Papst Franziskus in Tschenstochau
Papst Franziskus in Tschenstochau
Erinnerungsstücke vom Weltjugendtag
Erinnerungsstücke vom Weltjugendtag
Die Jugend beim Kreuzweg
Die Jugend beim Kreuzweg
Jugendliche auf dem Weg zur Willkommensfeier für Papst Franziskus
Jugendliche auf dem Weg zur Willkommensfeier für Papst Franziskus
Beliebter Tram-Mitfahrer: Papst Franziskus
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30.07.2016

Zwischen christlicher Armee und syrischen Flüchtlingen Franziskus, Polen und die Katholiken Eindrücke vom Weltjugendtag

Die Polen und der Papst - das gleicht nicht mehr Pech und Schwefel wie zu Zeiten von Johannes Paul II. Während der Polenreise von Nachfolger Franziskus war das in den vergangenen Tagen auch deutlich zu spüren.

Der Papst sagt auf Italienisch: "Seid laut" - und verabschiedet sich von den Jugendlichen. Der polnische Dolmetscher sagt das Gegenteil: "Seid nicht laut". Vermutlich war das ein Übersetzungsfehler am ersten Tag der Polen-Reise von Franziskus, als er erstmals von einem Fenster der erzbischöflichen Residenz aus sprach. Doch für die These, dass Franziskus und die katholische Kirche in Polen mehr als nur eine sprachliche Barriere trennt, gibt es in diesen Tagen während des Weltjugendtags in Krakau viele Indizien.

Aufschlussreich ist ein Besuch auf dem Krakauer Marktplatz: Hier, am zentralen Ort der Stadt, singen, beten, essen und trinken täglich Tausende Weltjugendtagsteilnehmer. Zu sehen sind eine Ausstellung über Johannes Paul II. und Flaggen mit seinem Konterfei sowie dem der polnischen Mystikerin Faustyna Kowalska. Dazu wehen noch Dutzende Logos des Weltjugendtags im Wind. Nur Franziskus sucht man vergebens.

Grüße nach Syrien

Die Jugendlichen können sich stattdessen an einer Stellwand über "Die christlichen Traditionen der polnischen Armee" informieren. Gezeigt werden Gemälde und Fotos von der Taufe des polnischen Fürsten Mieszko I. im Jahr 966 bis zur Schlacht um die italienische Benediktinerabtei Monte Cassino im Zweiten Weltkrieg. Nebenan hat das polnische Verteidigungsministerium einen Stand aufgebaut. "Polen. Ein Platz der Freiheit", heißt eine Broschüre. Auf dem Titelbild sind angreifende Reiter mit Lanze und Ritterrüstung zu sehen. Erzählt wird der Kampf der Polen für ihre Unabhängigkeit gegen Deutsche, Türken und Russen. Fremde, so kann man der Broschüre entnehmen, waren in der polnischen Geschichte zumeist Besatzer.

Auf der Blonia-Wiese unweit der Altstadt begrüßt der Papst derweil am Freitagabend syrische Flüchtlinge, die zum Weltjugendtag angereist sind. "Heute Abend umfasst Jesus - und wir mit ihm - mit besonderer Liebe unsere syrischen Brüder und Schwestern, die vor dem Krieg geflohen sind", sagt er. "Wir grüßen sie und nehmen sie mit geschwisterlicher Liebe und mit Sympathie auf." Die Weigerung, Flüchtlinge aufzunehmen, komme für die Betroffenen oft einem Todesurteil gleich, heißt es in einer Meditation des Kreuzwegs. "Sie klopfen an die Pforten unserer Länder, Kirchen und Häuser. Wir haben Angst vor ihrer Religion und vor ihrem Elend, es sind Fremde". 

Ermahnung des Papstes

Franziskus selbst hatte Polen gleich zu Beginn seiner Reise, am Mittwoch, mit deutlichen Worten zur Aufnahme von Flüchtlingen aufgerufen. Auch Priester und Ordensleute ermahnte er am Samstag zum Engagement für die Schwächsten und Migranten. Allerdings nahm der Papst auch Rücksicht auf polnische Befindlichkeiten. So betonte er vor den katholischen Bischöfen am Mittwoch, dass es für die Aufnahme von Flüchtlingen keine allgemein gültige Formel gebe. Ihr Umfang hänge stets von der Kultur und den Gegebenheiten eines Landes ab.

Den in Polen allgegenwärtigen Johannes Paul II. zitierte Franziskus in den vergangenen Tagen nur in homöopathischen Dosen. In seiner Predigt im Marienwallfahrtsort Tschenstochau (Czestochowa) kam er am Donnerstag gar nicht vor. Im Gottesdienst mit Priestern und Ordensleuten zitierte er seinen Vorgänger am Samstag ein einziges Mal - und das ausgerechnet mit dem Ausspruch "Öffnet die Türen". Mit diesem geschickten Schachzug erklärte er Johannes Paul II. zum Gewährsmann für sein Konzept einer "Kirche im Aufbruch".

Ein Weltjugendtag mit zwei Päpsten

Ein päpstlicher Brückenschlag zu Johannes Paul II. und nach Polen war am Samstag auch das Gebet am Grab der polnische Mystikerin Faustyna Kowalska. Das gehört zwar in Krakau zum Pflichtprogramm eines Papstes. Doch hat der Termin in Franziskus' Fall einen kirchenpolitischen Subtext: Barmherzigkeit ist nichts Fremdes oder Neues von einem Pontifex aus dem fernen Argentinien, sondern ein polnisches Produkt.

Denn Kowalska gilt als theologische Vordenkerin der Barmherzigkeit, die diesen Leitgedanken in das Pontifikat von Johannes Paul II. einbrachte. Kein Geringer als der emeritierte Papst Benedikt XVI. war es, der vor kurzem darauf hinwies, dass Franziskus mit seinem Kurs der Barmherzigkeit an Kowalska und Johannes Paul II. anknüpfe. In Krakau spürt man davon noch wenig.

Thomas Jansen
(KNA)

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