Eröffnungsmesse des 34. Weltjugendtags in Panama
Eröffnungsmesse des 34. Weltjugendtags in Panama
Papst Franziskus steigt in Panama aus dem Flieger
Papst Franziskus steigt in Panama aus dem Flieger

24.01.2019

BDKJ-Vorsitzender zum Start des Weltjugendtags in Panama "Von der eigenen Tür in die ganze Welt"

Der Papst ist in Panama zum Weltjugendtag eingetroffen und wurde von vielen tausend Menschen empfangen. Auch der Bund der Deutschen Katholischen Jugend ist vor Ort. Dessen Vorsitzender spürt schon den Esprit des Weltjugendtages.

DOMRADIO.DE: Was für ein Bild von Panama zeigt sich Ihnen?

Thomas Andonie (Bundesvorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend): Von Panama nehme ich sehr stark wahr, dass viele junge Menschen in die Stadt gekommen sind und aus ganz vielen Ländern und Kontinenten hier zusammenkommen, um im Glauben gemeinsam die Tage zu verbringen und sich mit Stadt, Land und Leuten zu beschäftigen.

Sehr gut wahrgenommen habe ich das zum Beispiel in den Tagen der Begegnung. Da wurden viele Gruppen auch aus Deutschland in ihren Gastfamilien sehr herzlich aufgenommen. Es wurden richtig viele schöne und positive Erfahrungen gemacht. Die Gruppen haben aber auch mitbekommen, welche Probleme und Schwierigkeiten auch junge Menschen, Familien - alle Leute - hier in diesen mittelamerikanischen Staaten haben.

DOMRADIO.DE: Sie sind als Bundesvorsitzender des BDKJ da. Der BDKJ organisiert Veranstaltungen vor Ort, die die Pilger auch auf die Lage in dem zentralamerikanischen Land aufmerksam machen sollen. Kann das aufgehen, dass aus Gastfreundschaft zwischen den Jugendlichen Solidarität wächst?

Andonie: Ich glaube, das ist der Grundpfeiler von Weltkirche, dass die Leute und viele junge Menschen sich mit diesen Partnerschaften, die viele Bistümer in Deutschland mit Diözesen hier in Zentralamerika pflegen, identifizieren können und, dass das etwas ist, mit dem die jungen Menschen auch hoffentlich langfristig enge Bande knüpfen können, um hier auch weiterhin aktiv zu sein. Ich glaube, dass das sehr wichtig ist.

Wenn man zum Beispiel auf unsere 72-Stunden-Aktion schaut: Da sieht man, dass da auch internationale Zusammenarbeit passiert, dass da Gruppen gemeinsam mitmachen und man sich gemeinsam dafür einsetzt, dass die Welt ein Stückchen besser wird. Das geht nicht nur vor der eigenen Tür. Da fängt es zwar an, aber dann muss man darüber hinaus auch in der Welt unterwegs sein.

DOMRADIO.DE: Sie haben in der Vergangenheit forsche Forderungen aufgestellt. Sie und der BDKJ fordern zum Beispiel das Priesterinnentum und auch den Zölibat halten Sie für diskutierenswert. Ist das ein Thema beim Weltjugendtag?

Andonie: Ich nehme sehr stark wahr, dass in den Katechesen, die wir auch besucht haben, junge Menschen schon sehr konkrete Anfragen an die Bischöfe hatten. Da stand immer wieder die Frage in der Dialogrunde im Raum: "Warum dürfen denn Frauen nicht am Altar stehen? Warum stehen da 30 Männer vorne und konzelebrieren, aber keine einzige Frau?"

Das sind schon Wahrnehmungen, die junge Menschen, die hier nach Panama zum Weltjugendtag gekommen sind, tatsächlich haben. Und diese Fragen müssen auf Augenhöhe diskutiert werden. Wo sind Frauen hier in Leitungsfunktion und Weiheämtern? Ich glaube, dass auch Kirche in Deutschland eine Bewegung zeigen muss.

DOMRADIO.DE: Wie werden diese Anfragen aufgenommen? Wenn sie zum Beispiel bei den Katecheten angesprochen werden, kommt die Botschaft der Jugendlichen an?

