28.01.2019

Deutscher Pfarrer über Lissabon als Schauplatz des Weltjugendtags 2022 "Eine richtige, eine tolle Wahl"

Der Weltjugendtag findet 2022 in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon statt, wie der Vatikan am Sonntag mitteilte. Eine goldrichtige Wahl, wie der deutsche Auslandsseelsorger, Pfarrer Clemens Maria Henkel, im Interview prophezeit.

DOMRADIO.DE: Sie sind seit Oktober des vergangenen Jahres für die Auslandsseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz in Lissabon. Wie haben Sie die Hauptstadt Portugals kennengelernt?

Pfarrer Clemens Maria Henkel: Es ist eine wahnsinnig sympathische Stadt, eine tolle Stadt mit vielen Ensembles, erhaltenen Stadtkernen und einem ganz tolles Flair. Ich denke, das ist eine richtige, eine tolle Wahl für einen Weltjugendtag. Lissabon ist eine pulsierende Stadt. Es gibt einen Hype auf Portugal und insbesondere Lissabon. Wir haben hier viele Studenten. Soweit ich weiß sind über 3.000 deutschsprachige Studenten hier in Lissabon.

Sie ist also eine sehr junge Stadt. Außerdem ist Lissabon eine multikulturelle Stadt, die auch viel Erfahrung mit verschiedenen Kulturen und Ethnien der Kolonialzeit hat, wobei man hier ein gutes Miteinander pflegt. Und es ist auch eine wirklich lebendige und pulsierende Stadt. Ich glaube, die jungen Leute, die 2022 zum Weltjugendtag kommen, werden da beste Voraussetzungen vorfinden.

DOMRADIO.DE: Das macht Lissabon wirklich zu einem perfekten Gastgeber für den Weltjugendtag. Da kommen wahrscheinlich bis zu einer Million Jugendliche aus aller Welt hin und mischen sich dann mit den jungen Leuten in Lissabon. Wie ist denn die Nachricht in Portugal insgesamt angekommen, wie haben Sie das erlebt? Es wurde ja schon länger gemunkelt, dass es Lissabon werden könnte.

Henkel: Zunächst einmal, der Staatspräsident, der höchste Repräsentant von Portugal, ist ein praktizierender Katholik und war von Anfang an davon begeistert. Er war ja auch in Panama mit dem Patriarchen Manuel von Lissabon und das ist auch hier in den Nachrichten groß aufgemacht worden. Die Stadt selbst freut sich, Menschen aus aller Welt hier begrüßen zu können und willkommen zu heißen.

Einziger Wermutstropfen ist ein bisschen, dass, wie in jeder anderen Großstadt in Europa, die großen Metropolen Schwierigkeiten mit der Infrastruktur haben. Es leben ohnehin schon sehr viele Leute dort und die Infrastruktur ist von ihrer ursprünglichen Ausrichtung her nicht auf noch mehr Menschen ausgerichtet. Aber ich bin überzeugt, dass die Portugiesen hier Wege finden werden, dass sie auch zusammen mit dem Staat helfen werden die Infrastruktur so aufzubauen, dass man das gut bewältigt. Sie werden das mit Sicherheit bis dahin hinkriegen, da bin ich mir ganz sicher. Es gibt hier bereits Metro-Stationen und gute Busverbindungen. Aber da muss sicherlich noch etwas geschehen, bis der Weltjugendtag kommt.

DOMRADIO.DE: Der Weltjugendtag nimmt normalerweise soziale Projekte und die politische Situation in dem ausrichtenden Land in den Blick. Können Sie sich vorstellen, welche Schwerpunkte der Weltjugendtag in Portugal setzen könnte?

Henkel: Wir haben hier verschiedene Kulturen und Ethnien: Einwanderer oder Rückkehrer aus den Kolonien, Studenten oder internationale Konzerne. Das heißt, hier gibt es sehr viel Erfahrung mit einem guten Miteinander. Und ich glaube, dass die Integrationsleistung geschafft worden ist. Lissabon hat das gut bewältigt, obwohl es in den vergangenen Jahren große Probleme gegeben hat, was die wirtschaftliche Situation anbetraf. Die Menschen mussten eine schwere Rosskur durchmachen, angesichts wirtschaftlicher Reformen oder Sparmaßnahmen. Das hat die Bevölkerung sehr stark getroffen. Aber die Portugiesen haben sich da richtig herausgearbeitet und sich eine gute wirtschaftliche Perspektive erarbeitet.

Es geht in dem Land wirklich spürbar ökonomisch aufwärts. Das hat auch zur Folge, dass man viele soziale Brennpunkte angegangen ist und auch Probleme gelöst hat. Es gab in den 1970er Jahren noch viele Slums hier in der Umgebung, die man Stück für Stück aufgelöst hat, womit das Land soziale Verantwortung geübt und einen Ausgleich geschaffen hat. Das war eine ganz große Leistung des portugiesischen Staats. Das muss man anerkennen und einen Weg des Miteinanders und Füreinanders finden. Ich glaube, dafür ist Lissabon geradezu prädestiniert, auch von ihrer Entwicklung,Tradition und Erfahrung her.

DOMRADIO.DE: Jetzt ist der Weltjugendtag auch immer ein Glaubensfest. Wie schätzen Sie die Situation der katholischen Kirche in Portugal ein?

Henkel: Ich denke, die Kirche oder die Kirchen generell haben es mit einer Lebenshaltung oder mit einem 'Way of Life' zu tun, wo sie es nicht einfach hat, mit ihrer Botschaft rüber zu kommen. Das ist, denke ich, überall gleich. Gerade in den westlichen Ländern, Europa oder Nordamerika. Aber wir erleben auch immer wieder bei Veranstaltungen wie beim Weltjugendtag oder Taizé, dass es eine große Sehnsucht gibt, miteinander religiöse Erfahrungen zu machen und miteinander Glaube und Kirche zu leben.

Und ich denke, dass sich auch hier die Kirche vor Ort schon seit längerem Gedanken über Fortbildungsprogramme und über den Ausbau von geistlichen Zentren wie etwa Fatima macht. Ich denke zudem, dass man dabei ist, sich auf die Bedürfnisse der Menschen einzustellen. Da wird viel gemacht. Ich denke, dass die 100-Jahr-Feier der Erscheinung unserer lieben Frau von Fatima schon gezeigt hat, dass das Land gut in der Lage ist, das aufzunehmen und umzusetzen. Denn das war eine großartige Feier in Fatima vorletztes Jahr mit dem Heiligen Vater. Da hat man das auch erleben können. Da war auch die Jugend der Welt da und da sind auch schon viele Erfahrungen gemacht worden mit großen Glaubensevents vor Ort.

Das Interview führte Beatrice Steineke.

(DR)

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Aus Panama berichten Ina Rottscheidt und Kathi Geiger.

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