Teilnehmer des Weltjugendtages in Krakau
Teilnehmer des Weltjugendtages in Krakau

02.08.2016

Über die Rolle der Kirche im Gastgeber-Land des nächsten Weltjugendtages "Panamas Kirche lebt, was Franziskus fordert"

Fast jeder in Panama ist katholisch. Die Kirche in dem mittelamerikanischen Land kümmert sich vor allem um die Benachteiligten. Monika Lauer Perez von Adveniat spricht im domradio.de-Interview über den Gastgeber des nächsten Weltjugendtages.

domradio.de: Panama bildet den schmalsten Teil der mittelamerikanischen Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika. Wie sieht es da eigentlich aus - so rein landschaftlich?

Monika Lauer Perez (Länderreferentin Panama, Adveniat): Rein landschaftlich ist es ein sehr schönes Land und ein sehr diverses Land: Es gibt Hochgebirge. Die höchste Erhebung im westlichen Teil des Landes in Richtung Costa Rica ist 3.500 Meter hoch, das ist ein erloschener Vulkan. Und genauso gibt es eines der größten Regenwaldgebiete der Welt im östlichsten Teil des Landes an der Grenze zu Kolumbien. Das ist übrigens auch die einzige Stelle, an der die Panamericana unterbrochen ist.

domradio.de: Wenn man sich Bilder von Panama-Stadt anschaut, erinnern die einen schon an US-amerikanische Metropolen. Ist Panama alles in allem moderner als die Nachbarstaaten in Mittelamerika?

Lauer Perez: Sagen wir mal so: Panama-Stadt wird gerne auch mal Klein-Manhattan genannt. Das erinnert tatsächlich an US-amerikanische Skylines und -Metropolen. Die Stadt an und für sich ist Sitz von vielen Banken. Vor einigen Jahren war auch sehr bekannt, dass sehr viele Schiffe in Panama registriert waren und heute auch noch sind. Es ist weltweit für Reedereien der größte Platz. Und so gibt es in der Stadt sehr viele ökonomische Möglichkeiten. Aber es ist wie überall in Lateinamerika: Es ist nicht generell auf das ganze Land übertragbar. So gibt es zum Beispiel die afrostämmige und indigene Bevölkerung, die zu gut 50 Prozent in extremer Armut lebt.

domradio.de: Wir kennen das von Rio und den Olympischen Spielen: Wenn ein Land eine Großveranstaltung zugesprochen bekommt, ist das schön, aber ein Teil des Landes leidet auch darunter. Wie weit gehen Arm und Reich in Panama auseinander?

Lauer Perez: Der Unterschied ist schon sehr groß. Aber man kann einen Weltjugendtag nicht mit einem sportlichen Großereignis vergleichen, bei dem sehr viel Infrastruktur notwendig ist. Das ist bei einem Weltjugendtag ja nicht der Fall. In der Regel ist es ja so, dass die Jugendlichen aus aller Welt in Familien unterkommen - also im Prinzip schon vorhandene Infrastruktur genutzt wird. Insofern sehe ich da nicht die Problematik, wie es sie jetzt beispielsweise in Rio gibt. Außerdem tragen die Bischofskonferenzen aller mittelamerikanischen Länder das mit und wollen Panama auch helfen, damit das alles gelingen kann. Das haben der Erzbischof von Panama-Stadt und der Nuntius von Panama schon gesagt.

domradio.de: Rein religiös und kirchlich betrachtet ist das Land ja auch ein Schwergewicht mit 86 Prozent Katholiken. Wie ist die katholische Kirche da aufgestellt?

Lauer Perez: Sie ist eine Kirche von der man im Prinzip nicht sehr viel hört. Sie macht keine Schlagzeilen. Aber sie ist eine Kirche, die sich tatsächlich auch um die Benachteiligten kümmert. Die Kirche lebt eigentlich das, was Papst Franziskus fordert - besonders auch in der pastoralen Arbeit mit der indigenen Bevölkerung. Da wird schon sehr gute Arbeit geleistet, die auch von Adveniat unterstützt wird. 

Lauer Perez: Es gibt natürlich unsere klassischen Infrastruktur-Projekte: Dass wir beim Bau von Kirchen und Pfarrhäusern helfen, dass wir Fahrzeuge bereit stellen, damit die Priester und Ordensfrauen in die weit gelegenen Gebiete kommen können. Außerdem sind Bildungs- und Pastoral-Projekte mit den Indigenen Schwerpunkte unserer Arbeit. Wir haben speziell zum Thema Weltjugendtag schon Gespräche aufgenommen mit der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge in Deutschland, die die deutsche Delegation vorbereitet. In der Vorbereitungsarbeit für Panama wollen wir unterstützen - genauso wie wir das in Rio auch schon gemacht haben.

Das Gespräch führte Daniel Hauser.

(DR)

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