holen. Viele Orte bräuchten zudem dringend Müllentsorgungsfahrzeuge und Mülltonnen. "Aleppo versinkt in Müll", beschreibt der Grünhelm-Gründer die Zustände in der im Norden des Landes gelegenen Metropole, in der auch viele Christen leben.

(KNA, dr)

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