Andonie: Die Bischöfe diskutieren das sehr ernst mit den jungen Menschen und versuchen wirklich die Haltung, die in der katholischen Kirche derzeit im Lehramt verankert ist, zu erläutern. Aber man merkt schon, dass die jungen Menschen damit nicht zufrieden sind. Das reicht ihnen auch oft nicht. Und man merkt, dass sie da auch gerne auf Augenhöhe einen Diskurs starten möchten und sich eine ergebnisoffene Diskussion wünschen.

Aber zumindest zeigt sich hier, dass diese dialogische Form der Katechese tatsächlich eine gute Erneuerung und ein weiterer Meilenstein in der Weiterentwicklung des Weltjugendtages ist und, dass junge Menschen hier über den Glauben ins Gespräch kommen - mit dem Bischof mit den anderen Pilgerinnen und Pilgern - dass man hier auch eine gute Grundlage hat, um im Glauben zu wachsen und sich auch kritisch konstruktiv mit einer Glaubenslehre auseinanderzusetzen und auch mit der eigenen Kirche.

DOMRADIO.DE: Nicht nur die Nöte, in denen Panama steckt, sollen angepackt werden, sondern auch die Nöte der Kirche. Die Kirche steckt in einer Krise. Haben Sie bei diesem Weltjugendtag auch selbstkritische Ansätze entdeckt?

Andonie: Ich sehe da sehr viele Bemühungen. Das haben wir auch in Deutschland schon gemerkt, nachdem die Studie zur sexualisierten Gewalt, die durch Geistliche im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz passiert ist, veröffentlicht wurde. Wir haben gesehen, dass da durchaus selbstkritische Töne kommen. Aber es reichen eben keine Worte mehr, da müssen jetzt auch Taten folgen. Ich glaube, das ist wichtig, dass das vor Ort passiert.

Und hier in Panama bin ich sehr gespannt. Der Papst ist erst angekommen. Ich hoffe, dass er auch dazu sprechen wird. Ich würde mir wünschen, dass bei dem großen Gipfel der Bischofskonferenzen im Februar in Rom, wenn es um das Kindeswohl geht, auch geschaut wird, was in diesen Strukturen, in dieser Kirche alles passiert. Denn eine Kirche kann sich nicht halten, wenn durch sie ein Unheil oder ein Leid über Menschen gebracht wird. Dann lässt sich keine kirchenrechtliche Vorschrift finden, die das stützt.

DOMRADIO.DE: Worauf freuen Sie sich am meisten in den kommenden Tagen, jetzt, wo der Papst endlich da ist?

Andonie: Am meisten habe ich mich auf das "Youth Hearing" gefreut. Das ist jetzt schon wahnsinnig gut gelaufen und da haben wir auch mit vielen panamaischen Freundinnen und Freunden, Partnern von Adveniat und auch mit den jungen Menschen guten Diskurs gehabt. Ich freue mich jetzt sehr auf die weiteren Begegnungen mit den jungen Menschen, die Gespräche, den gemeinsamen Austausch über den Glauben, die Kirche, die Welt, die Frage, wie wir die Welt zum Besseren gestalten können.

Ich glaube, dass wir da eine wunderschöne Zeit zusammen verbringen werden und trotz der schönen Zeiten des Weltjugendtages auch nicht vergessen, dass es eine Schattenseite gibt, nämlich bei den jungen Menschen, die hier in Armut leben. Die Straßen, die "gesäubert" wurden, damit hier eben nicht Obdachlose zu sehen sind. Das muss auch thematisiert werden.

Auch Fragen der Nachhaltigkeit wollen wir hier thematisieren. Die Frage von Mülllproduktion und ressourcenschonender Arbeit und die Frage dessen, wie wir auch hier gemeinsam ein Zeichen vom Weltjugendtag als junge Christinnen und Christen senden können, sich nach "Laudato si" auszurichten. Die Sorge für unser gemeinsames Haus, das liegt auch auf unserem Weg, ist uns ein Anliegen und nicht nur eine leere Worthülse.

Das Interview führte Beatrice Steineke.

(DR)

DOMRADIO.DE vor Ort

Aus Panama berichten Ina Rottscheidt und Kathi Geiger.

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Der Panama-Blog

Tägliche Eindrücke aus Panama gibt der Social Media-Redakteur André Grosser vom Newsdesk im Erzbistum Köln. Er begleitet die WJT- Reisegruppe des Erzbistums.