Konzentrationslager Auschwitz
Konzentrationslager Auschwitz
Maximilian Kolbe
Maximilian Kolbe
Ein KZ-Hemd und ein Bild von Maxilmilian Kolbe zum 40-jährigen Bestehen des Hilfswerks
Ein KZ-Hemd und ein Bild von Maxilmilian Kolbe zum 40-jährigen Bestehen des Hilfswerks

29.07.2016

Pater Maximilian Kolbe wurde vor 75 Jahren in Auschwitz ermordet Märtyrer der deutsch-polnischen Versöhnung

Er lieferte sich freiwillig dem Nazi-Todesurteil aus. Und bis heute wird Maximilian Kolbe für dieses radikale Glaubenszeugnis verehrt. Auch Papst Franziskus wird nun seine Todeszelle in Auschwitz besuchen.

Im Keller des Todesblocks von Auschwitz ist das Grauen bis heute spürbar. Niedrige Betonverliese, in die durch vergitterte Löcher kaum ein Lichtstrahl fällt. Wen die Nazis hier einpferchten, der sollte verhungern. Oder ersticken. Vor 75 Jahren, am 14. August 1941, starb hier der polnische Franziskanerpater Maximilian Kolbe. Eine Episode der Vernichtungsmaschinerie von Auschwitz - und doch ist Kolbes Todeszelle bis heute ein wichtiger Gedenkort. Wenn Papst Franziskus am 29. Juli zum Weltjugendtag ins südpolnische Krakau reist, wird auch er in die Kellerzelle des 1982 als Märtyrer heiliggesprochenen Kolbe hinuntergehen.

Die wenigen direkten Zeugen von Kolbes Tod berichteten nach ihrer Befreiung, dass die Ermordung des jungen Paters einen Einschnitt bedeutete. "Die Tat von Pater Maximilian hat uns alle erschüttert. Etwas hat sich verändert. Das Gebot der Nächstenliebe hat seine Bedeutung wiedererlangt. Das Leben, das durch den freiwilligen Tod erkauft wird, hat seinen Wert zurückgewonnen", erinnerte sich Michal Micherdzinski, der als einer der letzten Zeitzeugen Kolbes im Jahr 2006 starb.

Kolbe starb für jungen Familienvater

Kolbe hatte ein dramatisches Zeichen gesetzt, weil er freiwillig in den Tod ging. Er bot sich dem SS-Führer Karl Fritzsch als Austausch für einen jungen Familienvater an, als die Nazis zur Vergeltung für die Flucht eines Häftlings im August 1941 zehn Männer zum Hungertod in die Todeszelle sperrten. "Ich möchte für einen der Häftlinge in den Tod gehen. Ich bin katholischer Priester und habe keine Familie", soll er dem KZ-Befehlshaber gesagt haben. Dieser akzeptierte den Austausch. Weil Kolbe die Qualen im Hungerbunker tagelang überlebte, wurde er schließlich durch Giftinjektion ermordet.

1894 in der Nähe von Lodz geboren, wuchs Kolbe in einer frommen Familie auf. Die Eltern schicken Rajmund - Maximilian ist erst sein späterer Ordensname - gemeinsam mit einem Bruder in ein Franziskanerinternat im heute ukrainischen Lwiw (Lemberg). Die Franziskaner entsenden den begabten Schüler dann für ein Philosophie- und Theologiestudium nach Rom, das er mit doppelter Promotion abschließt. 1918 wird Kolbe Priester.

Kolbe landet in Auschwitz

Nach dem Ersten Weltkrieg kehrt er in seine Heimat zurück und gründet westlich von Warschau die katholische "Klosterstadt" Niepokalanow mit Verlag, Druckerei, Werkstätten, Rundfunkstation, Klostergebäude und einem Seminar für Gymnasiasten. Das Zentrum wird zu einem schnell wachsenden Vorzeigeprojekt des Ordens. Kolbe gründet mehrere katholische Zeitschriften, die seine Arbeit bekanntmachen. Er selbst schreibt vor allem über die ihn selbst prägende Verehrung der Gottesmutter Maria.

Ende 1938 ist Niepokalanow mit mehr als 660 Franziskanern eine der großen Klostergemeinschaften Europas. Das Ende kommt wegen des deutschen Überfalls auf Polen im September 1939 jäh. Die deutschen Soldaten vertreiben alle Ordensbrüder und machen den Klosterkomplex zu einem Gefangenenlager. Kolbe kommt nach einer ersten Inhaftierung wieder frei. Doch schon 1941 wird er wieder verhaftet und nach Auschwitz deportiert.

Maximilian Kolbe, ein Heiliger

Die Nachricht seines Todes verbreitet sich wie ein Lauffeuer unter polnischen Katholiken. Und nach Kriegsende beginnt schnell die Verehrung Kolbes als Märtyrer. In einem gemeinsamen Brief bitten 1963 die polnischen und deutschen Bischöfe um die Seligsprechung, die 30 Jahre nach seinem Tod erfolgt.

Zugleich wird er Namensgeber des 1973 gegründeten Maximilian-Kolbe-Werks, das von seinem Sitz im baden-württembergischen Freiburg aus die Überlebenden der Konzentrationslager und Ghettos in Polen und Osteuropa unterstützt. 1982 spricht Papst Johannes Paul II. seinen Landsmann als "Märtyrer der Versöhnung" heilig.

Volker Hasenauer
(KNA)

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