Weltjugendtag 2005 in Köln
Weltjugendtag 2005 in Köln
Erzbischof Heiner Koch
Erzbischof Heiner Koch
Auf dem Weg zum Marienfeld
Auf dem Weg zum Marienfeld
Kardinal Meisner und der heutige emeritierte Papst Benedikt
Kardinal Meisner und der heutige emeritierte Papst Benedikt

23.01.2019

Erzbischof Koch erinnert sich an den Weltjugendtag in Köln "Die Erfahrung bleibt in den Herzen"

Erzbischof Heiner Koch erinnert sich in diesen Tagen an den Weltjugendtag in Köln 2005. Besonders ein Moment ist ihm vor Augen. Im Interview erzählt er, warum das weltweite Glaubensfest so wichtig ist.

DOMRADIO.DE: Was ist für Sie persönlich die schönste Erinnerung an den WJT 2005 in Köln?

Erzbischof Heiner Koch (Bischof von Berlin und damals Generalsekretär beim Weltjugendtag 2005 in Köln): Es gibt viele schöne Erlebnisse und ich könnte auch keine Priorität erstellen. Aber eine Begebenheit, die ich zufällig wahrnahm, erzählt von alten Menschen. Auf dem Weg zum Gottesdienst auf dem Marienfeld am Samstag sah ich, dass in einem Haus zwei alte Menschen auf Kissen ruhend aus dem Fenster schauten. Sie winkten den vielen in langen Fußkolonnen vorbeiziehenden jungen Menschen zu.

In diesem Moment kam ihr Hausarzt zu ihnen, der sie immer um diese Zeit besuchte. Die alte Frau rief dem Hausarzt zu, "Herr Doktor, heute haben wir keine Zeit für Sie. Heute müssen wir winken." Da steckte so viel Freude, so viel jugendlicher Elan darin, wahrscheinlich war diese Prozession der jungen Leute das letzte Lebenselixier für die beiden – wie für viele Menschen in diesen Tagen in Köln und in der ganzen Welt.

DOMRADIO.DE: Was ist der Sinn von Weltjugendtagen, beziehungsweise was sollte er sein?

Erzbischof Koch: Ich bin überzeugt, dass der Weltjugendtag zunächst einmal dafür da ist, die jungen Menschen, die als Christen leben, zusammenzuführen. Sie sollen die Erfahrung machen, dass sie auf der ganzen Welt viele sind und füreinander Verantwortung tragen. Das kann eine ansteckende Freude sein. Viele der Jugendlichen, die damals nach Köln kamen, kamen aus tiefster Diaspora, manche auch aus Ländern, in denen Christen verfolgt werden.

Die große Gemeinschaft und diese tiefen Gefühle über alle Grenzen hinaus zu erfahren, war für sie so wichtig. Daraus leben viele, das weiß ich, auch heute noch – ein Jahrzehnt später. Das zweite ist, solch ein Weltjugendtag zeigt der Welt, dass Christ zu sein heute noch völlig cool ist, wie die Jugendlichen sagen. Es ist keine aussterbende Religion, keine aussterbende Sache – ganz im Gegenteil: Die jungen Menschen zeigen, das Christentum ist ein Glaube der Menschen der Zukunft.

DOMRADIO.DE: Wenn Sie auf 2005 zurückblicken: Wie sah Ihre Bilanz damals aus?

Erzbischof Koch: Kurz nach dem Weltjugendtag wurde ich Weihbischof und habe in dieser Funktion auch eine Aufgabe für die Deutsche Bischofskonferenz übernommen. Ich wurde verantwortlich für die deutschen katholischen Gemeinden im Ausland. Ich bin in viele Orte dieser Welt gereist, um diese Gemeinden zu besuchen. Überall bin ich jungen Menschen begegnet, die mir erzählten, dass sie damals beim Weltjugendtag in Köln dabei waren. Junge Menschen aus den verschiedenen Nationen, in denen dann auch die deutschen Katholiken zu Gast waren, erzählten mir von einer großen Begeisterung, wie viel ihnen der Glaube bedeutet habe.

Wie sehr ihnen zu Herzen gegangen sei, wie gastfreundschaftlich die Deutschen gewesen seien und, wie lebendig sie Kirche erlebt hatten. Ich glaube diese Erfahrung in den Herzen von 1,2 Millionen jungen Menschen, die in Köln dabei waren, bleibt auch, wenn diese jungen Menschen älter werden. Es ist eine Investition in die Zukunft.

DOMRADIO.DE: Sind Weltjugendtage nachhaltig? Können sie junge Menschen langfristig an die Kirche binden oder zurück zum Glauben führen?

Erzbischof Koch: Der Weltjugendtag ist nicht dafür da, Effekte zu erreichen. Manche fragen ja immer, wie viele Priesterberufungen daraus hervorgegangen und wie viele Menschen getauft worden sind. Das mag alles sein. Die Nachhaltigkeit liegt in den Herzen der Menschen und in der Kirche, die Gastgeberin war. Ich weiß, dass wir in Deutschland noch sehr lange auch in der Bischofskonferenz und in vielen Gemeinden - gerade im Erzbistum Köln - von der Erinnerung an diese Zeit gelebt haben. Es hat uns selbst in Köln und Umgebung Mut und Kraft gegeben und uns herausgerissen aus einer gewissen Trägheit und Alltäglichkeit. Es ist eine Langzeitwirkung für die Gäste, aber vor allem für die Gastgeber.

Das Gespräch führte Ina Rottscheidt.

DOMRADIO.DE vor Ort

Aus Panama berichten Ina Rottscheidt und Kathi Geiger.

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Tägliche Eindrücke aus Panama gibt der Social Media-Redakteur André Grosser vom Newsdesk im Erzbistum Köln. Er begleitet die WJT- Reisegruppe des Erzbistums.