28.12.2012

Der honduranische Kardinal Rodriguez wird 70 Vom Hoffnungsträger zum Sündenbock

Hass, Proteste und Morddrohungen: Wo immer er auftaucht, seine Gegner begrüßen Oscar Kardinal Rodriguez stets auf die gleiche Art und Weise. Die Mobilisierung gegen den Erzbischof von Tegucigalpa glich auf ihrem Höhepunkt einer Hetzjagd.

Wenn Kardinal Rodriguez Maradiaga am Samstag seinen 70. Geburtstag feiert, dann werden in den Porträts vor allem jene Tage aus dem Jahr 2009 im Mittelpunkt stehen, die der Laufbahn des Honduraners eine so dramatische Wendung gaben.
Der Grund für die tiefe Abneigung, die dem Kirchenmann auch heute noch entgegenschlägt, ist seine differenzierte Haltung zur politischen Krise in seinem Heimatland.

Seit dem weltweit beachteten Sturz des honduranischen Präsidenten Manuel Zelaya Ende Juni 2009 - von Anhängern als Putsch scharf verurteilt, von Gegnern als verfassungskonform gutgeheißen - ist nichts mehr wie es war im Leben des Kardinals. Kubanische und venezolanische Medien prägten damals den Begriff des "Putsch-Kardinals". Zwar hatte auch der Kardinal die Art und Weise des Präsidentensturzes verurteilt, im Kern aber billigte er die höchst umstrittene Aktion.

Das Papstamt zugetraut

Die weltweiten Proteste gegen Zelayas Amtsenthebung brandmarkte Rodriguez als einseitig. Er selbst kritisierte die Amtsführung des abgesetzten Präsidenten öffentlich, zweifelte an dessen Verfassungstreue und forderte Untersuchungen wegen Korruption. Als Rodriguez die Einmischung von Venezuelas Präsidenten Hugo Chavez in den Konflikt kritisierte und sich weigerte, der vor allem in ausländischen Medien verbreiteten Darstellung der Situation in Honduras zu folgen und stattdessen auf seinem unbequemen Standpunkt beharrte, rückte er immer mehr ins Zentrum der Angriffe von Zelayas Anhängern.

Zuvor galt der dreifach promovierte Salesianer, der seit 2007 Präsident von Caritas Internationalis ist und von 1995 bis 1999 Präsident des Lateinamerikanischen Bischofsrats (CELAM) war, als einer der wenigen Kirchenvertreter Lateinamerikas, dem sogar das Papstamt zugetraut wurde. Nun haben ihn jedoch vor allem linke Gruppierungen zum Feindbild Nummer eins erklärt. Aus dem Hoffnungsträger ist ein medialer Sündenbock geworden.

Zahlreiche Angriffe

Rodriguez sah sich in der Vergangenheit zahlreichen Angriffen ausgesetzt. In einem Armenviertel der Hauptstadt eskalierte die Situation, Anhänger Zelayas bewarfen den Erzbischof mit Eiern und Wasserbeuteln. Wenig später durchschlug eine Pistolenkugel eine Fensterscheibe des Bischofssitzes in Tegucigalpa, Morddrohungen kamen im Wochentakt. Seither ist Rodriguez eine der bestbewachten Persönlichkeiten seines Landes.

"Solche Dinge passieren in einer Demokratie", kommentierte der Kardinal äußerlich gefasst. Die Rolle der Hassfigur, die er seitdem ausfüllt, überrascht angesichts seines Engagements als Präsident von Caritas Internationalis und als Schirmherr einer weltweiten katholischen Entschuldungskampagne zugunsten armer Länder. Der Salesianer steht als scharfer Kritiker der Auswirkungen der Globalisierung inhaltlich ausgerechnet jenem politischen Lager nahe, aus dem die Giftpfeile gegen ihn abgeschossen werden. Hunger wurzele nicht in einem "Mangel an Ressourcen", sondern im "Fehlen gerechter Verteilmechanismen und Strukturen", betont er stets. Doch die in Lateinamerika dominierenden Linken wollen ihm nicht mehr zuhören.

Im Internet verabredeten sich Aktivisten stattdessen zu Protestaktionen, wenn der Kardinal irgendwo in der Welt auftritt. Erst seit einigen Monaten hat sich die Lage beruhigt. Vielleicht liegt es daran, dass sich der Erzbischof im jüngsten Wahlkampf ebenso klar positioniert hat wie einst im Jahr 2009. "Wer angreift, wer beleidigt, wer verletzt, sagt damit, dass er keine Kraft besitzt; seine Schwäche mündet in Gewalt", betonte er angesichts der Ermordung des linksgerichteten Bürgermeisterkandidaten Edgardo Motino von der neu gegründeten Partei Libre. Gründer der Partei ist der 2009 gestürzte Staatspräsident Manuel Zelaya.

Tobias Käufer
(KNA)

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